Pianistin Xin Wang: Sehr bescheiden und doch absolut brillant

Von: Marie-Luise Otten
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Xin Wang spielte im Rittersaal der Stolberger Burg Klaviermusik der Romantik und wurde enthusiastisch gefeiert. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Das dritte Abo-Konzert im Rittersaal der Stolberger Burg bestritt die Chinesin Xin Wang mit Klaviermusik der Romantik. Die in ihrem Auftreten bescheidene und zurückhaltende Pianistin setzte sich ans Klavier, sammelte sich kurz und spielte die „Waldstein-Sonate“ von Ludwig van Beethoven. Aber wie! Sie verfügt über eine brillante Technik, die es ihr ermöglicht, alle ihre musikalischen Vorstellungen am Klavier umzusetzen.

Ergreifende melodische Wendungen und liebevoll ausgearbeitete Details strahlten tiefe Verinnerlichung aus. Ob forte oder piano, schnelles oder langsames Tempo, Xin Wang entlockte dem Flügel immer wieder neue Farben und Schattierungen.

„Die zweisätzige Sonate, die die Epoche der Romantik einläutete, ist dem Grafen von Waldstein gewidmet, dem verständnisvollen Freund und Förderer Beethovens aus der Zeit der Bonner Jugendjahre, der inzwischen nach Wien übergesiedelt war“, so Ehemann Florian Koltun, der auch Pianist ist, über die Hintergründe aus Musikgeschichte und Literatur. Sie gilt als „Meilenstein und Meisterwerk der Klavierliteratur“.

Sechs Stücke von Brahms

Auch die sechs Klavierstücke von Johannes Brahms interpretierte die Preisträgerin internationaler Klavierwettbewerbe vollkommen klar und virtuos. Im Spannungsfeld zwischen Irdischem und Irrealem charakterisierte Xin Wang Johannes Brahms als romantischen Grenzgänger zwischen den Welten.

In der „Sonate Nr. 2, op. 14“ von Sergej Prokofjew zeigte die ebenfalls als Pädagogin sehr geschätzte Xin Wang eine große Bandbreite von Stimmungen und Gefühlen auf. Der russische Komponist war Virtuose bis auf den Grund seiner Seele, eines der Klavierphänomene seiner Zeit. Es gab bei ihm keinen Zwiespalt zwischen Interpretieren und Komponieren, er suchte nicht das Neue um des Neuen willen. Er lebte mit der Gesellschaft, wollte sie ansprechen und überzeugen.

Pulsierender Rhythmus, dissonante Harmonien und technische Herausforderungen verlangen dem Interpreten Höchstleistungen ab. Xin Wang meisterte sie mit einem Höchstmaß an poetischer Ausdruckskraft. Facettenreich und gewaltig reizte sie das Instrument aus und brachte Prokofjews Musik in einer authentischen Weise zum Klingen.

Melodische Feinheiten

Den Schlusspunkt setzte die Künstlerin mit dem Spanier Enrique Granados – einem Schüler von Isaac Albeniz und zugleich einem der wichtigsten spanischen romantischen Komponisten. Mit dem technisch anspruchsvollen „Allegro de Concierge, op. 46“ gewann Granados 1903 einen Kompositionswettbewerb während sein Lehrer, der sich auch mit einem Stück beworben hatte, erst gar nicht genannt wurde.

Noch einmal modellierte die Interpretin die melodischen Feinheiten heraus und ließ die Töne perlen, wobei sich Virtuosität und Poesie nicht ausschlossen. Xin Wang wurde im Anschluss von dem kleinen Publikum enthusiastisch gefeiert.

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