Pflegestützpunkt der Stadt Stolberg bieten kostenlose Schulung an

Von: Anja Klingbeil
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Wer einen pflegebedürftigen A
Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut, ist oft 24 Stunden am Tag eingebunden: Vielen Pflegenden wächst die Situation zunehmend über den Kopf. Foto: imago/Rainer Unkel

Stolberg. Die Situation ist nicht neu. Doch heute kann sie es einfach nicht mehr ertragen. Gerade erst hat die Frau das Bett ihres Mannes neu bezogen. Der ältere Herr muss gepflegt werden, 24 Stunden am Tag, leidet zudem an Inkontinenz. Und nun ist das Laken schon wieder feucht.

Seine Frau ist aus lauter Verzweiflung und Überforderung kurz davor ihren Mann anzuschreien, dass er endlich damit aufhören soll. Aber sie weiß genau, dass er nichts dafür kann.

Rund-um-die-Uhr-Versorgung

Pflegende Angehörige haben Paul Schäfermeier diesen oder einen ähnlichen Fall schon oft geschildert. Bei vielen ist die Grenze der Belastbarkeit einfach erreicht. Häufig wird das Nervenkostüm auf einen harten Prüfstein gestellt, und es entwickeln sich Konflikte, die ungewollt in Wut, und im schlimmsten Fall in Aggressionen, enden. „Den Pflegenden ist das sehr unangenehm, vielen fällt es schwer, ihre Überforderung überhaupt zuzugeben”, sagt der Seniorenbeauftragte der Stadt Stolberg. Wer einen alten oder kranken Angehörigen Zuhause pflegt, opfert sich oft bedingungslos auf.

Eine solche Rund-um-die-Uhr-Versorgung ist für den Kranken wichtig, für den Pflegenden oft nicht lange durchzuhalten. Eingestehen wollen sich das die meisten aber nicht oder aber erst fast schon zu spät. Dabei gibt es viele Angebote, die pflegende Angehörige und deren Familien entlasten. Um Konflikte in der häuslichen Pflege zu verhindern, bietet der Pflegestützpunkt der Städteregion Aachen in Kooperation mit der Stadt Stolberg eine Infoveranstaltung an.

„Diese Veranstaltung ist eben für jene gedacht, die sich überfordert fühlen. Und wir hoffen, dass möglichst viele ihre Scham überwinden, darüber zu sprechen”, sagt Willi Seyffarth, Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Soziales. Der Vormittag soll aber nicht nur dazu dienen, Informationsdefizite aufzuarbeiten. Konkrete Tipps, wie sich etwa schwierige Situationen entschärfen oder ganz vermeiden lassen, sollen erörtert und durchgespielt werden.

„Immerhin werden 73 Prozent der Menschen in der Städteregion im Familienkreis gepflegt”, sagt Stephan Löhmann. Der Krankenpfleger weiß, dass es in manchen Situationen der Überforderung oft schon genügt, einfach langsam von zehn runterzuzählen oder eine kurze Auszeit zu nehmen. „Solche Pausen sind sehr wichtig, damit auch der Pflegende wieder neue Kraft bekommt”, sagt Löhmann. Auch Hans-Josef Wellmann, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, ist froh, dass es nun endlich das Angebot einer Schulung gibt: „Auch wir werden immer häufiger angesprochen.”

Wer nicht an der Schulung teilnehmen kann, betont Wellmann, hat jederzeit die Möglichkeit, sich im Senioren-Infocenter im Rathaus beraten zu lassen. „Und außerdem soll dieser erste Kurs ganz sicher nicht der letzte sein”, da sind sich die Verantwortlichen einig.



Die Zahl der Teilnehmer ist auf zwölf begrenzt

Anmeldungen sind ab sofort möglich. Die Veranstaltung „Konfliktlösung in der häuslichen Pflege” findet am Samstag, 2. Juni, 9 bis 12.30 Uhr im Kugel (Kultur und Generationenhaus) Stolberg, Breslauer Straße 3, statt. Die Teilnehmerzahl für diesen Vormittag ist auf maximal zwölf Personen begrenzt. Das Angebot ist kostenlos.

Infos: Pflegeberatung der Städteregion Aachen, Zollernstraße 10, Aachen, Stephan Löhmann, Telefonnummer 0241/ 5198-5065; Stadt Stolberg, Seniorenbeauftragter Paul Schäfermeier, Rathausstraße 11-13, Telefonnummer 02402/13-376; Seniorenbeiratsvorsitzender Hans-Josef Wellmann, Rathausstraße 11-13, Telefonnummer 02402/13-485.
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