Polizeikontrolle: Raser halten sich vornehm zurück

Von: Ottmar Hansen
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Harald Schirra hat die entgegen kommenden Pkw- und Motorradfahrer auf der Prämienstraße fest im Blick. Wer schneller als Tempo 50 fährt, wird angehalten und muss mit einem Knöllchen rechnen. Foto: O. Hansen.

Stolberg. Auf der Prämienstraße geben Autofahrer schon mal gerne Gas. Vor allem, wenn sie von Büsbach kommen. Dann geht es schließlich schön bergab. 70 oder 80 km/h auf dem Tacho sind hier keine Seltenheit. Erlaubt ist Tempo 50! Doch am Dienstagmorgen ist alles anders. Die Polizei hat ihren vierten „24-Stunden-Blitz-Marathon“ angekündigt. Und sich auch auf der Prämienstraße „auf die Lauer“ gelegt. Und prompt fahren alle gesittet.

Auch wer nichts von der landesweiten Aktion wusste: Mit etwas Weitblick sind die Polizeifahrzeuge und zahlreiche Beamte leicht auszumachen. Freundliche Autofahrer warnen den Gegenverkehr zusätzlich mit Lichthupe vor der Laserfalle. Wer jetzt noch zu schnell fährt und angehalten wird, ist wirklich selbst schuld.

Eigentlich hatte die Polizei für ihre aktuelle 24-Stunden-Aktion nur fünf Straßen in Stolberg ausgewählt: Europastraße, Hastenrather Straße, Markusplatz, Schneidmühle und Zweifaller Straße. Doch fünf „Wutbürger“, wie die Beschwerdeführer über Raserei auf den Straßen inzwischen bei der Polizei genannt werden, hatten sich auch über Schnellfahrer und die unerlaubte Durchfahrten von Lkw auf der Prämienstraße beschwert. Kurzfristig baute die Polizei eine Kontrollstelle am frühen Dienstagmorgen denn auch hier noch auf.

Ein schwarzer BMW kommt mit ziemlichem Tempo die Straße hinunter, doch Harald Schirra am Lasergerät bleibt ruhig. Alles im grünen Bereich. „Der Eindruck, den man mit den Augen hat, täuscht manchmal“, sagt der erfahrene Ordnungshüter. „Vor allem bei Gegenverkehr kommt einem das Tempo eines Fahrzeuges höher vor als es tatsächlich ist.“

Dass er an diesem Morgen und an dieser Stelle nur an zwei Raser (einer ist mit 64 km/h unterwegs) Knöllchen verteilen kann, sehen Schirra und sein Kollege Franz-Josef Hahn hinter dem Laser-Fernglas nicht sonderlich tragisch. „Unser Ziel, die Autofahrer zu vernünftigem Tempo zu bringen und die Unfallgefahr hier zu senken, ist auf jeden Fall erreicht.“

„Die Leute legen heute aggressiveres Verhalten im Straßenverkehr an den Tag“, weiß Einsatzleiter Günter Kaulen. „Die Probleme unserer Gesellschaft werden auf der Straße ausgetragen. Jeder für sich, ohne Rücksichtnahme lautet das Motto.“

Problematisch wird es dann beim zweiten Einsatzgrund der Polizei auf der Prämienstraße: die Lkw-Kontrolle. Eigentlich gilt hier ein Durchfahrtverbot für Lkw mit einem Gewicht über 7,5 Tonnen. Und fast im Minutentakt rauschen die dicken Brummis an den Beamten vorbei. Ohne dass die Polizei etwas dagegen unternehmen kann. „Leider hat das Durchfahrtverbotsschild den kleinen Zusatz Anlieger frei“, bedauert Bernd Klefisch, Leiter der Direktion Verkehr bei der Aachener Polizei. Und Anlieger ist im Zweifelsfall jeder. Rund um die Prämienstraße gibt es zahlreiche Baustellen, die von Lkw angefahren werden müssen.

Nach gut einer Stunde packen die Beamten ihr Laser-Fernglas und die Anhaltekelle zusammen. Leicht durchgefroren. Jetzt geht es zur benachbarten Polizeiwache, um einen heißen Kaffee zu trinken, ehe die Kontrollstelle am nächsten „Wutpunkt“ der Bürger aufgebaut wird.

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