Stolberg - Propst-Grüber-Schule beklagt mangelnde Förderung durch die Stadt

Propst-Grüber-Schule beklagt mangelnde Förderung durch die Stadt

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Das Berufsorientierungsbüro: Während Berufswahl-Koordinator Christoph Dickeler (hinten) Schülerinnen berät, können andere derweil schon einmal in Info-Broschüren blättern. Foto: K. Linden

Stolberg. Den Innenhof haben die Schüler richtig schön hergerichtet: Es gibt einen Grill, Sitzgelegenheiten, eine Theke mit Mosaik und sogar Kunst zu bewundern. Alles selbst gemacht - mit Hilfe von Unternehmen, die mit der Schule einen Arbeitskreis bilden und den Schülern bei der Berufsfindung helfen.

Über eines kann der schön hergerichtete Hof aber nicht hinweg täuschen: Der bauliche Zustand der Propst-Grüber-Schule ist schlecht; ihn als ausbaufähig zu bezeichnen, wäre noch wohlwollend ausgedrückt. Die Fenster sind einfachverglast, ihre Rahmen aus morschem Holz, dem die Witterung der vergangenen Jahrzehnte zugesetzt hat. Mit den bloßen Fingern kann man in diese Rahmen Löcher reißen.

„Vom Konjunkturprogramm I und II haben alle Schulen in Stolberg profitiert, mit Ausnahme der Propst-Grüber-Schule”, sagt deren Leiter Walther Clahsen mit Blick auf das Gebäude aus den sechziger Jahren. Seit zweieinhalb Jahren sei durch den Schulträger, also die Stadt, dort nichts mehr passiert. „Wir weigern uns aber, das als Methode zu bezeichnen”, sagt Clahsen, gibt allerdings zu: „Aus unserer Sicht ist das nicht gerade lustig.”

Während an vielen Schulen im Stadtgebiet derzeit fleißig erweitert, umgebaut und energetisch saniert wird, herrscht an der Hauptschule auf der Liester ein Stillstand, der lediglich in einem Punkt als positiv bewertet werden kann: Es gibt zumindest keinen Baulärm, der den Unterricht stört.

Walter Clahsen ist trotzdem guter Dinge, wenn er über seine Schule spricht - nicht nur weil die Anmeldezahlen zuletzt wieder gestiegen sind. Die Hauptschule nennt sich heute Projektschule für Berufsorientierung und sieht sich auf diesem Gebiet in einer Vorreiterrolle. Zwar ist Berufsorientierung mittlerweile an allen Schulen und Schulformen etabliert, aber „wir waren die ersten in der ganzen Städteregion, die sich dem Thema konsequent gewidmet haben”, sieht Clahsen darin einen gewissen Vorsprung.

Angefangen haben sie diesen Prozess bereits vor knapp sieben Jahren, seit vier Jahren wird er konsequent gegangen. „Wir haben die Schule systemisch umgestellt”, beschreibt Clahsen den Prozess. So, dass die Propst-Grüber-Schule heute modellhaft für andere Schulen steht. „Wir transformieren Ideen, die hier umgesetzt wurden, an andere Schulen”, sagt auch Berufswahl-Koordinator Christoph Dickeler. Und darauf sind sie auf der Liester durchaus stolz.

„Vieles hat sich bei uns schneller entwickelt”, sagt Walter Clahsen mit Blick auf den „Arbeitskreis Schule - öffentliche Wirtschaft”. Der wurde mit fünf Unternehmen aufgebaut - heute sind es 23, darunter die Bundeswehr als ziviler Ausbilder. Auf diese Weise haben viele Schüler nicht nur praktische Berufserfahrung gesammelt, auch Verträge für Ausbildungsplätze wurden auf diesem Weg schon unterzeichnet. „Manche der Firmen kommen heute direkt zu uns mit Lehrstellenangeboten”, sagt Clahsen.

