Plädoyer für dauerhafte Hilfe in Stolberg

Von: Michael Grobusch
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Ihr Angebot, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu vermitteln, wird offenbar gut angenommen: Katja Giesen (v.l.), Michael Jansen, Angela Kaesler, Frank Döhla, Barbara Strauch und Verena Ringering sind seit gut einem Jahr als Schulsozialarbeiter in der Kupferstadt tätig. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das Ende der Förderung ist in Sicht. Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. Geht es nach dem Willen von Willi Seyffarth, dann wird die zunächst bis Ende 2013 durch den Bund gesicherte Finanzierung der Schulsozialarbeiter in Stolberg fortgesetzt. „Die Maßnahme hat sich bewährt“, ist der städtische Fachbereichsleiter überzeugt.

Mit dieser Einschätzung steht er keinesfalls alleine da: In einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierung und die beteiligten Ministerien fordern die Bürgermeister in der Städteregion Aachen, die Förderung „verlässlich im bisherigen Umfang fortzusetzen“ und damit „dauerhaft die Teilhabe und gesellschaftliche Integration durch Bildung zu verbessern“. Der Name von Willi Seyffarth fehlt naturgemäß unter diesem Appell. Doch würde er ihn sofort und ohne Einschränkung unterschreiben.

Und das nach gerade einmal gut einem Jahr. Anfang 2012 hat die Stadt Stolberg dank der Bundesmittel insgesamt sechs Sozialarbeiter, die sich auf 4,54 Stellen verteilen, einstellen können. Dass sie mit ihrem Konzept etwas vom Ursprungsgedanken des Bundes abgewichen ist, kann nach Aussage von Seyffarth heute ebenfalls als sehr positiv bewertet werden. Denn was im offiziellen Sprachgebrauch als „Schulsozialarbeit“ bezeichnet wird, ist in der täglichen Stolberger Praxis die Vermittlung der Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket schon ab dem frühesten Kindesalter.

Während in vielen Städten die Fachkräfte ganz konkret und verbindlich einzelnen Schulen zugeordnet sind, hat das Jugendamt der Kupferstadt die Sozialräume als Bezugsgröße gewählt. Innerhalb dieser sind die Sozialarbeiter auch in den Kindertagesstätten und Familienzentren präsent, um einen möglichst frühen Kontakt zu den Familien und Kindern herzustellen, denen durch das Bildungs- und Teilhabepaket ein besserer Zugang zum gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden soll. „Gerade dieser Sozialraumbezug unter Beteiligung der Kitas ist ein Erfolgsmodell“, zieht Willi Seyffarth eine erste Zwischenbilanz. Zudem werde die Mischung aus Einzelfallberatungen und gruppenbezogenen Projektangeboten sehr gut angenommen.

Eine messbare Größe für die erzielten Erfolge hat der Fachbereichsleiter indes noch nicht. „Es ist ganz schwer, die Früchte unserer Arbeit in Zahlen zu fassen.“ Dies gelte auch mit Blick auf die bundesweit bei weitem nicht vollständig abgerufenen Gelder, die für Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zur Verfügung stehen. Konkrete und belastbare Angaben für Stolberg liegen bis dato noch nicht vor.

Fest steht für den Fachbereichsleiter indes, dass das Antragsverfahren vereinfacht werden muss. „In seiner derzeitigen Fassung schreckt das sicherlich manchen Leistungsberechtigten ab“, meint Seyffarth. Auch in Vereinen und Verbänden gebe es nach wie vor eine gewisse Scheu vor dem bürokratischen Aufwand. „Man darf nicht vergessen, dass wir es dort fast ausschließlich mit Ehrenamtlern zu tun haben.“

Das Anliegen und die Aufgabe der Sozialarbeiter ist es, beide Seiten zu unterstützen. Darüber hinaus hat die Arbeit des sechsköpfigen Teams einen weiteren Schwerpunkt: das Schaffen eigener Angebote. Eine „Ferienakademie“ für angehende Erstklässler zählt ebenso dazu wie ein „Sprachencamp“ in unterschiedlichen Altersklassen, das in diesen Sommerferien erstmals angeboten werden soll.

Noch sind solche Initiativen nicht bei allen Betroffenen angekommen. Doch Willi Seyffarth ist überzeugt: „Das System muss wachsen, um alle Eltern und Kinder erreichen zu können.“ Das wiederum setzt voraus, dass die Bundesförderung über den 31. Dezember 2013 hinaus sichergestellt wird.

Die Aufrufe dazu mehren sich. Mittlerweile haben sich auch die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Grünen im Düsseldorfer Landtag geäußert und angekündigt, die Landesregierung in einem Antrag aufzufordern, sich für eine unbefristete Finanzierung der Schulsozialarbeiter einzusetzen. Gut möglich ist allerdings, dass eine Entscheidung in Berlin erst im Herbst fallen wird – nach den Bundestagswahlen.

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