Polyglotter Priester mit Kultstatus feiert Jubliäum

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
Mesghinna-BU
Zu seinem 30-jährigen Jubiläum bekommt Pfarrer Dawit Mesghinna vom Gemeinderat der Pfarre St. Franziskus ein in Tirol geschnitztes Abbild der Kirche in der Velau geschenkt. Foto: D. Müller

Stolberg-Velau. Die Zahl der Gratulanten war groß, als Dawit Mesghinna am Dienstag sein 30-jähriges Jubiläum als Pastor in der Gemeinde St. Franziskus beging. Begonnen hatte der Abend mit einem Dankgottesdienst, der musikalisch unter anderem von Angela Buzari, Heike Chauvistré und Hermann-Josef Schulte mitgestaltet wurde.

Anschließend waren alle Gemeindemitglieder und Freunde zu einem Empfang in das Pfarrzentrum eingeladen. Diese Einladung nahmen sehr viele Menschen freudig an, um sich bei ihrem Pfarrer für drei Jahrzehnte Arbeit in der Velau zu bedanken.

Ermutigung, selber Kirche vor Ort zu gestalten

Die stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen äußerte die Hoffnung auf weitere Jubiläen und würdigte Mesghinna als einen Pastor, der die Christen seiner Gemeinde stets angeregt habe, selber Kirche vor Ort zu gestalten.

Für Pfarrer Hans-Rolf Funken und Wolfgang Philipp Weber, Vorsitzender des Gemeinderats der Großpfarre St. Lucia, die beide nach dem Gottesdienst nicht mehr an dem Empfang teilnehmen konnten, verlas Gerd Düppengießer einen Brief. „Pfarrer Dawitt Mesghinna hat Kultstatus in seiner Gemeinde und über die Velau hinaus”, lautete eine Passage des Gratulations- und Dankschreibens von Funken und Weber.

Dreidimensionales Bild

Als Vorsitzender des Gemeinderats von St. Franziskus überreichte Düppengießer dem Jubilar danach ein besonderes Geschenk: Bei einem Tiroler Holzschnitzer hatte der Gemeinderat ein dreidimensionales Bild der Pfarrkirche in der Velau anfertigen lassen, über das sich Mesghinna sichtlich freute.

Auf den Tag genau am 16. November vor dreißig Jahren wurde Mesghinna von dem damaligen Dechanten Franz Schleiermacher als Pfarrer in St. Franziskus eingesetzt. Geboren in Eritrea ging er im Anschluss an seine Gymnasialzeit nach Casamari (Italien), um Philosophie und Theologie zu studieren. Dort wurde Mesghinna 1964 zum Priester geweiht.

Seit 1973 in Deutschland

Ende 1973 kam er nach Deutschland, wo er auch eineinhalb Jahre in Simmerath eine Ausbildung zum Krankenpfleger machte. Darauf wurde er als Diözesan-Priester in Aachen inkardiniert und war knapp fünf Jahre Kaplan in Schevenhütte und Werth, bevor er 1980 der Pastor von St. Franziskus wurde. Seit 1983 ist Pfarrer Dawit Mesghinna Deutscher Staatsbürger - mit Migrationshintergrund.

„Ich habe keine Schwierigkeiten mit Integration gehabt, obwohl ich, als ich hier ankam, kein Wort deutsch konnte. Die Sprache habe ich dann aber sehr schnell gelernt, auch indem ich viel gelesen habe”, erinnert er sich. Reichlich Übung im Erlernen einer neuen Sprache hatte der polyglotte Priester ja bereits: Mesghinna beherrscht neben Deutsch seine eritreische Muttersprache „Tigrinya”, die äthiopischen Sprachen „Ge´ez” und „Amharisch”. Er spricht fließend italienisch und englisch und erwarb in seinem Studium fundierte Kenntnisse in Latein, Griechisch und Hebräisch.

Zuhause: Ganz eindeutig in der Velau

Zu Hause ist Mesghinna nach eigenem Bekunden eindeutig in der Velau: „Ich fühle mich sehr wohl hier und habe eine ganz tolle Gemeinde, auf die ich sehr stolz bin. Als ich hierher kam, kannte man nur die Velau - heute ist die aktive Pfarrgemeinde St. Franziskus ein Begriff. Ich bin glücklich, das mit den Menschen der Gemeinde geschafft zu haben.”

Der 71-Jährige leidet unter einer Nierenkrankheit und benötigt derzeit dreimal wöchentlich eine Dialyse-Behandlung. Dennoch verspricht Mesghinna, St. Franziskus als engagierter Seelsorger noch lange erhalten zu bleiben. „Solange ich körperlich kann und Aachen mich lässt, bleibe ich Pastor in der Velau”, betont der Priester mit „Kultstatus”.
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