Prozess: Pensionierter Beamter soll brutal seine Ehefrau erschlagen haben

Von: Wolfgang Schumacher
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Prozess Stolberg
Oskar A. (74) soll seine Frau erschlagen haben. Der Angeklagte kam mit medizinischem Personal ins Schwurgericht. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Stolberg. Es ist schier unfassbar, was die Staatsanwaltschaft Oskar A. (74) vorwirft. Der pensionierte Verwaltungsbeamte aus Stolberg, der wegen seiner Krankheit im Rollstuhl begleitet von medizinischem Personal am Dienstag im Aachener Schwurgericht vorgeführt wurde, habe brutal und menschenverachtend seine Ehefrau erschlagen.

Die Liste der Verletzungen, die der 74-Jährige in der Nacht zum 26. Januar seiner drei Jahre älteren zweiten Ehefrau zugefügt haben soll, ist lang und verbreitet Entsetzen im Gerichtssaal. So soll er in ihrem Haus der 77-Jährigen den gesamten Bereich des Oberkörpers so brutal eingedrückt haben, dass laut Staatsanwaltschaft „alle Rippen nach innen abgerissen“ wurden. Er habe sich in dieser Nacht auf die am Boden liegende Frau gestürzt und ihren Bauch, die Brust, den Hals sowie den Kehlkopf malträtiert.

Eine klaffende Wunde am Kopf über dem Auge habe er der Sterbenden mit einer Holzstange zugefügt, das Opfer sei „an inneren Blutungen und wegen des Zusammenfalls der Lunge an Sauerstoffmangel“ so die Anklage, gestorben.

Als sie starb, soll die Ehefrau in einer Blutlache vor ihrem Bett gelegen haben. Er habe sie erst um 5.45 Uhr am nächsten Morgen tot aufgefunden, gab der gesundheitlich angeschlagene, geistig aber völlig wach wirkende Oskar A. gestern an. Von Geständnis also kann hier keine Rede sein, ein fürchterlicher Unglücksfall sei das gewesen, berichtete der Angeklagte der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen.

Alkoholmissbrauch

Hauptgrund für das tödliche Drama sei der jahrelange Alkoholmissbrauch seiner Ehefrau gewesen. Sie habe jeden Halt verloren und immer öfter zur Flasche gegriffen, als er im Jahr 2014 an Krebs erkrankt sei und später dann regelmäßig zur Dialyse habe gehen müssen. „Wir sind früher viel gereist, das war jetzt alles vorbei“, beschrieb er den Zerfall der ehelichen Strukturen.

In seinem Haus lebte das kinderlose Paar – er hat einen Sohn aus erster Ehe – auf zwei Etagen, im Parterre gab es eine Gaststätte. „Sie nahm sich immer Flaschen von dort aus dem Flur mit“, beschrieb er öffentlich vor einem gut gefüllten Gerichtssaal das tägliche Trinkverhalten seiner Frau.

An diesem Tag sei alles wie immer gewesen, erklärte er weiter im Beisein seines Strafverteidigers Norbert Hack, nur sei sie an dem Abend so betrunken gewesen, dass sie nicht mehr die Waschmaschine ausstellen konnte. „Sie rief mich ins Bad, sie konnte nicht mehr.“ Er habe dann die Waschmaschine abgeschaltet. „Die war nicht voll, die war supervoll“, beschrieb er ihren Zustand, bevor sie nach oben getorkelt sei. Dann habe er nichts mehr gehört, er habe die nasse Wäsche aufgehängt.

Dann beginnt eine Geschichte, die das Gericht ohne Kommentar zur Kenntnis nahm. An einer selbst gefertigten Zeichnung erläuterte der Angeklagte der Kammer, wie er im oberen Wohnungsbereich, hier vor dem dortigen Bad, einige Zeit nach der Waschmaschinen-Episode seine Frau mit einer Wunde am Kopf vor der ausgezogenen Speichertreppe aufgefunden habe. So, als sei sie unbemerkt völlig betrunken vom Dachboden kommend die steile Klapptreppe heruntergestürzt und dann ohnmächtig unten liegen geblieben.

Er habe sie wie so oft ins Bett bringen wollen, habe sie mit viel Kraftaufwand ins Schlafzimmer geschleppt, mühevoll auf die Bettkante gewuchtet und sie dann angezogen hingelegt. Er selber sei von der ungewohnten Anstrengung völlig erschöpft eingeschlafen – und am kommenden Morgen aufgewacht. Da habe er sie gesehen und den Notarzt gerufen. Der Prozess wird diesen Donnerstag ab 10 Uhr fortgesetzt.

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