Pflegeheim auf der Liester: Entkernung der Hauptschule hat begonnen

Von: -jül-
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Während die letzte Schulklasse in einem Seitentrakt unterrichtet wird, hat die Entkernung der Hauptschule auf der Liester bereits begonnen. Sie weicht dem Neubau eines Seniorenpflegeheims. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Gelegenheit zu einem kurzen Rückblick ließ sich Jochen Emonds beim Beschluss zur Offenlage der neuen Bauleitplanung für das Gelände der Propst-Grüber-Hauptschule auf der Liester dann doch nicht nehmen: „Das Projekt ist ein Riesenerfolg für die Stadt und das Seniorenzentrum“, sagt der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat.

Eine europaweite Ausschreibung habe dazu den Weg geebnet. Diesen Weg hat der Koalitionspartner SPD zwar stets mitgetragen, ihm aber auch eine gehörige Portion Skepsis entgegengebracht. Sorgen über „ein auskömmliches Ergebnis“ hatte SPD-Sprecher Rolf Engels noch im November 2015 geäußert, als die Ausschreibung auf den Weg gebracht wurde.

Keine vier Monate später hatte der Stadtrat die Wahl unter einer Handvoll interessanter Angebote. Anhand eines Punktekatalogs für definierte Kriterien entschied sich Stolberg für das Angebot einer Gesellschaft um Heinrich Sangerhausen, der auch führender Investor für die neue Seniorenresidenz in Alt Breinig ist.

Nach dem Verkaufsbeschluss für das Gelände im vergangenen März geht nun alles Schlag auf Schlag. Wohl in Rekordzeit arbeiten Investor und Stadtverwaltung an der Bauleitplanung des Projektes, dankt Emonds für das Engagement der Beteiligten, denn der Zeitplan ist ambitioniert. Zwar laufen in Abstimmung mit der Schulleitung bereits Entkernungsarbeiten in einem Teil der Schulgebäude, aber so richtig Dampf machen mit Abriss und Neubau kann erst ab 11. Juli gemacht werden, wenn das Schuljahr zu Ende und die Hauptschule ausgelaufen ist.

Dann entsteht dort, wo der Haupttrakt an der Straße „Auf der Liester“ liegt, ein Pflegeheim mit 80 Plätzen nebst angegliederter Tagespflege mit 20 Plätzen. Zudem wird im Bereich der Hausmeisterwohnung eine Immobilie mit 24 Einheiten für betreutes Wohnen errichtet.

Das Pflegeheim muss zu bereits zum 1. August 2018 seinen Betrieb aufnehmen können, da ab diesem Zeitpunkt die Pflegestation im Haus am Amselweg nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Der Betreiber, die städtische Seniorenwohn- und Sozialzentrum Betriebsführungs GmbH, schließt dazu einen Mietvertrag über 25 Jahre mit dem Investor. Sie kann ihr Bettenangebot damit zudem von 66 auf 80 erweitern.

Auf dem übrigen Gelände bis zum Sportplatz Kranensterz entsteht ein Wohngebiet mit 56 Einheiten in acht zwei- bzw. dreigeschossigen Gebäuden. „In diesem Rahmen werden erstmals auch 40 öffentliche Stellplätze auf dem Areal ausgewiesen“, lobte Siegfried Pietz (CDU) die Berücksichtigung von Einwendungen im Rahmen der Bürgerbeteiligung, über deren Abwägung der Rat nun befand.

Denn auch wenn die an der Schule bestehenden Parkplätze vielfach von Anliegern genutzt werden, so bestehen offiziell dort keine öffentlichen Stellplätze. Für die Senioreneinrichtungen summieren sich zudem die privaten Parkplätze auf 51 und für das Wohngebiet auf 83. Von den öffentlichen Parkplätzen entstehen 25 entlang der Wohngebietserschließung sowie 15 im Rahmen der Umgestaltung des Vorplatzes der Sporthalle.

Doch im Rahmen der Abwägung gab es auch kritische Stimmen. Für die FDP betonte Bernd Engelhardt, dass die Liberalen das Wohn- und Seniorenprojekt zwar unterstützen, aber alleine mit dem Vorgehen bei der Bauleitplanung sein man.

In deren Rahmen hatte die FDP stets moniert, dass Planungsrecht in einem beschleunigten Verfahren geschaffen werde. Dies habe bereits bei der Ansiedlung eines Discounters auf der Liester zu Problemen geführt. Jedenfalls wog dieses Argument für die FDP so schwer, dass sie sich zu einem Nein beim Offenlagebeschluss durchgerungen hat.

Anders handhabten das Linke und Grüne. Ihre Sprecherinnen Gabi Halili und Dina Graetz reklamierten politische Bauchschmerzen beim Verzicht auf die Festsetzungen von Grünstrukturen im Bebauungsplan sowie bei dem zusätzlich entstehenden Verkehrsaufkommen auf der Liester. Aber diese Art der Kolik wog nicht schwer genug, um den weiteren planungsrechtlichen Schritten die Zustimmung zu verweigern.

Wenn auch zur Vereinfachung des Verfahrens darauf verzichtet wird, eine öffentliche Wegeverbindung zur August-Prym-Straße in die Pläne zu malen, so erklärte es Rolf Engels, so lege die SPD dennoch Wert darauf, dass der aktuell bestehende Fußweg auch in Zukunft nutzbar bleibe. Und da auch die Sozialdemokraten sich über das ambitionierte und prosperierende Vorhaben freuen, erfolgte der Offenlagebeschluss mit der Zustimmung aller Ratsmitglieder mit Ausnahme der der FDP.

Nach Bekanntmachung der Offenlage besteht weitere 30 Tage Zeit Anregungen und Einwendungen zu bekunden. Diese müssen dann von der Verwaltung analysiert werden. Mit dem Beschluss über die Abwägung und dem Satzungsbeschluss wird für die Juli-Sitzung des Rates gerechnet.

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