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Prozessauftakt: Hat Täter-Trio Frauen zur Prostitution gezwungen?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg/Jülich. Zwei Brüder aus Jülich sollen in einem Stolberger Wohn- und Geschäftshaus Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Am Donnerstag begann der Prozess vor dem Aachener Landgericht.

Zu den schweren Vorwürfen wollten sich die beiden Brüder vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht am Donnerstag nicht äußern. Den 26- und 28-jährigen Männern, Miguel und Patrick C. aus Jülich wird vorgeworfen, von Januar 2014 bis November 2015 in einem Stolberger Geschäfts- und Wohnhaus „Auf der Mühle“ zwei Frauen zur Prostitution gezwungen und später bei dem beabsichtigten Ausstieg der Frauen aus dem Prostitutionsgewerbe Ablösesummen gefordert zu haben.

Mitangeklagt ist die Partnerin des Hauptangeklagten Miguel C.. Die noch 23-jährige Frederike B., sie gab gegenüber der Kammer unter Vorsitz von Richter Hans-Günter Görgen als Beruf Krankenschwester an, soll bei der Anwerbung der Frauen geholfen haben und sitzt mit auf der Anklagebank. Die Verbrechen sollen sich im Umfeld der Rockergruppierung „Black Jackets“ abgespielt haben.

Gewalt angedroht

Auf diesem Hintergrund habe man den Frauen Gewalt angedroht, falls sie nicht der Prostitution nachgehen sollten. Die beiden Brüder setzten eine Tagesmiete von 100 bis 120 Euro für die Frauen fest, die sie auch kassieren wollten, wenn keine Kunden kamen.

So häuften die Opfer Schulden an und mussten sie zum Teil in anderen Bordellen „abarbeiten“. So schickte man sie ins bayrische Rosenheim, aber auch in ein nahe gelegenes Etablissement in Alsdorf-Mariadorf oder nach Merzbrück.

Frederike B. wird unter anderem vorgeworfen, die ahnungslosen Frauen in das Gewerbe eingeführt und gefügig gemacht zu haben. Erst als eines der Opfer eine schwerwiegende Erkrankung bekam und sich ihrem neuen Freund offenbarte, ging man im November 2015 zur Polizei. Vorher hatte man ihr angeboten, sich gegen Zahlung von 5000 Euro freikaufen zu können, bei dem anderen Opfer waren es „nur“ 1500 Euro Ablöse.

Weil die Vorwürfe des Menschenhandels, der Zuhälterei und der erpresserischen Nötigung im Stolberger Rockermilieu stattgefunden haben sollen, vertrat  Oberstaatsanwältin Jutta Breuer die Anklage - die Staatsanwältin ist zuständig für Organisierte Kriminalität im Umfeld der Rockerszene in der Region.

Schlagstöcke entdeckt

Zu den Vorwürfen kommt illegaler Waffenbesitz hinzu, beim Durchsuchen der Jülicher Wohnung der Brüder wurden Schlagstöcke und weitere gefährliche Waffen gefunden. Hinzu kam der Besitz von Rauschmitteln wie Marihuana, damit soll das Brüderpaar gehandelt haben.

Wenn der Prozess am 14. November (ab 9 Uhr) fortgesetzt wird, soll am Morgen des Verhandlungstages das Opfer – sie ist gleichzeitig die Nebenklägerin – als Zeugin vernommen werden.

Mit regelrecht wütenden Protesten wandten sich die zahlreichen Verteidiger der Angeklagten – sie werden von jeweils zwei Anwälten vertreten – gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Zeugin aus einem Nebenraum heraus durch eine Videokonferenzschaltung vor Gericht anzuhören.

Sie sei nach den Drohungen auch gegen ihr Kind nicht in der Lage, unvoreingenommen und quasi unbedroht in unmittelbarerer Nähe ihrer einstigen Peiniger auszusagen, begründete auch der Anwalt der Nebenklägerin den Antrag auf eine Videokonferenz.

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