Stolberg - Pilotprojekt als Chance für Stolberger Schüler

Pilotprojekt als Chance für Stolberger Schüler

Von: Michael Grobusch
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So sieht es das Konzept vor: Förderbedürftige Schüler in Stolberg sollen mit Hilfe des Kompetenzzentrums in Zukunft vorrangig nicht in eine Förderschule ausgegliedert, sondern an ihrer Heimatschule unterstützt und integrativ unterrichtet werden. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der Begriff ist abstrakt, und die Erklärungen, die das Schulministerium liefert, bieten dem Laien kaum Zugangsmöglichkeiten. Dabei ist die Idee, die hinter dem „Kompetenzzentrum” steht, eigentlich eine ganz praktische und lebensnahe.

„Alle Menschen sollen individuell gefördert und in die Gesellschaft integriert werden”, formuliert Doris Rößeler den Anspruch, der seinen Ursprung im Humanismus hat und in den Förderschulen zum Grundsatz erhoben worden ist. Das gilt auch für die Schule an der Talstraße, die als Schule im Verbund die Förderschwerpunkte „Lernen” sowie „emotionale und soziale Entwicklung” hat und von Rößeler geleitet wird.

Gleichwohl bietet das Konzept des Kompetenzzentrums, das jetzt auch in Stolberg diskutiert wird, einen neuen Ansatz - den der so genannten inklusiven Schulen. „Zum ersten Mal, seit Kinder zu Förderzwecken und zur Integration ausgegliedert worden sind, gibt es einen neuen Ansatz”, betont die Schulleiterin, die überzeugt ist: „Es handelt sich um das Modell der Zukunft.”

Zwei wesentliche Gedanken liegen diesem Modell zugrunde: Die Koordination und Organisation von schulischer Förderung und somit die Verantwortung für die förderbedürftigen Kinder werden einer zentralen Stelle übertragen - dem Kompetenzzentrum. Und: Ziel ist es, diese Kinder möglichst lange an einer Regelschule zu belassen (was mit dem Wort „inklusiv” beschrieben wird) und das Angebot an Förderunterricht dort deutlich zu erhöhen - mit der Konsequenz, dass die Schülerzahlen an den Förderschulen in Zukunft kontinuierlich zurückgehen.

Für die Verwirklichung dieser Idee sieht Doris Rößeler gute Chancen. „Wir haben in Stolberg für die sonderpädagogische Förderung schon eine gute Infrastruktur geschaffen, die durch das Kompetenzzentrum gebündelt werden muss”, verweist sie auf die vielen Einrichtungen, die bereits Fördergruppen und gemeinsamen Unterricht (von Kindern mit und ohne Förderbedarf) anbieten.

„Sieben von zehn Stolberger Grundschulen haben gemeinsamen Unterricht, ebenso die Hauptschule Liester, wo es zudem integrative Fördergruppen gibt”, nennt Rößeler Beispiele. Zudem gibt es an den beiden Realschulen - wenn auch nur wenige Stunden - gemeinsamen Unterricht. „Aus diesen Ansätzen muss sich ein Netzwerk für sonderpädagogische Förderung entwickeln”, blickt Doris Rößeler nach vorne. Zentrale Anlaufstelle für die Förderbereiche „Lernen” und „emotionale und soziale Entwicklung” wäre die Schule Talstraße.

Hier würden nicht nur die organisatorischen Fäden zusammenlaufen; auch die Entscheidungsbefugnis über den Einsatz des sonderpädagogischen Personals an allen Stolberger Schulen würde Doris Rößeler übertragen. „Wo und in welchem Umfang die Kollegen unterrichten, wird natürlich in enger Absprache mit den Leitern der anderen Schulen entschieden.”

Kommenden Dienstag wird sich die Stolberger Schulleiterkonferenz mit dem Thema befassen, nachdem das Kollegium an der Talstraße sich für die Bewerbung als Pilotprojekt ausgesprochen hat. „Es ist noch nichts entschieden, aber ich hoffe, dass wir im Herbst 2010 in die Pilotphase starten können”, nennt Doris Rößeler den möglichen Zeitrahmen. Offizieller Antragsteller ist - im Falle eines positiven Votums der Politik - die Stadt Stolberg als Schulträger. Zum Förderumfang gehört unter anderem eine vom Land finanzierte, zusätzliche Lehrerstelle, die auf die Prophylaxe und Beratung im vorschulischen Bereich und die Koordination im Kompetenzzentrum ausgerichtet ist.

„Eine wichtige Voraussetzung ist eine Flexibilität in unserem System, vor allem was die Zahl der Stellen und den Einsatz der Lehrer angeht”, betont Doris Rößeler. Das klingt nach Zukunftsmusik, doch die Schulleiterin ist auch von einem kurzfristigen Erfolg überzeugt: „Wenn wir das Konzept des Kompetenzzentrums wirklich wollen, dann lässt es sich in Stolberg auch umsetzen.”
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