Polizei ist auf „Crash-Kurs” mit Jungfahrern

Von: Mischa Wyboris
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Stolberg. Die gute Nachricht einmal gleich vorweg: Dass die Verkehrsunfallbilanz 2010 mit nur neun Todesopfern in der gesamten Städteregion Aachen „einen historischen Tiefstand” erreicht hat, wie es Polizeioberrat Ralf Mallmann formuliert, darf sich Stolberg mit auf die Fahnen schreiben.

Die schlechte Nachricht: Zwar hat es 2010 in der Kupferstadt zum ersten Mal im neuen Jahrtausend keinen Verkehrstoten gegeben, doch die Zahl der Unfälle hat um 48 auf 1457 zugenommen.

Positiv wiederum: Verkehrsunfälle mit Personenschäden sind um 16 auf 134 zurückgegangen, zehn verletzte Kinder bedeuten acht weniger als im Vorjahr. Auch bei den von der Polizei so oft als „Risikogruppe” bezeichneten jüngeren Verkehrsteilnehmern im Alter von 18 bis 24 Jahren sank die Zahl der Verletzten - von 30 auf 24. Zwölf von ihnen verunglückten dabei im Auto, acht davon nicht am Steuer, sondern als Beifahrer. „Das zeigt, dass die Gurtsicherung in den Köpfen der jungen Fahrer noch nicht so sehr verankert ist”, schlussfolgert Polizeidirektor Mallmann.

Trotz der besseren Unfallzahlen nehmen die Ordnungshüter weiterhin die jungen Fahrer ins Visier. „Wir sind bemüht, den positiven Trend zu festigen”, erklärt Mallmann, „aber wir haben auch die Problemschwerpunkte erkannt.” Zu denen zählt offensichtlich die Feststellung, dass Unfälle unter Alkoholeinfluss bei den 18- bis 24-Jährigen in der gesamten Städteregion von 63 auf 72 angestiegen sind. Auch hat die Polizei vermehrt Unfälle von Fahrern unter Drogeneinfluss verzeichnet: 14 waren es städteregionsweit im Jahr 2009, 22 waren es im vergangenen Jahr. „Dieser Entwicklung werden wir in allen Kommunen mit verstärkten Alkohol-, Drogen- und Gurtkontrollen begegnen”, kündigt Mallmann an.

Und mehr noch: Die Polizei geht mit den jungen Fahrern auf Crash-Kurs. So nämlich nennt sich das Landesprogramm, das nach einer Testphase noch im Verlaufe dieses Jahres auch in die Schulen der Städteregion Einzug halten soll. „Crash-Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart” vereint Angehörige von Unfallopfern mit Polizei, Feuerwehr, Seelsorgern und Notärzten, die künftig gemeinsam in den Aulen von ihren Erfahrungen erzählen - „nicht von schrecklichen, aber doch von eindeutigen Bildern unterstützt”, sagt Mallmann und blickt dabei mit Sorge auch auf die Statistik in der Stolberger Nachbarschaft: In Eschweiler sei die Zahl der Unfälle, die durch 18- bis 24-Jährige unter Alkoholeinfluss verursacht wurden, „zum traurigen Niveau aus dem Jahr 2008 zurückgekehrt”.

Apropos Nachbarn: Im Vergleich mit der Indestadt (56 Unfälle mehr als 2009) kommt Stolberg (48) kaum besser weg. Nur in Würselen (65) hat es noch öfter gekracht als im Vorjahr. Bei rund acht Prozent liegt der Anteil der Kupferstadt an allen Unfällen in der Städteregion, bei 11,5 Prozent die Quote der Schwerverletzten. Die zehn in einen Unfall verwickelten Stolberger Kinder bedeuten städteregionsweit 4,5 Prozent.

Laut Mallmann hat besonders der heiße Juli 2010 verstärkt zu Unfällen geführt. „Aus verkehrsunfallstatistischer Sicht könnte es gern zwölf Monate lang Winter sein”, sagt der Polizeidirektor. - Beim nächsten Schnee könnte er seine Meinung ändern.
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