Präsidentenwahl Türkei: In Stolberg keine 100 Stimmen abgegeben

Von: naima
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Im Stolberger Stadtteil Mühle leben viele ausländische Mitbürger. Die Türken unter ihnen konnten erstmals von Deutschland aus an der Präsidentenwahl in der Türkei teilnehmen. Foto: N. Wolfsperger

Stolberg. Für die Türkei geht an diesem Sonntag eine historische Wahl zu Ende. Einerseits wird seit bestehen der Republik (1923) zum ersten Mal das Amt des Präsidenten direkt gewählt, andererseits durften wahlberechtigte Türken auch im Ausland wählen.

Auch die in Stolberg lebenden Türken waren zur Wahl aufgerufen. Im Ausland an den eigenen Staatswahlen teilzunehmen ist prinzipiell nicht untypisch. Während Auslandsdeutsche über Briefwahl an den Wahlen teilnehmen, wählen andere gegebenenfalls in den Konsulaten ihrer Staatsregierungen.

Die Einrichtung von Wahllokalen für Ausländer ist jedoch neu. In allen EU-Ländern wurden Wahllokale eingerichtet, damit Auslandstürken ihre Wahl mit einem traditionellen Urnengang begehen konnten. Der organisatorische Aufwand, der dafür von der türkischen Regierung vorgenommen wurde, war enorm. Etwa 2,7 Millionen türkische Staatsbürger in der EU waren wahlberechtigt.

1,4 Millionen davon in Deutschland. Die Erwartungen der türkischen Regierung waren entsprechend groß. Um den Wahlberechtigten den Urnengang möglich zu machen, richtete die türkische Regierung riesige Wahllokale, sieben in Deutschland, ein.

Die Stimmabgabe im Ausland hatte bis zum 3. August zu erfolgen. Das Ergebnis blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Etwa 8,3 Prozent der Auslandstürken gaben ihre Stimme in Wahllokalen oder an der Grenze ab. In Nordrhein-Westfalen beteiligten sich von etwa 480.000 Wahlberechtigten 8,8 Prozent, wenig mehr als 42.000 Personen. In Nordrhein-Westfalen wurden der ISS Dome in Düsseldorf, dem auch die in Stolberg sesshaften Auslandstürken zugewiesen wurden, und in Essen die Messe zu türkischen Wahllokalen.

Turgay Sacu, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Stolberg erklärt, dass von den wahlberechtigten Türken in Stolberg keine 100 Person zur Wahl gegangen sind. „Man hatte sich überlegt, einen Bus zu mieten. Einige Wähler haben sich dann aber in Fahrgemeinschaften zusammengeschlossen, sofern ihre zugeteilten Wahltermine das zuließen“, erklärt Sacu. Die Wahlberechtigten mussten sich beim türkischen Konsulat bestätigen und anschließend online einen Termin geben lassen.

„Da scheiden bereits einige ältere Menschen aus, die sich nicht so gut mit Computern auskennen“, so Sacu. Zum anderen wurde bei der Terminvergabe keine Rücksicht auf Familien und Partner genommen. „Wenn der Weg zur Urne bis zu etwa 250 Kilometer betragen kann sowie auf eigene Kosten zurückgelegt werden muss, dann kann das allein für eine Person schon einen besonderen Aufwand an Zeit und Geld erfordern.“

Für mehrere Personen einer Familie, die zu unterschiedlichen Terminen anreisen müssen, kann es schwierig werden. So auch bei einer Stolberger Türkin die nicht genannt werden will. Ihr Mann hat an der Wahl teilgenommen, sie hätte auch gerne gewählt, aber der Familie fehlte Zeit und Geld um beide Wahltermine wahrzunehmen. Einer der Stolberger, die in Düsseldorf wählen waren, hat aus voller Überzeugung Erdogan gewählt:

„Ich kenne keinen Besseren. Was er in zehn Jahren erreicht hat - die Renten- und die Krankenversicherung, die Krankenhäuser und der erfolgreiche Kampf gegen Korruption und den Schwarzmarkt.“ Heute sei die Türkei wirtschaftlich viel besser aufgestellt, sagt der junge Mann, der nicht öffentlich genannt werden will.

Ein weiterer Landsmann hätte es ihm in der Wahl gleich getan, wenn die Reise an die Urne nicht so weit gewesen wäre. Ohne Auto sei es einfach schwer nach Düsseldorf zu kommen. Die Strecke nach Aachen hätte er durchaus zurückgelegt.

Eine junge Türkin, Peyrüze Y., konnte ihren Termin nicht wahrnehmen. Es habe an der Informationsvermittlung und bei der Organisation gehakt, sagt sie. „Wir haben in der Familie erst mal einen Termin verpasst, bis wir verstanden haben, wie es läuft. Die Organisation war wirklich schlecht.“ Sie hätte Demirtas Selehatin gewählt, er sei ein Präsident für alle Sprachen und für alle Religionen in der Türkei.

Cem O. ist nicht wahlberechtigt in der Türkei, er ist deutscher Staatsbürger. Er wäre nicht wählen gegangen und hat in seinen 34 Lebensjahren noch nie von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht. „In der Politik wird immer sehr viel versprochen und das Wenigste eingehalten. Das tut mir weh“, erklärt er. Von 12 befragten Stolbergern waren neun wahlberechtigt, zwei von ihnen waren tatsächlich wählen und haben sich für Erdogan entschieden.

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