Projekt „Euregio Rail Port“ erhält große Unterstützung

Von: Jürgen Lange
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20 Kilometer Gleise in den Güterbezirken des Stolberger Hauptbahnhofs bilden den Kern des projektierten „Euregio Rail Port“. 1,5 Millionen Tonnen Güter werden bereits heute in Stolberg umgeschlagen.
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Zunehmender Umschlag der Häfen sollen hier konfektioniert und umgeladen werden.
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Mehr Investitionen in die Infrastruktur sind eine Forderung des Unternehmerforums. Foto: J. Lange

Stolberg. Es wird ein mehr als deutlicher Appell sein, den am Freitag Bürgermeister, Landräte und Vertreter der Kammern in Düren auf der Konferenz der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) an Land und Bund richten, „um den dringenden Handlungsbedarf“ deutlich zu machen. Das verrät zwei Tage zuvor beim Stolberger Unternehmerforum zur Verkehrsinfrastruktur schon einmal Joachim Diehl:

„Wenn wir zukünftig nicht ins Hintertreffen geraten wollen, müssen jetzt erhebliche Investitionen in die Infrastruktur unserer Region fließen“, sagt der IRR-Geschäftsführer. „Anderenfalls stehen wir vor dem Kollaps“. Zu einer dieser angemahnten Investitionen kann der „Euregio Rail Port“ in der Kupferstadt zählen. Als Güterverteilzentrum am Hauptbahnhof vor gut einem Jahr gestartet ist die Idee, die Bürgermeister Tim Grüttemeier jetzt unter dem Projekt-Portfolio der IRR platzieren und damit eine wichtige erste Hürde auf dem langwierigen Weg einer Realisierung nehmen konnte.

Zuwachs an Güterumschlag

Der „Euregio Rail Port“ skizziert die Symbiose von fünf Bahnhofs- und Gewerbeflächen im Umfeld des Hauptbahnhofes mit seinen 20 Kilometer Gleis umfassenden Güterbezirken mit („Stolberg war in den 1930er Jahren Deutschlands größter Bahnhof“, so EVS-Gesellschafter Ewald Schmitz), der Gewerbegebiete Camp Astrid sowie Merzbrück mit Gleisanschluss und Flughafen mit einem Potenzial von aktuell 1,475 Millionen Quadratmeter Logistikflächen. Eine gute Ergänzung zu dem Stolberger Projekt könnte zudem die Initiative von Städteregion und Kreis Düren zu einem Logistikzentrum in der Nachfolge des Kraftwerkes Weisweiler sein. Von dem prognostizierten Zuwachs an Güterumschlag in den Häfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam (Zara) kann die Region erheblich profitieren und sich als Hinterland, als logistisches Gunstzentrum, profilieren, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.

Diese Perspektive untermauert Michael F. Bayer. Bereits in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Logistikbeschäftigten im Kammerbezirk um 3,1 Prozent auf 33 035 Mitarbeiter angestiegen, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industie- und Handelskammer Aachen. Der Güterumschlag in den „Zara“-Häfen soll bis 2030 um 58 Prozent anwachsen. Die Region liege so günstig, dass sie sich für Zwischenlagerung, Umschlag und Konfektionierung anbiete. Die Ansiedlung der Produktion von Backwaren, Schokolade und nun auch Eis von Lidl im Kreis Heinsberg, so Bayer, sei nur eines von vielen Beispielen für die logistisch günstige Lage im Herzen Europas.

Die Euregioverkehrsschienennetz GmbH (EVS), Gastgeber des gut besuchten 2. Stolberger Unternehmerforums im Hauptbahnhof, schlägt bereits heute 1,5 Millionen Tonnen Güter im Jahr um, und hält in Stolberg und Herzogenrath weiteres Potenzial zur Warenlogistik vor, erläutert EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil („auch für kleinere Tonnagen“) die Ambitionen des Infrastruktur-Bereitstellers für die Euregiobahn vermehrt Güter auf der Schiene zu transportieren und als Drehkreuz zu fungieren.

Ihre Chance wahren, könne die Region aber nur, wenn in die vernachlässigte Verkehrsinfrastruktur investiert werde. Das arbeiten Diehl, Baier, Grüttemeier und Fürpeil im Podiumgespräch mit Prof. Dr. Christoph Hebel (FH Aachen) heraus. Beispielhaft wird nicht nur die desolate Leverkusener Brücke über den Rhein genannt, sondern auch der Lückenschluss der A 1 zwischen Blankenheim und Kelberg sowie vor allem das „dritte Gleis“ zwischen Aachen und Köln nebst angrenzender Netze und Knotenpunkte gefordert.

Dazu zählt auch eine Ausbau der Euregiobahnstrecke nach Siersdorf und Baesweiler sowie nach Breinig und darüber hinaus nach Eupen, aber auch die Fortführung des „Eisernen Rheins“ zum Hafen Antwerpen. Einen Zusatzbedarf von 10,5 Milliarden Euro für alle Verkehrsträger von Land und Bund postuliert Bayer, der sich für Stolberg und Eschweiler den dritten Bauabschnitt zum Lückenschluss der Landesstraße 238 wünscht. Das Aachener Autobahnkreuz aber, betonte Bayer erneut, werde bei seiner Fertigstellung schon wieder überholt sein, um die wachsenden Verkehrsströme bewältigen zu können. „Noch verfügt die Region über gute Voraussetzungen“, mahnt der IHK-Hauptgeschäftsführer, „angesichts der Verkehrszuwächse einen großen Handlungsbedarf an. Erfolgen verstärkte Investitionen in die Infrastruktur nicht, „ist der volkswirtschaftliche Schaden vorprogrammiert.“

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