Premiere: Repowering für Werther Windkraft

Von: Heike Eisenmenger
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Feinarbeit war gefragt, als der erste der beiden tonnenschweren Kolosse in Werth jetzt demontiert wurde. Foto: B. Heep

Stolberg-Werth. Mit dem „Schnellaufzug” geht es zur Nabe der Windenergieanlage: Dort oben, in 64 Meter Höhe, ist der Einstieg in die Gondel des Windrades. Es ist eines von zwei Windenergieanlagen des Typs Nordex N54, die nach Polen verkauft worden sind und dort in Zukunft „sauberen Strom” produzieren werden.

Nur wenige Meter vom alten Standort versetzt werden ab Oktober zwei neue Windräder des Typs Enercon E70-E4 stehen, die deutlich mehr Leistung schaffen und aufgrund fehlenden Getriebes - das ist oftmals die Schwachstelle eines Windrades - weniger störanfällig sind.

Doch zunächst muss der Abbau der Nordex-Anlagen abgewickelt werden. Bis spätestens am Donnerstag werden dort, wo bis vor kurzem noch die stählernen Giganten ihre mächtigen Flügel drehten, lediglich Reifenspuren daran erinnern, dass hier etwas Schweres transportiert worden ist. Präzise gesagt: Allein der Stern (das sind die Flügel mit Nabe als Gesamtkonstruktion) wiegt mehr als 30 Tonnen.

Normalerweise gelangen die Monteure durch die enge Röhre in die Gondel. Da die Arbeiter aber mit dem Kranlift zu ihrem Einsatzort gelangen, erfolgt der Einstieg über die Nabe, die wie ein Bullauge eine Abdeckung hat.

Aus Sicherheitsgründen wurde zuvor nicht nur die Anlage abgeschaltet, sondern auch die „Tips” aktiviert. Die Tips sind die Bremsen an den Spitzen der Rotorblätter. Bremswirkung haben sie in dem Moment, wenn sie in eine bestimmte Stellung gebracht werden. Soll die Anlage jedoch Strom produzieren, werden die Tips so gestellt, dass sie in das Rotorblatt miteinfügen und eine glatte, durchgängige Oberfläche bilden.

Dass die Anlage ausgeschaltet ist und auch die Flügelspitzenbremsen aktiviert sind, „ist zum Schutz der Männer in der Gondel wichtig. Bei eingeschalteter Anlage würden sie in Gefahr laufen, mit der Kleidung in drehende Teile zu geraten”, erklärt Dr. Franz Josef Ingermann, Geschäftsführer der „Energiesysteme GmbH & Co. Windpark Weißenberg KG”.

Die Schrauben, die den Stern mit der Gondel verbinden, sind mindestens so breit wie zwei Männerdaumen. Sie sind so fest angezogen, dass sie mit reiner Muskelkraft allein nicht zu lösen sind.

Die Schrauben zu lösen, ist nur eine von vielen Dingen, die getan werden müssen. Die Demontage wie auch der Aufbau verlangen volle Konzentration von allen Beteiligten, weil schon die geringste Unachtsamkeit fatale Folgen haben könnte.

Insbesondere der Kranfahrer am Boden muss wie ein Luchs aufpassen, dass der Stern, der mittlerweile von der Gondel gelöst und im Freien schwebt, nicht ins Schwingen gerät. Die Konstruktion hängt an den Schlaufen eines Tragegeschirrs und es ist klar, dass eine starke Windböe ausreicht, die Rotorblätter gegen den Turm zu drücken.

Eine Verletzung der Metallröhre hat meist einen Totalschaden zur Folge, „der Turm muss als solcher intakt bleiben, weil auf ihm rund 200 Tonnen lasten. Bei einem Schaden ist die fast immer die Statik hin”, beschreibt Windmüller Ingermann die Dimensionen. Darum findet ein Abbau nur dann statt, wenn kaum Wind herrscht.

Jede Windkraftanlage hat wie ein Auto ihr eigenes Kennzeichen. „NX 9106” ist das Kennzeichen des Windrades, das gerade demontiert wird. „Es gibt ein Register, in dem alle Windkraftanlagen auf internationaler Ebene mit Kennzeichen aufgelistet sind”, berichtet Ingermann, der in den nächsten Tagen noch einiges zu tun hat, denn schließlich muss auch die zweite Windkraftanlage abgebaut werden und wird auf einem Tieflader ins polnische Kórnik gebracht.

Leiser und stärker

Die beiden Enercon-Windkraftanlagen im Windpark Weißenberg sind das erste Repowering-Projekt in der Städteregion Aachen. Grundgedanke des Repowering ist, dass alte Anlagen durch leistungsfähigere und leisere ersetzt werden. Neben dem höheren Energieertrag will man mit dem Repowering vor allem die Zerstückelung des Landschaftsbildes durch zu viele Windräder verhindern.

Für den Windmüller bietet das Projekt auch einen finanziellen Anreiz: Abgesehen von einer attraktiven Anfangsvergütung wird für einen garantierten Zeitraum ein Bonus von 0,5 Cent/kWh oben drauf gelegt.

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