Stolberg - Pflege der Naturdenkmäler: Eine Begutachtung aus 30 Metern Höhe

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Pflege der Naturdenkmäler: Eine Begutachtung aus 30 Metern Höhe

Von: Sonja Essers
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Nimmt die Naturdenkmäler genauer unter die Lupe: Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion. In der vergangenen Woche waren auch die Stolberger Naturdenkmäler an der Reihe. Foto: Sonja Essers
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Stolzes Alter: Zwischen 130 und 150 Jahre sind die Kastanien vor dem Kupferhof Rosental alt. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Wenn die alten Kastanien vor dem Kupferhof Rosental reden könnten, was würden sie wohl erzählen? Dass die rund 150 Jahre alten Pflanzen wohl nicht nur schöne Erlebnisse hatten, weiß Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion. Einmal im Jahr rücken er und seine Kollegen – außerhalb der Brutzeit – aus, um die so genannten Naturdenkmäler in der Städteregion einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Eine Aufgabe, bei der man keine Höhenangst gebrauchen kann. Aber dazu später mehr.

Kontrolliert werden neben Bäumen beispielsweise auch Felsstrukturen und Schieverhöhlen. In Stolberg standen in der vergangenen Woche unter anderem die beiden Kastanien vor dem Kupferhof Rosental auf dem Programm von Udo Thorwesten und seinen Mitarbeitern.

Eine Besonderheit, die vor allem Bäume aufweisen? „Die meisten von ihnen haben zwei Kriege überlebt. Schaut man genauer hin, sieht man, dass sie nicht nur Positives erlebt haben“, sagt Thorwesten und streicht mit den Fingern über die Baumrinde. „Das sind Spuren von Granatsplittern. Sie hinterlassen quasi Narben auf den Bäumen. Man sieht deutlich, wo sie einmal eingedrungen sind. Mittlerweile hat der Baum sie für sich vereinnahmt“, sagt Thorwesten.

Pilze und Parasiten

Doch nicht nur Reste von Granatsplittern stecken in den alten Kastanien, sondern auch Nägel. Entfernen sollte man diese allerdings nicht. Schließlich entstünden auf diese Art neue Wunden am Baum, die Pilze oder Parasiten anlocken könnten. Gefürchtet werden vor allem Borkenkäfer, die sich durch die äußere Wachstumsstruktur des Baumes fressen, und Motten, die sich auf den Blättern ansiedeln und dort auch ihre Eier ablegen.

„Dann sieht ein Baum im Juli schon so aus, als hätte er Herbst“, sagt Thorwesten. Um die Pflanzen beispielsweise vor Mottenbefall, seien etliche Bürger der Meinung, dass man das Laub unter den Bäumen entsorgen müsse. Thorwesten ist anderer Meinung und macht dies an den beiden Kastanien vor dem Kupferhof Rosental deutlich. „Hier dürfen die Bäume ihr Laub noch über eine längere Zeit behalten. Ist das nicht der Fall kommen die Motten trotzdem“, sagt er.

Befallsarten

Die Kastanien – oder genauer gesagt die Rosskastanien – hätten allerdings noch ein weiteres Problem. „Experten haben herausgefunden, dass diese Bäume uns ins Zukunft nicht mehr besonders erfreuen werden. Verschiedene Befallsarten raffen sie dahin. Da macht einer dem anderen die Türe auf“, so Thorwesten.

Doch nicht nur Pilze und Parasiten seien für die Pflanzen gefährlich. „Der größte Feind des Baumes ist der Mensch“, sagt Udo Thorwesten. Das beginne bei Bauarbeiten und höre auf beim Sauren Regen, dessen chemische Beschaffenheit an Zitronen- und Batteriesäure erinnere. Nicht selten komme es vor, dass Naturdenkmäler bei Bauarbeiten geschädigt würden.

Der eigentliche Schutzbereich des Baumes beginnt bereits 1,50 Meter von den äußersten Astenden entfernt. Aus diesem Grund seien Spielgeräte und Bänke unter einem Naturschutzdenkmal auch tabu. „Unsere Aufgabe ist es auch die Menschen davon zu überzeugen, dass sie die Bäume in Ruhe lassen sollen“, sagt Thorwesten.

Das klappt allerdings nicht immer. Stehen beispielsweise Bauarbeiten an, müsste dieser gesamte Bereich abgesperrt werden. Oft sehe man allerdings nur, dass der Baumstamm geschützt werde, wie Thorwesten berichtet. Und das sei falsch. „Wenn man nicht den kompletten Bereich einzäunt, wäre das so, als würde man einem Menschen immer wieder über die Füße fahren“, erklärt er.

Wer ein Naturdenkmal übrigens absichtlich beschädigt, muss mit Konsequenzen rechnen. „Das ist ein Straftatbestand und wird auch als solcher gehandhabt“, sagt Thorwesten. Denn: „Ist gerade ein älterer Baum einmal geschädigt, ist das problematisch, weil er diesen Schaden behalten wird.“

Auch die beiden Stolberger Kastanien haben in den vergangenen Jahren schon einige unschöne Momente erlebt. Einige ihrer Äste wurden von einem LKW abgerissen. „Er hatte sich verfahren, wollte hier wenden und da war es passiert“, sagt Thorwesten, der die beiden Bäumen auf 130 bis 150 Jahre schätzt. Bei den jährlichen Begutachtungen schauen Thorwesten und seine Kollegen sich die Bäume ganz genau an – auch von oben.

Von einer Arbeitsbühne aus begutachten die Männer die Belaubung, schauen, ob sich Äste gelöst haben und auch die Themen Statik und Totholz spielen eine wichtige Rolle. „Manche Dinge kann man nur mit einer Arbeitsbühne richtig sehen“, sagt Thorwesten. Bevor es allerdings rund 30 Meter in die Höhe geht, wird zunächst der Stammumfang gemessen.

Der liegt bei 3,50 Metern. Und wie sieht die Zukunft der Kastanien aus? MIt Pressluft soll bald Luft in den Boden gepumpt werden, damit dieser mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird und sich die Stolberger auch in den kommenden 150 Jahren den Pflanzen erfreuen können.

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