Philipp Weber möchte sich 2015 zum Diakon weihen lassen

Von: Lukas Franzen
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Dem Ziel ganz nahe: Im Frühjahr 2015 soll Wolfgang Philipp Webers Weihekurs beginnen. Foto: L. Franzen

Stolberg. Mit 49 Jahren drückt Wolfgang Philipp Weber wieder die Schulbank – freiwillig. Denn im November 2015 möchte er sich von Bischof Heinrich Mussinghoff zum Diakon weihen lassen.

Vorlesungen, mündliche und schriftliche Prüfungen sowie ein permanentes Hinterfragen seiner weitreichenden Entscheidung begleiten Weber auf diesem Weg. Über seine Motivation und künftigen Aufgaben, die Vereinbarkeit von Beruf und „Berufung“, „Seelenduschen“ im Kloster und das Osterfest hat Lukas Franzen mit dem gläubigen Katholiken gesprochen.

Warum wollen Sie Diakon werden?

Weber: Anfang der 80er Jahre hatte ich meinen Kindheitsglauben an Gott verloren. Die Kirche war für mich weltfremd, unverständlich und unzeitgemäß. Dann lernte ich Pastor Hans Rolf Funken kennen, von dessen Person und gelebtem Glaubenszeugnis ich sehr angetan war. Viele Menschen sind enttäuscht. Sie wissen nur noch wenig über unseren Glauben. Sie verlassen sich auf Vermutungen, bauen sich ihre eigene Glaubenswelt. Als Diakon möchte ich dem entgegenwirken, indem ich Gottes Wort in die Welt trage. Ich möchte dabei helfen, weil ich Gottes Gnade selbst erfahren habe und erfahre.

Wie wird man Diakon? Wie lange dauert die Ausbildung?

Weber: Diakon wird man, indem der Bischof durch Handauflegung das Weihesakrament weitergibt. Davor muss man sich allerdings intensiv mit Theologie befasst haben. Das geschieht durch ein Studium am Erzbischöflichen Diakoneninstitut Köln, wo mein Kurs im September 2011 angefangen hat. Die Ausbildung dauert sechs Jahre plus vorausgehendes Interessentenjahr. Die Zeit ist gefüllt mit Vorlesungen, schriftlichen und mündlichen Prüfungen, Studienarbeiten und einer Abschlussarbeit. Im praktischen Teil der Ausbildung bin ich in einer Pfarre tätig, unter anderem in meiner Heimatpfarre St. Lucia. Die Ausbildungszeit bis zur Weihe ist eine Reifezeit und auch eine Zeit der ständigen Selbstprüfung, ob die Entscheidung wirklich die richtige ist.

Wann wird Ihre Ausbildung abgeschlossen sein?

Weber: Im kommenden November prüft Bischof Heinrich Mussing­hoff alle Kandidaten einzeln. An dem Gespräch ist auch meine Ehefrau beteiligt. Wenn Bischof Heinrich seine Zustimmung gibt, beginnt im Frühjahr 2015 der Weihekurs.

Wissen Sie schon, in welchen Gemeinden Sie in Zukunft eingesetzt werden?

Weber: Das entscheidet nach der Weihe der Bischof.

Wie viele Diakone gibt es in Stolberg?

Weber: In Stolberg leben aktuell vier Ständige Diakone: Rolf Berard, Thomas Ervens, Achim Jaskulski und Werner Göbbels.

Welche Aufgaben werden Sie zukünftig in der Kirche innehaben?

Weber: Der Diakon arbeitet in den Bereichen der Liturgie, Verkündigung und Caritas. Konkret bedeutet das, dass ich zum Beispiel Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Gottesdienste durchführen und bei der Heiligen Messe assistieren darf.

Steigt mit dem zunehmenden Priestermangel auch die Bedeutung von Diakonen?

Weber: Die Bedeutung des Amtes der Diakone wird sich bestimmt weiter entwickeln. Aber der Diakon ist kein „Priester light“, sondern ein eigenständiges Amt. Die Entwicklung der Priesterzahlen ist ein anderes Thema. Ein Priester verkörpert in seinem Amt den herrschenden Christus. Der Diakon verkörpert in seinem Amt den dienenden Christus.

Würden Sie es begrüßen, wenn auch Frauen als Diakone tätig werden könnten?

Weber: Die Ämterfrage ist eindeutig geregelt und somit auch für mich außer Diskussion.

