Problematische Fotos: Ermittlungen gegen Sanitäter

Von: Sarah-Lena Gombert und Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Drei Rettungssanitäter der Stolberger Feuerwehr haben von eigenen Einsätzen Fotos gemacht, obwohl dies gegen die Vorschriften verstößt. Das Foto oben zeigt einen Einsatz der saarlandländischen Feuerwehr. Foto: imago/Becker&Bredel
Rettungswache Feuerwache Stolberg
Die Rettungswache Stolberg. Gegen drei Rettungssanitäter hat die Staatsanwaltschaft Aachen im April ein Ermittlungsverfahren wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ eingeleitet. Foto: Jürgen Lange
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Der Fall war bekannt geworden, weil ein Bekannter eines der Sanitäter dem Stolberger Bethlehem-Krankenhaus (Bild) eines der Fotos zugeschickt hatte. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei bei der Stadt Stolberg angestellte Rettungssanitäter. Sie haben bei verschiedenen Einsätzen im Jahr 2015 bis zu fünf Fotos gemacht, auf denen auch verletzte Menschen abgebildet sind, wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel am Dienstag erklärte.

Bereits im April leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die drei 28, 30 und 35 Jahre alten Rettungssanitäter wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ ein. Die Stadt Stolberg hat bereits arbeitsrechtlich auf die Fälle reagiert, von Kündigungen allerdings abgesehen.

Wenn die drei Rettungssanitäter ihre Fotos niemandem gezeigt hätten, wäre wahrscheinlich gar nichts passiert, jedenfalls wäre wohl kein Fall daraus geworden. Doch als im Frühjahr ein Bekannter von einem der Rettungssanitäter das Stolberger Bethlehem-Krankenhaus darüber informierte, dass Rettungskräfte in Stolberg Fotos von Einsätzen machen würden und zum Beweis gleich eines dieser Fotos mitschickte, war die Sache nicht mehr aufzuhalten, auch wenn einer der Rettungssanitäter zeitgleich die Stadt Stolberg über die Fotos informierte. Das Krankenhaus erstattete Anzeige, seit April ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft gegen die drei städtischen Mitarbeiter.

Rettungskräften ist es strikt verboten, Fotos von ihren Einsätzen zu machen, Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn Fotos der Sicherung von Beweisen dienen, zum Beispiel an Tatorten. Dies war bei den drei bislang sichergestellten Fotos jedoch nicht der Fall, wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Mindestens ein Foto war in der Ambulanz des Bethlehem-Krankenhauses entstanden, während der Rettungsdienst dem Krankenhaus einen Patienten übergab. Andere Fotos seien bei Einsätzen im Freien entstanden.

Die Staatsanwaltschaft ist mit ihren Ermittlungen noch nicht sehr weit, und ob der Fall vor Gericht kommt, steht keineswegs fest. Es besteht zunächst nur der Verdacht, dass die drei Rettungssanitäter sich der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ schuldig gemacht haben, bei einer Verurteilung drohen eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft.

Die Stolberger Fotos erinnern an den Selfie-Skandal am Aachener Klinikum, der im Herbst 2014 öffentlich geworden war. Damals hatten fünf Krankenpfleger Fotos und eine Videoaufnahmen von dementen oder besinnungslosen Patienten gemacht, die zum Teil für diese Fotos geschminkt worden waren. Die ehrverletzenden Aufnahmen wurden dann in einer Whatsapp-Gruppe geteilt. Anfang des Jahres wurden die fünf Krankenpfleger vom Amtsgericht Aachen zu Geld- und Freiheitsstrafen bis zu acht Monaten verurteilt.

Bei den Fotos der Stolberger Rettungssanitäter handele es sich aber nicht um solch entwürdigende Aufnahmen, sondern um Fotos von Einsätzen, erklärte Oberstaatsanwalt Muckel. Kürzlich hätten bei den Verdächtigen Hausdurchsuchungen stattgefunden. In erster Linie seien Datenträger beschlagnahmt worden, auf denen nach weiteren Fotos gesucht werde. Die Auswertung liege allerdings noch nicht vor, sagte Muckel.

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat Hinweise darauf, dass mindestens fünf Fotos existieren. Auf einem der Fotos sei ein Schwerverletzter zu sehen, der später starb, sagte Muckel. Ob er schon tot war, als das Foto entstand, sei noch nicht klar. Im Moment gehen die Ermittler davon aus, dass die Fotos nicht systematisch verbreitet worden sind wie beim Selfie-Skandal am Klinikum. Dennoch bestehe der Verdacht, dass eines oder mehrere Fotos auch in diesem Fall verbreitet worden sein könnten.

Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU) erklärte am Dienstag, die drei Rettungssanitäter „haben uns erklärt, dass sie die Fotos für Schulungszwecke gemacht haben“. Sie seien sich keiner Schuld bewusst gewesen und hätten erst in den Gesprächen erkannt, dass sie Fehler begangen haben. „Darum haben wir uns auch dagegen entschieden, außerordentliche Kündigungen auszusprechen“, sagte Grüttemeier.

Ein erfahrener Rettungssanitäter aus der Städteregion Aachen, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte am Dienstag, allen Rettungskräften müsse klar sein, dass Fotografieren am Einsatzort verboten ist. „Das Problem ist, dass es schwer zu kontrollieren ist“, sagte der Rettungssanitäter. Er geht aber davon aus, dass „die allermeisten Rettungskräfte sich an das Verbot halten“.

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