Stolberg - Plattdeutsche Ortseingangsschilder: Die Meinungen gehen weit auseinander

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Plattdeutsche Ortseingangsschilder: Die Meinungen gehen weit auseinander

Von: Sonja Essers Und Vivien Nogaj
Letzte Aktualisierung:
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Könnten bald auch Ortsschilder mit den Aufschriften „Veet“ „Stolbersch“ oder „Muusbich“ das Stolberger Stadtbild prägen? Foto: Hans-Gerd Claßen

Stolberg. Stolbersch, Veet und Muusbich: Auf den Schildern an den Stolberger Ortseingängen könnten bald schon die plattdeutschen Bezeichnungen stehen – zumindest theoretisch. Der Grund: Die nordrhein-westfälische Landesregierung erlaubt den Kommunen nun die Verwendung von Zusatzbezeichnungen und Begriffen in Platt- und Niederdeutsch auf den Schildern an den Stadtgrenzen.

Zum Hintergrund: Veränderungen an den Schildern an den Ortseingängen waren in Nordrhein-Westfalen – im Gegensatz zu Niedersachsen, Schleswig-Holstein und auch Hamburg – bisher nicht erlaubt. Warum? Ganz einfach: Die Schilder galten bis dato nämlich als eine potenzielle Gefahr für die Verkehrssicherheit. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung sieht darin jedoch weniger eine Gefahr als vielmehr eine Möglichkeit, Kommunen in ihrer Identität zu stärken.

In Stolberg gibt es darüber allerdings geteilte Meinungen. „Ich fände es super, wenn das gelingen würde“, sagt der Vichter Dichter und Heimatautor Franz-Willi Hirtz. Er zählt zu den Befürwortern dieser Idee und denkt sogar schon über weitere Schritte nach. „Es wäre toll, wenn in einem zweiten Schritt auch jede Bezeichnung erklärt werden könnte. Die Vichter nennt man auch die Lehmjörese und die Mausbacher die Wölleklös, aber woher diese Bezeichnungen kommen, wissen viele Menschen nicht“, sagt er.

Auf den Schildern sollen diese Erklärungen, seiner Meinung nach, allerdings nicht zu lesen sein. „Das wäre zu viel“, sagt Hirtz. Dafür müsse man sich dann einen anderen Weg überlegen, meint er.

Franz-Willi Hirtz ist der Meinung, dass das Plattdeutsche erhalten bleiben muss. „Wenn man die Sprache schon immer seltener spricht, soll man wenigstens ihre Bedeutungen nachvollziehen können“, sagt er. Aus diesem Grund will Hirtz sich in den kommenden Tagen auch an die Stolberger Verwaltung wenden, um dort das Thema anzubringen. „Als ich von dieser Möglichkeit erfahren habe, habe ich mir direkt vorgenommen eine Mail an die Stadt zu schicken. Das ist eine tolle Geschichte, an der ich gerne mitarbeiten würde“, sagt Hirtz.

Anfragen in diese Richtung habe es bisher noch nicht gegeben, sagt Robert Walz, Pressesprecher der Stadt Stolberg, auf Nachfrage unserer Zeitung. In Sachen Plattdeutsch könnte sich also noch etwas tun. In Sachen Zusatzbezeichnungen auf den Ortseingangsschildern gehört Stolberg bereits zu den Vorreitern. Schon seit 2011 ist auf ihnen die Bezeichnung „Kupferstadt Stolberg“ zu lesen. Eine Änderung der Gemeindeordnung hatte diesen Schritt damals möglich gemacht. Die Kosten für neue Schilder trägt die Verwaltung seitdem ebenfalls selbst.

Erkennbarer Wille

Das ist eine von insgesamt drei Vorgaben, die das Land NRW den Kommunen bei der Beschriftung der Schilder macht. Zudem muss auf dem Ortsschild nach wie vor der hochdeutsche Name der Kommune auftauchen und es muss einen erkennbaren Willen für eine Umgestaltung geben, heißt es.

Stadtarchivar Christian Altena ist – was die Bezeichnung in Plattdeutsch angeht – geteilter Meinung. „Ich sehe die Verschriftlichung von Platt auf offiziellen Schriftstücken kritisch. Auf Hochdeutsch heißt es Stolberg. Punkt“, sagt er. Grundsätzlich seien die plattdeutschen Bezeichnungen auf Ortsschildern ein interessanter Ansatz. „So kann man das Lokale zwar auf einer gewissen Ebene stärken, aber ich bin auch kritisch. Gerade wenn es darum geht, die gesprochene Sprache auf eine offizielle Ebene zu heben“, sagt Altena.

Seiner Meinung nach sei der Zusatz „Kupferstadt“ auf dem Ortsschild wichtiger als eine plattdeutsche Bezeichnung. „Kupferstadt ist ein eigenständiger Begriff, der schon seit Jahrhunderten benutzt wird. Das ist ein Aspekt, der wichtiger ist“, sagt Altena.

Auch bei den Stolbergern herrscht über dieses Thema nicht ausschließlich Einigkeit. Ganz im Gegenteil. Bei einer Umfrage in der Innenstadt wurde deutlich, wie weit die Meinungen auseinandergehen. „Ich halte das für totalen Blödsinn“, findet Rentner Edwin Krieger klare Worte für die Idee. Wie Leute den Namen einer Stadt mit Dialekt aussprechen würden, bräuchte man nicht auf Schildern zu lesen. Das seien Spielereien. Auch andere Stolberger sind dieser Meinung. „Wozu soll das gut sein?“, fragt beispielsweise Rentnerin Milma Zehnle.

Dorothee Schwalm ist da allerdings etwas anderer Meinung. „Stolberg ist eine historische Stadt, da passt es doch, wenn auch ein traditioneller plattdeutscher Ortsname auf dem Straßenschild steht.“ Die Rentnerin ist der Meinung, dass Heimatkunde wichtig sei und führt dafür prompt ein Beispiel an. „Viele Leute wissen zum Beispiel nicht mehr, dass die Skulptur vor dem Rathaus der Vogelsänger ist. Auch Platt gerät mehr und mehr ins Vergessene“, sagt sie.

Sprechen verboten

Das liege unter anderem daran, dass die Sprache nicht mehr an die folgenden Generationen weitergegeben wird – so wie es beispielsweise in ihrer Kindheit noch gewesen sei. „Auch mir wurde früher zu Hause verboten, Platt zu sprechen. Das galt als nicht schicklich. Aber Stolberg war ja eine Arbeiterstadt, der platte Slang war dort weit verbreitet“, sagt sie.

Unterstützt wird Dorothee Schwalm in ihrer Auffassung unter anderem von Verkäuferin Rosemarie Hilgers. Sie meint, dass dies vor allem für Touristen interessant sei. „Dann haben sie auch direkt einen Einblick in die Tradition der Stadt. Das ist doch schön“, ist sich die 60-Jährige sicher.

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