Provisorische Überführung im Hauptbahnhof nachts installiert

Von: Jürgen Lange
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Ein Autokran hievt am frühen Sonntagmorgen das 28,50 Meter lange Stahlkorsett über drei Gleise nebst Oberleitung auf die zukünftigen Treppentürme. Die Zugänge werden 18 Meter lang sein. Mit Inbetriebnahme wird die Unterführung geschlossen. Foto: J. Lange
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Bauleiter Daniel Karpenko hat in dieser Nacht alles im Blick. Foto: J. Lange

Stolberg. Bahnpendler sollten ab dem 18. Februar ein paar Minuten Zeit mehr einplanen, wenn sie in Stolberg einen Zug in Richtung Rhein oder Nordsee erreichen wollen. Dann soll die neue, provisorische Überführung zum Mittelbahnsteig spätestens in Betrieb genommen werden. Und damit ändert sich für Reisende der Fußweg.

Von der Rhenaniastraße geht‘s über den Parkplatz an der Schrebergartenkolonie vorbei zu einer 18 Meter langen Treppe, um 28,50 Meter weit oberhalb der Schienen und wieder 18 Meter Treppen bergab zu den Gleisen 1 und 2 gelangen zu können.

Alles läuft wie am Schnürchen

Am Sonntag kurz nach Mitternacht beginnt die Montage der Behelfsbrücke. Um 0.07 Uhr hält noch einmal der Regionalexpress 10155 in Richtung Hamm am gewohnten Gleis 2. Dann wird es für den Zugverkehr ebenso wie die benachbarten Gleise 43 und 44 der Euregiobahn für den Zugverkehr komplett gesperrt. Mitarbeiter des von der Deutschen Bahn beauftragten Generalunternehmers Albert Fischer aus dem niedersächsischen Elze haben nun hier das uneingeschränkte Sagen. Sicherheit geht vor. Unter den Augen zahlreicher Sicherungsposten werden zunächst die Oberleitungen geerdet, bevor sich das Augenmerk auf das 28,50 Meter lange Stahlkorsett richtet. Am Rande der früheren P+R-Anlage – selbst eine Baustelle zur Errichtung eines Parkhauses – hängt es bereits an den Seilen eines Autokrans. Jetzt beginnen für Daniel Karpenko die wohl aufregendsten Minuten dieser Nacht.

Der Bauleiter hat kaum Augen genug, um die beiden Turngerüste, den Übergang und die Oberleitung der drei Gleise im Blick zu behalten. Nur wenige Zentimeter darüber hievt der Kran den Übergang langsam, aber stetig voran – bis er in Position ist. Derweil passieren Güter- und Personenzüge mit gehörigem Sicherheitsabstand, aber gegenläufig Gleis 1. Eine kurze Pause lässt Karpenko einlegen bis eine größere Gruppe Reisender den Mittelbahnsteig wieder verlassen hat. Dann wird die tonnenschwere Last abgesenkt. Arbeiter greifen die Streben und verschrauben sie gleich mit den speziell konstruierten Kugelköpfen. Aber damit alles, ohne unter Spannung zu stehen, passt, muss der Stahlturm auf der Parkplatzseite noch ein paar Millimeter verrückt werden. Ein ganzer Bautrupp legt mit Stangen ausgestattet Hand an. Doch die Arbeiten laufen wie am Schnürchen. Es dauert kaum eine Stunde bis die Überbrückung steht und nun sorgfältig fixiert ist.

„Das ist eine speziell entwickelte Konstruktion“, sagt Karpenko. Nun hat er die Ruhe, ein wenig zu seinem Projekt zu erzählen. Bis zu 40 Meter können mit ihr ohne zusätzliche Pfeiler überbrückt werden. Neun Meter hoch ab Schienenkante ist der Durchlass. In dem Stahlkorsett vormontiert ist bereits eine hölzerne Sicherheitsbrücke mit zwei Meter hohen Wänden. „Damit niemand so ohne Weiteres etwas auf Schienen oder Züge werfen kann“, so Karpenko weiter. Vor ihm liegen noch weitere aufregende Nächte – die Hauptarbeitszeit an einer der am häufigsten befahrenen Bahnstrecken Deutschlands. Denn in dieser Nacht wird quasi nur der Rohbau erstellt. Was folgt ist der komplette Innenausbau und die Elektrifizierung.

Die Treppen müssen noch ausgebaut werden, Leitungen verlegt, Beleuchtung installiert, Wege und Beschilderungen angebracht werden. „Zum Schluss erfolgt die Abnahme der Überführung“, berichtet Daniel Karpenko, für den bis in den Oktober hinein Stolberg das Hauptarbeitsfeld sein wird. Denn während der eine Teil der gut zwei Dutzend Mitarbeiter sich in dieser Nacht der Brücke widmet, kümmern sich andere um die Absicherung von Gleis 2 auf rund 300 Meter Länge. Hier geht es weiter, wenn die Treppenanlage in Betrieb ist. Der DB-PlusPunkt muss abgebaut und die bisherige Unterführung verfüllt werden. Dort entsteht das Fundament für die neue Überführung mit Aufzügen, die barrierefrei direkt in das Parkhaus führen soll, das im Mai auf dem P+R-Platz fertiggestellt sein soll.

Zudem wird bereits mit Blick auf den neuen Rhein-Ruhr-Express RRX, der ab Dezember 2018 den Betrieb aufnimmt, der komplette Mittelbahnsteig von 38 auf 76 Zentimeter angehoben, erneuert und der für Personenzüge nutzbare Teil von 215 auf 220 Meter verlängert. Zuerst nimmt sich Karpenkos Truppe Gleis 2, danach Gleis 1 vor.

Das bedingt, dass es immer wieder zu Veränderungen im Fahrplan kommt, Züge mit Verspätungen verkehren, an anderen Gleisen oder gar nicht in Stolberg halten oder sogar ganz ausfallen.

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