Plastiktüten: Das letzte Stündlein schlägt

Von: Annika Kasties
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Aus Kundensicht ist sie vermutlich kaum wegzudenken: Die Plastiktüte. Doch einige Stolberger Geschäfte verzichten ohnehin schon auf die umweltunfreundliche Tragehilfe. Foto: A. Kasties

Stolberg. Sie geht millionenfach über die Theke und genießt dennoch einen zweifelhaften Ruf: Die Plastiktüte ist Umweltschützern ein Dorn im Auge. Trotz eines guten Abfall- und Recyclingsystems gelangen ihre Ableger auch in Deutschland immer wieder in die Natur.

Für die meisten Einzelhändler gehört sie trotzdem fest ins Sortiment und in die Hände ihrer Kunden – oft ungefragt und kostenlos. Das soll sich ändern.

Eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Bundesumweltministerium sieht vor, dass die kostenlosen Plastiktüten Schritt für Schritt aus dem Handel verschwinden. Was in Lebensmittelgeschäften längst gang und gäbe ist, soll jetzt auf weitere Branchen ausgeweitet werden. Ab dem 1. April sollen so 60 Prozent der Tüten kostenpflichtig sein, innerhalb von zwei Jahren mindestens 80 Prozent.

In Stolberg dürfte an vielen Stellen dennoch alles beim Alten bleiben. Der Textildiscounter Kik hat dem Plastik schon im Oktober vergangenen Jahres den Kampf angesagt und verzichtet seitdem in allen Filialen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden auf Plastiktüten. Stattdessen setzt das Unternehmen komplett auf kostenpflichtige Baumwollbeutel und Permanenttaschen.

Vier Monate nach der Umstellung zieht Patrick Zahn, Vorsitzender der Geschäftsführung, ein positives Fazit: „Die Umstellung war ein voller Erfolg und wurde von den meisten Kunden sehr positiv aufgenommen.“

Durch den Verzicht auf das Plastik habe das Unternehmen in diesem Zeitraum rund 200 Tonnen Plastik einsparen können. Auch beim Drogeriekonzern dm gibt es die dünnen Tüten längst nicht mehr zum Nulltarif, Rossmann zog Anfang des Jahres nach.

Ob die Bücherstube am Rathaus den Beispielen der Großkonzerne ab April folgt, ist noch unklar. „Wir befinden uns im Moment noch in der Findungsphase“, gesteht Inhaberin Bettina Krüpe. Ungefragt gebe es die Plastiktüte für die Buchliebhaber zwar nicht, kostenlos sei sie bislang aber schon. Das Gleiche gelte für eigens bedruckte Stoffbeutel, die die Buchhändler zunehmend an ihre Kunden weitergeben. Dass der Verbrauch von Plastik in Deutschland reduziert werden müsse, steht für die Buchhändlerin außer Frage. „Man muss auch abwägen, wie das beim Kunden ankommt, wenn er plötzlich für die Tragetasche zahlen soll.“

Nur wenige hundert Meter entfernt sieht das Mustafa Tutumlu ähnlich. Der Inhaber eines Obst- und Gemüsegeschäfts beobachtet, dass der Großteil seiner Kunden den Kunststoffbeutel nicht missen wolle. „Viele bringen mittlerweile zwar auch selbst ihre Tüten mit, doch wenn ich frage, ob sie lieber eine Plastik- oder eine Papiertüte haben möchten, wählen die meisten das Plastik“, sagt der Einzelhändler. Die Begründung der Kunden sei einfach wie einleuchtend: Das Papier komme ja doch nur in den Müll, die Plastiktüte werde hingegen mehrfach verwendet. Auch wenn Tutumlu persönlich ein Verbot der kostenlosen Kunststofftüten unterstütze, wolle er sie erst aus seinem Geschäft verbannen, wenn der Gesetzgeber aktiv werde.

Papiertüten seit Jahren

So lange wollte Heiner Flink von Sport Flink nicht warten. Vor einigen Jahren stellte sein Geschäft bereits komplett auf Papiertüten um. „Das kostet zwar in der Anschaffung etwas mehr, aber das sind ja doch nur Centbeträge. Wenn wir auf diesem Weg unseren Beitrag für die Umwelt leisten können, tun wir das gerne“, so der Inhaber. Ob diese Entwicklung wirklich im Sinne der Umwelt ist, bezweifelt Barbara Kohler vom Modehaus Kohler. Schließlich seien auch die Taschen aus Papier aus ökologischer Sicht umstritten, belaste doch ihre Herstellung die Umwelt erheblich mehr als die einer Plastiktüte.

Auch deshalb wollen Kohler und ihr Mann in ihren beiden Geschäften dem Kunden auch weiterhin Jacke, Mantel und Bluse kostenlos in einer Tüte an die Hand geben.

Dass ihre Kunden nach einem teuren Einkauf an der Kasse noch zusätzlich Geld für eine Tüte zahlen müssen, kommt für sie jedenfalls nicht infrage. „Das gehört für uns zum Service dazu.“

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