Zum System der Schule gehört Berufsorientierung bereits ab dem 5. Schuljahr. Wirtschaftslehre ist deshalb ein Schulfach für alle Jahrgänge und nicht erst die ab Klasse 7. Zu früh sei das nicht, sagt Clahsen. „Wir wollen die Schüler zu größtmöglicher Ausbildungsreife führen”, so der Schulleiter. „Das ist nur möglich, wenn sie rechtzeitig anfangen, sich zu orientieren.”

Mit Hilfe der Partnerunternehmen gelingt es, bereits Schülern der 5. und 6. Klassen Tagespraktika anzubieten und Einblicke in verschiedene Berufe zu verschaffen. Und auch der Unterricht soll so handlungs- und projektorientiert wie möglich gestaltet werden. Immer wieder geht es dabei raus aus den engen Grenzen der Schulräume.

Zwar hätte man nichts gegen einen größeren Werkraum, aber, so Christoph Dickeler: „Draußen findet das Leben statt.” Deshalb sei der Kontakt zu Firmen so wichtig, zum Beispiel zum Handwerk. „Erkenntnisse, die die Schüler nach praktischer Arbeit gewinnen, die sitzen”, sagt Walter Clahsen. „Das ist Begreifen mit Kopf, Herz und Hand.”

Ganz frisch eingerichtet haben sie an der Propst-Grüber-Schule ein Berufsorientierungsbüro. In dem gemütlichen Raum - genau wie der neue Computerraum ganz ohne städtisches Zutun errichtet und ausgestattet - werden Schüler aller Jahrgänge beraten, Akten für jeden Einzelnen werden angelegt. Dabei geht es nicht nur um Berufsorientierung, sondern um die komplette Lebensplanung. „Man kann den Schülern am besten helfen, wenn man ihre ganze Persönlichkeit erschlossen hat”, erklärt Clahsen.

Ob die gute Arbeit der Schule auch in Zukunft hilft, eigenständig zu bleiben, mit dieser Frage will sich Schulleiter Clahsen öffentlich nicht auseinandersetzen. Dass sich die Schullandschaft in Stolberg aber erheblich verändern wird, darin ist er sich sicher. „Ich bin fest davon überzeugt”, sagt Clahsen, „dass es andere Schulformen geben wird. Wenn man an die Real- oder Hauptschulen denkt, dann bin ich nicht sicher, ob diese in der jetzigen Form bestehen bleiben.”

Weitere Informationen:

Mit verschiedenen Projekten führt die Propst-Grüber-Schule ihre Schüler an unterschiedliche Berufe an. Sehr erfolgreich war im Jahr 2008 das preisgekrönte Projekt „Mode” in dem Schüler eine eigene Modenschau auf die Beine stellten. Von Gestaltung und Design über Frisör- und Kosmetiktätigkeit bis hin zu Schreiner- oder Metallbauarbeiten beim Laufstegbau wurden den Schülern viele Tätigkeiten auferlegt, die zugleich einen perfekten Einblick in den jeweiligen Beruf boten.

Aktuell läuft an der Schule ein Theaerprojekt. Dazu gibt es drei Schülerfirmen: eine Schmuckgruppe zur Herstellung von Modeschmuck, die Gruppe Steruobstwiese, die Obst pflegt, erntet, verarbeitet und verkauft, sowie die Catering-Firma „Top-Catering”. Die Schüler lernen, wie eine Firma funktioniert, sie wirtschaften und erwirtschaften, schreiben Rechnungen, machen Angebote und führen sogar Einstellungsgespräche.

Am Montag, 8. März, findet im Butzweiler Hof in Köln der Hauptschultag des Landes NRW statt. Mit nur drei weiteren Schülerfirmen des Landes wird „Top Catering” dort für die Bewirtung sorgen. Für Walter Clahsen ein Beweis, wie positiv die Arbeit der Schule bei der Bezirksregierung bewertet werde. Weiteres Indiz dafür: Die Schule ist gebeten worden, an diesem Tag noch einmal Teile des Modeprojekts aufzuführen, um die praktische Berufsorientierung zu dokumentieren.
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