Prußeit kündigt das Nein zur Kaiserplatz-Umgestaltung an

Von: Jürgen Lange
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Wo heute auf dem Kaiserplatz noch Rabatte in die Höhe schießen, soll bald eine Gastronomie für Belebung sorgen. Aber aus Sicht von Linken und Grünen sind die Pläne zur Bewirtschaftung so überdimensioniert, dass sie die Neugestaltung des Platzes nicht mehr mittragen. Foto: J. Lange

Stolberg. Nicht halb leer, sondern viel zu voll ist der Linken das Glas: Das nun geplante Ausmaß der Gastronomie auf dem Kaiserplatz ist für die Genossen um Mathias Prußeit der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt: Seine Fraktion werde deshalb morgen im Ausschuss für Stadtentwicklung die Entwürfe für den Kaiserplatz komplett ablehnen, kündigt Prußeit an.

An einem Nein zur aktualisierten Planung fürchten auch die Grünen nicht vorbeizukommen. „Wir hoffen noch auf einen Kompromiss“, sagt Dina Graetz. Die Vorsitzende und ihr Fraktionskollege Mario Wissel verweisen auf den Steinweg: Die dort vorhandene Gastronomie mit Café, Eis-Café und Gaststätten – zukünftig auch im Rathaus-Carré werde in ihrer Existenz gefährdet, befürchten die Grünen und wägen ab. Ihre Waagschale neigt sich zugunsten einer Stärkung des Steinweges. Eher entlang der Fußgängerzone denn auf dem Platz sollten sich Gastronomen engagieren, meint das Team um Dina Graetz und differenziert fein: „Wir sind für eine Neugestaltung und für eine Belebung des Kaiserplatzes, aber nicht nur des Platzes, sondern auch des Steinweges.“

Und eben diese Belebung gefährdet sehen die Grünen aufgrund der erweiterten Dimensionen der avisierten Kaiserplatz-Gastronomie. Von angedachten 169 auf 268,25 Quadratmeter Baufenster, und somit von einem Teil zum nahezu kompletten nordöstlichen Kaiserplatz-Quadrat sei die Bewirtschaftung plötzlich angewachsen. Die Konsequenz sei ein Verdrängen und Verkleinern der Spielflächen. Genau dieses entspreche aber nicht der Intention der Planungswerkstatt zur Kaiserplatz-Gestaltung, so Graetz weiter. Dort sei der Wunsch nach Spielmöglichkeiten wesentlich lauter als der nach Gastronomie gewesen.

Gleich „vor vollendete Fakten gestellt“, sieht sich die Linke. Die Dimensionen der neuen Gastronomie habe sie erst aus der Zeitung erfahren. Während Prußeit eingesteht, dass seine Fraktion mangels personeller Kapazitäten kein Mitglied in die Lenkungsgruppe Innenstadt entsende, pocht der Fraktionsvorsitzende darauf, dass Entscheidungen ungeachtet aller Koordinationsgremien der Rat und seine Ausschüsse zu treffen hätten, „sonst können wir die gleich auflösen“, erbost sich Prußeit eben über Tatsachen, die hinter verschlossenen Türen geschaffen würden. „Bis zu den Sitzungen im Juni war immer nur von einem Café die Rede“, behauptet Prußeit. Nun gehe es aber um ein Restaurant, das ein ganzes Viertel des Platzes belege.

„Privatmann profitiert“

Dabei werde die Umgestaltung des Kaiserplatzes erheblich mit öffentlichen Mitteln gefördert: „Davon soll nun ein privater Wirt profitieren“, sagt Helmut Gottfried und verschweigt, dass der spätere Betreiber zuerst eine siebenstellige Summe in den Bau der Gastronomie investieren möchte. „Und nachher bleibt die Stadt auf einer Bauruine sitzen“, befürchtet Gottfried.

Zwei weitere Aspekte führt Monika Gottfried an: Der mit dem Denkmalschutz abgestimmte Flachbau passe nicht zu den Fassaden der wilhelminisch geprägten Bauten im Umfeld, insbesondere von einst kaiserlicher Post und Gymnasium. Mehr Charme hätte eine Gastronomie in der Drummen-Villa bzw. anstellen der dortigen Garagen gehabt.

Vor vollendete Tatsachen gestellt werde die Politik außerdem durch den Verzicht auf die Pétanque-Bahn, ärgert sich Prußeit. „Boule ist in Stolberg ja eine aufstrebende Sportart.“ Darüber hinaus behauptet die Linke, dass durch die Verschiebung der Spielgeräte vom nördlichen auf den südlichen Bereich Angebote entfallen würden. Aus Sicht der Bündnisgrünen geht zumindest die „Generationen übergreifende und verbindende Angebotsvielfalt verloren“, so Graetz, wodurch auch eine höhere Verweildauer auf dem Kaiserplatz gefährdet werde.

Und dass der Kaiserplatz unbedingt belebt werden müsse, das betont auch noch einmal Mathias Prußeit. Die Linke würde die Pläne zu seiner Umgestaltung vom Grundsatz her zwar mittragen, aber das nun von der Verwaltung avisierte Ausmaß an Gastronomie, „das für andere Restaurants in Stolberg eine echte Konkurrenz bedeuten würde“, sei für die Genossen nun einmal das Maß, das überschritten werde. So könne seine Fraktion das Kaiserplatz-Projekt nicht mittragen, begründet Prußeit das morgige Nein der Linken.

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