Propst-Grüber-Schule: Stolberger engagieren sich für die Flüchtlinge

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Christine Thormann (links) und Marion Link waren im Rathaus, um sich als Helfer anzumelden. Heute sortieren sie Blusen und Shirts Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Florenc, Poti und Shaoda kommen aus Albanien und Tadschikistan. Sie unterhalten sich mit der Stolbergerin Marga Wahlen auf Englisch, Arabisch, Deutsch – aber hauptsächlich kommuniziert die kleine Gruppe mit Händen und Füßen, Gestik und Mimik. „Ich war auch Flüchtling. Das war kein schönes Gefühl, als ich 1960 aus Thüringen in den Westen, damals nach Aachen, flüchten musste“, erinnert sie sich.

„Also gar keine Frage, warum ich heute helfe: aus Nächstenliebe natürlich!“ Neben Marga Wahlen haben sich am Freitag gut 25 Helfer in der Aula der Propst-Grüber-Schule eingefunden. Sie sortieren Kleidung, Schuhe, Taschen und Spielzeug, die die Stolberger in den Tagen zuvor bergeweise bei der Feuerwehr abgegeben haben, um damit den rund 150 Flüchtlingen, die in der Schule eine vorübergehende Bleibe gefunden haben, zu helfen. „Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend und was an Spenden abgegeben wurde, ist phänomenal. Das sind alles gut erhaltene Sachen, es ist für jeden etwas dabei. Ein dickes Dankeschön an alle Helfer“, sagt die Ehrenamtsbeauftragte Hildegard Nießen.

Begeistert von der Hilfsbereitschaft und den großzügigen Spenden zeigt sich auch Albert Ullrich. „Wir sind Vereinsleute, da steht man zusammen, und in der Not sollte man das sowieso“, sagt das Mitglied der BSG Prym Angeln und spricht seinen Vereinskameraden aus dem Herzen. Wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten helfe, „kommt ein großer Haufen zusammen“, ist Ullrich überzeugt. Und mit Blick auf die Flüchtlinge sagt er: „Sie verlassen ihre Heimat nicht ohne Grund, den meisten dieser Menschen geht es einfach schlecht!“

Ingrid Hard nickt zustimmend. Es sei selbstverständlich zu helfen, da brauche sie nicht lange drüber nachzudenken. Sie packte auch schon mit an, als die Spenden bei der Feuerwehr abgeben worden waren. „Ich habe seit Jahren nicht mehr so gut geschlafen wie in den letzten drei Tagen.“ Auf die Frage „Warum“ antwortet sie grinsend: „Wie sagen die Jugendlichen immer so schön? Es ist einfach ein geiles Gefühl!“

Da kann der heute anwesende Jugendliche Fabian Christleven nichts gegen sagen. Auch für den 17-Jährigen ist es Ehrensache mitzuhelfen. „Ich habe in der Tageszeitung davon gelesen und bin selbstverständlich dabei. Es ist schön zu sehen, wie sich die Leute darüber freuen – vor allem die Kinder“, sagt er.

Und als die Feuerwehrmänner Peter Cosler und Franz-Josef Kaiser die nächste Ladung Spenden mit dem Feuerwehr-Lkw zur Liester bringen, passiert genau das, worüber Fabian eben noch gesprochen hat: Kaum kommen ein paar Fußbälle zum Vorschein, leuchten die Augen der wartenden Kinder. Der kleine Ali aus Syrien strahlt über beide Ohren und kickt mit Mohamed aus Algerien. Die Stolberger genießen diesen kleinen Glücksmoment ebenso wie die Männer und Frauen aus Georgien, Albanien, Serbien, Mazedonien, Eritrea und Tadschikistan.

In der Zwischenzeit sortieren Claudia Cytron, Christine Thormann und Marion Link in der Aula Blusen und Shirts. „Es geht um erste Hilfe, um dem Ansturm gerecht zu werden“, sagen sie. Und auch für sie war es selbstverständlich, sich im Vorfeld im Rathaus als Helfer zu melden. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich heute Abend ins gemachte Nest komme, der Kühlschrank ist voll…“, so Link, „und stell‘ dir vor, morgen hast du mit einem Schlag nichts mehr, außer deiner Klamotten am Leib“, ergänzt Thormann. „Uns geht es doch gut“, betont Cytron, und darüber sind sich alle heute Anwesenden einig.

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