Viele Christen trauen dem neuen Papst Franziskus zu, dass er wichtige Reformen in der Katholischen Kirche anstoßen kann. Gehören Sie dazu?

Weber: Er hat bereits wichtige Reformen angestoßen, bloß ist das nur wenigen aufgefallen. Eine wichtige Reform ist die Wiederentdeckung der Beichte, des Sakramentes der Vergebung. Beichte ist ein Akt der Gnade, der weitgehend in Vergessenheit geraten ist und durch Franziskus wiederbelebt wird. Vor ein paar Tagen ging ein Pressebild um die Welt, auf dem der Heilige Vater selbst beichtet, bevor er die Beichte hört. Eine weitere Reform ist die Eucharistische Anbetung, auch in Form von 24-Stunden-Anbetungen. Und die „Vatikanbank“ wurde innerhalb kürzester Zeit international geltenden Transparenzrichtlinien unterworfen. Franziskus hat gerade erst angefangen mit seinen Reformen.

Wie stehen Sie eigentlich zu den kapitalismuskritischen Tönen von Papst Franziskus? Immerhin sind Sie stellvertretender Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung in Stolberg.

Weber: Das „C“ steht bei der CDU nach wie vor für „christlich“, auch wenn manche das anders sehen. Die „MIT“ setzt sich für freie soziale Marktwirtschaft ein und nicht für hemmungslosen Kapitalismus. Wer nachhaltig mit der Schöpfung umgeht, der folgt den Gebot Gottes. In diesem Sinne ist auch die MIT unterwegs.

Wie hat Ihre Familie auf Ihre Entscheidung reagiert, dieses geistliche Amt ausüben zu wollen?

Weber: Der Impuls ging sogar von meiner Frau aus. Ich habe mich schon länger damit beschäftigt, aber sie hat es schließlich ausgesprochen und gemeint: „Das wäre doch was für dich.“

Wie schaffen Sie es, Beruf, Familie und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen?

Weber: So etwas geht nur mit viel Rücksicht und Verständnis von allen Beteiligten. Meine Ehrenämter habe ich mit der Aufnahme ins Diakonat zurückgeschraubt und mittlerweile fast auf null gesenkt.

Haben Sie sich vor Ihrer Entscheidung auch mit eherechtlichen Fragen auseinandergesetzt? Sollte Ihre Frau versterben oder Ihre Ehe kirchenrechtlich wirksam annulliert werden, dürften Sie ja – bis auf wenige Ausnahmen – nicht wieder heiraten.

Weber: Selbstverständlich. Die Weihe ist eine grundsätzliche Lebensentscheidung. Das muss bewusst und sorgfältig geklärt sein. Das habe ich gemacht und zwar gemeinsam mit meiner Frau Claudia. Eine Voraussetzung zur Aufnahme in das Diakoneninstitut war ihre schriftliche Erlaubnis. Der Diakon verspricht bei der Weihe, genau wie der Priester, seinem Bischof den Gehorsam und seine Verfügbarkeit, ist allerdings nicht an den Zölibat gebunden.

Ist es richtig, dass Sie sich öfters in ein Kloster zurückziehen?

Weber: Es ist richtig, dass ich mich gerne öfters in ein Kloster zurückziehen möchte. Tatsächlich mache ich das viel seltener. Ein Kloster ist ein Ruhepol, eine Tankstelle, an der es ausschließlich „Super“ gibt und eine „Seelendusche“. Für einen Gast ist es ein Rückzugsgebiet für eine gewisse Zeit. Mit meiner Diakonandengruppe gehe ich jedes Jahr für ein paar Tage ins Kloster, um dort so genannte Exerzitien, also geistliche Übungen, zu halten. Das nächste Mal sind wir im Mai dort. Sehr gerne bete ich die Vesper, das Abendgebet, in der Benediktiner-Abtei Kornelimünster mit der Mönchsgemeinschaft. Allerdings schaffe ich es zeitlich bedingt kaum noch dorthin.

Was bedeutet das Osterfest für Sie?

Weber: Es ist das höchste Fest der Christen. Es ist der Beginn unseres Glaubens. Es ist das Geheimnis der Auferstehung Christi. Es ist einfach toll.

Wie werden Sie das Osterfest feiern?

Weber: Durch den Besuch von Gottesdiensten, im persönlichen Gebet und mit meiner Familie. Montagnachmittag ist das Fest für mich zu Ende, dann fahre ich beruflich bedingt wieder nach Frankfurt.

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