Pionierarbeit auf dem Egeria-Weg

Von: Sarah Sillius
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Stolberg. Auf Elvira von Wirths Wohnzimmertisch stapeln sich Fotoalben, Wanderrouten, Notizen, Anschriften und viele, kleine Erinnerungen an das, was für sie und einige andere Frauen „Abenteuer pur” bedeutet.

Aber nicht nur das persönliche Erlebnis für die einzelne Pilgerin ist es, was das Projekt „Egeria-Weg”, eine Trägerschaft des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa (kurz ÖFCFE) auszeichnet. Dahinter stecken das Bemühen um ein gemeinsames Europa und die Vernetzung verschiedener Konfessionen, Kulturen, Traditionen und Erfahrungen von Frauen aus unterschiedlichen Ländern Europas.

Der historische Reisebericht der Nonne Egeria, der 1884 in der Klosterkirche von Arezzo gefunden und vermutlich um 380 nach Christus verfasst wurde, gibt den Frauen den Weg vor.

„In jedem Jahr pilgern wir in einem der zwölf Länder auf dem Egeria-Weg”, erklärt von Wirth. „Allerdings wissen wir nicht immer genau, welche Route sie damals genommen hat und müssen uns so oft eine eigene erstellen, indem wir uns an alten Pilgerstätten orientieren.”

In dem ältesten christlichen Pilgerbericht aus heutiger Sicht dokumentiere Egeria ihren Weg von ihrer Heimat Galizien quer durch den europäischen Kontinent über Konstantinopel bis nach Jerusalem.

Dementsprechend führte die Egeria-Gruppe ihre erste Pilgerstation 2005 nach Spanien. Es folgten 2006 Frankreich, 2007 Italien sowie 2008 Slowenien und Kroatien. Elvira von Wirth ist seit der zweiten Station ein fester Bestandteil der Gruppe und möchte diese Erfahrung nicht mehr missen.

Im September diesen Jahres setzen sie und die anderen 15 Frauen ihren Pilgerweg in Serbien fort. Der geplante Startpunkt der etwa 250 Kilometer langen Strecke, welche die Frauen hauptsächlich an der Donau entlang führen wird, ist gleichzeitig der Endpunkt der letzten Station: die Stadt Ossiek.

„Pilgern meint dann auch wirklich Pilgern”, lässt von Wirth wissen. „Morgens beginnen wir mit einer Andacht, zu der sich jede Frau abwechselnd ein Gebet oder eine Geschichte einfallen lässt. Dann wird bis zur Mittagspause schweigend gepilgert. Anschließend machen wir eine kurze Mittagspause und gehen weiter bis zu unserer nächsten Unterkunft.”

Übernachtet werde überall - je nachdem, welche Unterkunft die Frauen von ihren Ansprechpartnern des ökumenischen Forums, das europaweit vertreten ist, vermittelt bekommen: „Von der einfachen Herberge, bis zum Kloster und einem 5-Sterne-Hotel war schon alles dabei.”

Die Ökumene leben

Abends gelte es dann, die Ökumene zu pflegen. Wie ihr Vorbild Egeria begegnen die Frauen auf ihrem Weg Menschen aller sich auf Abraham und Sara berufenden Religionen.

„Besonders beeindruckend war ein Treffen mit einer Roma-Frau in Slawonien, die uns davon berichtet hat, dass sie nach langer Zeit endlich ein sesshaftes Leben in einem Teil des Landes führen kann.” Auch von der Feindschaft zwischen Kroaten und Serben haben die Frauen durch ihren regen Austausch mit der Bevölkerung in Kroatien einiges erfahren.

Von ihrer Zeit in Serbien erhoffen sie sich nun auch einen Einblick in die Denkweise der serbischen Bevölkerung. Ebenso innerhalb der Gruppe spiele die Ökumene eine Rolle: Unter den Frauen sind eine slowenische, eine kroatische und seit diesem Jahr auch eine serbische Pilgerin.

„Wir ergänzen uns wunderbar, denn jede von uns ist eine ganz besondere Frau und hat ihre spezielle Aufgabe: Die eine kümmert sich um die Route, die andere um die Finanzen oder die Übersetzung der Sprachen”, schwärmt von Wirth, die als Krankenschwester im Bethlehem-Krankenhaus arbeitet und deshalb für die medizinische Versorgung und die Verpflegung zuständig ist.

Seitdem die Frauen im letzten Jahr innerhalb ihrer Pilgerreise durch Italien, Slowenien und Kroatien drei Länder durchquert haben, werden sie sogar von der EU gefördert.

„Da wir ehrenamtlich pilgern, können wir die Zuschüsse gut gebrauchen. Als Entgegenkommen tragen wir die Botschaft des Projektes in die Öffentlichkeit, indem wir zum Beispiel Vorträge halten.”

Der Wunsch der Egeria-Frauen sei es, als „Pionierinnen” auch weitere Frauen zu begeistern, irgendwann ihre Route „nachzupilgern” und so ein Stück zur Völkerverständigung beizutragen. Bis dahin aber muss die jetzige Truppe noch einiges an Pionierarbeit leisten: Nach Serbien folgen die Stationen Rumänien, Bulgarien, Türkei, Syrien, Libanon und 2015 schließlich Israel und Palästina. „Ein Glück, dass es noch ein paar Jahre weitergeht”, freut sich Elvira von Wirth.
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