Stolberg-Vicht - Pillendrehen war einmal: Berufsbild des Apothekers hat sich gewandelt

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Pillendrehen war einmal: Berufsbild des Apothekers hat sich gewandelt

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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„Die Apotheke ist der Ort, wo pharmazeutische Kompetenz und persönliche Betreuung zuhause sind“: Das sagt die ABDA, und so ist es auch in der Vichter Johannes-Apotheke. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Rührt eine Salbe an: Jaqueline Schütt. Sie ist pharmazeutisch-technische Assistentin, die rechte Hand von Annette Schön.
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Automatisiertes Warenlager: Im Hintergrund arbeitet der „Rowa“-Roboter und gibt Medikamente nach Eingabe heraus. Annette Schön schaut nach, wie es um den Bestand steht.
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Automatisiertes Warenlager: Im Hintergrund arbeitet der „Rowa“-Roboter und gibt Medikamente nach Eingabe heraus. Annette Schön schaut nach, wie es um den Bestand steht.

Stolberg-Vicht. Fast jeden Tag gibt es einen „Tag des...“. Und heute ist „Tag der Apotheke“. Für Annette Schön kein besonderer Tag, denn die 33-Jährige verbringt fast jeden Tag in der Apotheke. Seit sieben Jahren ist sie Filialleiterin der „Schopp‘s Johannes-Apotheke“ in Vicht. Im Schatten der Dorfkirche gibt sie rezept- und apothekenpflichtige Arzneimittel an Patienten ab und kümmert sich um individuelle Anfertigungen für ihre Kunden, zum Beispiel Salben, Tinkturen, Kapseln oder Tees.

„Früher wurden Pillen noch selber gedreht, das gibt es heute nicht mehr“, sagt Annette Schön. Pillen drehen, das habe sie in ihrer Ausbildung zur pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) mal ausprobiert, „das ist wirklich antik“, lacht die junge Apothekerin. Und fügt hinzu: „Früher gab es ja auch nicht die pharmazeutische Industrie, die es heute gibt.“ Da gebe es einen Wirkstoff und mindestens 100 Firmen, die ihn dann herstellen. Und wenn ein Patent abgelaufen ist nach zehn Jahren, produzierten die Generika-Hersteller den Wirkstoff.

Als Generikum bezeichnet man ein Arzneimittel, das eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments ist. Genau hier ist der größte Wandel, der sich beim Beruf des Apothekers vollzogen hat: Früher stellte er Arzneimittel selbst her, „heute liegt der Fokus auf der Beratung und der Information“, betont Schön.

Wer berät, muss natürlich auf der anderen Seite des Tresens auf Vertrauen stoßen. Und laut einer repräsentativen Umfrage ist das auch so. Auf die Frage „Wie hoch ist Ihr Vertrauen bei folgenden Berufsständen in Ihrem Land?“ sagen 85 Prozent der Befragten, dass sie ein „sehr hohes“ oder „ziemlich hohes“ Vertrauen in den pharmazeutischen Berufsstand haben. Mit diesem hohen Imagewert liegen die Apotheker hierzulande über dem europäischen Durchschnitt aller Apotheker von 80 Prozent. Das ist das Ergebnis der Umfrage „Reader’s Digest European Trusted Brands 2013“. In zwölf Ländern wurden 18.000 Menschen befragt, darunter 3000 in Deutschland.

„Dass das Vertrauen, das wir Tag für Tag in den Apotheken erleben, sich auch in hohen Umfragewerten niederschlägt, freut uns Apotheker natürlich sehr“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Vertrauen ist eine sensible Mischung aus Fach- und Sozialkompetenz, die wir täglich bei vier Millionen Kundenkontakten unter Beweis stellen müssen. Wir nehmen gerne die Herausforderung an, uns auch in Zukunft um die Spitzenpositionen der vertrauenswürdigsten Berufe zu bewerben.“

Vertrauen: Das ist in der Vichter Dorf-Apotheke Ehrensache. Apothekerin Annette Schön und PTA Jaqueline Schütt kennen ihre Kunden zu einem Großteil, „es kommen hauptsächlich ältere Menschen zu uns“, so Schön. Und natürlich wisse man oft um die Bedürfnisse der Patienten. „Während die jüngeren Kunden sich häufig im Vorfeld informieren, lassen sich die älteren noch sehr gerne beraten.“

Wenn der Hausarzt Salben oder Tinkturen verordnet, ist es unsere Aufgabe zu schauen, ob das so alles zusammenpasst und ‚stabil‘ ist. Damit meine ich, dass sich ein Wirkstoff auch zersetzen kann“, erklärt Schön. Ebenso zu den Aufgaben eines Apothekers gehört es, Substanzen zu prüfen, auch wenn diese zuvor schon in den Labors kontrolliert worden sind. Nimmt ein Kunde bereits Medikamente, und es kommt ein neues hinzu, prüft die Apothekerin auch, ob es zu Wechselwirkungen kommen könnte.

Wie sieht eigentlich der Tagesablauf eines Apothekers aus? Annette Schöns Tag fängt um 8 Uhr in der Johannes-Apotheke an. Die Computer und Kassen werden hochgefahren, in letztere kommt Geld rein. Angeschaltet werden muss auch der „Rowa“. Das Automatisierungssystem erledigt viele einzelne Handgriffe im Hintergrund automatisch. Das übersichtliche Warenlager erleichtert das Medikamentenmanagement. Als eine Kundin das Rezept für ein Schmerzmittel abgibt, tippt Jaqueline Schütt die ersten Buchstaben in den Computer, sieht sogleich, dass es vorrätig ist, bestätigt, und einen kurzen Moment später wird das Medikament in die Ausgabe gegeben.

Ist einmal etwas nicht auf Lager, wird es – ebenfalls per Computer – beim Großhandel in Aachen oder Köln geordert. „Wir bekommen inklusive Nachtsendung täglich sieben Lieferungen“, weiß Schön. Der Kunde braucht dann nicht ein zweites Mal in die Apotheke, das Arzneimittel wird per Fahrdienst zu ihm nach Hause gebracht. Im Warenlager sind zurzeit genau 2349 Packungen, davon 1908 verschiedene Artikel.

Vom Schmerzmittel über Blutdrucksenker, Antibiotikum, Hustensaft o der Asthmaspray ist alles dabei Außerhalb des Schranks gibt es noch ein weiteres Lager, in dem die Arzneimittel abgelegt werden, die im Hochregal-System schlichtweg keinen Platz finden. Im BTM-Tresor – die Abkürzung steht für Betäubungsmittel – lagern Morphin und Co. extra abgesichert.

Um 8 Uhr öffnet die Vichter Apotheke ihre Pforten. Während die Filialleiterin erste Kunden bedient und berät, kocht die Jaqueline Schütt Wasser ab für Rezepturen. Zwischendurch wird die über Nacht angekommene Ware verbucht und werden Rezepte des Vortages kontrolliert sowie Bestellungen aufgegeben. „Betriebswirtschaftlich muss man als Apotheker auch viel auf dem Kasten haben, damit die Apotheke nicht den Bach runtergeht!“

Inhaberin der Johannes-Apotheke ist Irmgard Schopp. Daneben führt sie noch drei weitere Apotheken, die Hauptapotheke bereits seit 1978 in Hürtgenwald, zwei weitere in Alsdorf und in Würselen. Zusatzqualifikationen hat die Apothekerin in der Homöopathie und Ernährungsberatung erworben, aber auch Tierarzneimittel auf pflanzlicher Basis können Halter von Wuff und Miez hier erhalten.

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