Stolberg - Pfingsten: „Das ist der Geburtstag der Kirchen“

Pfingsten: „Das ist der Geburtstag der Kirchen“

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Der evangelische Pfarrer, Jens Wegmann, erläutert im Wochenende-Interview Interview der Zeitung die Bedeutung des hohen christlichen Festes Pfingsten. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Für viele Menschen sind die Pfingsttage einfach nur Feiertage, an denen sie nicht arbeiten müssen. Was es aber mit dem bedeutenden christlichen Fest auf sich hat, wie sich das Datum für Pfingstsonntag und Pfingstmontag errechnet und worum es geht, ist hingegen wenig bekannt. Pfingsten gilt als das Fest des „Heiligen Geistes“ und bildet den Abschluss der Osterzeit.

Am Pfingstmontag, der in Schweden und Italien als Feiertag abgeschafft wurde, laden die Evangelische Kirchengemeinde Stolberg und die Katholische Kirchengemeinde St. Lucia zum Ökumenischen Fest ein, um an das Pfingstereignis, das vor fast 2000 Jahren Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprache für Christus begeisterte, zu erinnern. Was Pfingsten bedeutet, was der Heilige Geist, was beide Kirchen in Stolberg damit verbinden und was die Bevölkerung nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr erwartet, hat Pfarrer Jens Wegmann unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten erzählt.

Was wird an Pfingsten gefeiert?

Wegmann: Das Pfingstfest ist der Geburtstag der Kirche aller Konfessionen. An Pfingsten ist der Heilige Geist Gottes und Jesu Christi des Gekreuzigten und Auferstandenen auf seine direkten Anhänger, die Jünger, übergegangen und hat sie ergriffen. So entstand eine neue Gemeinschaft der Nachfolge Jesu Christi, die damals noch nicht Kirche hieß. Von Kirche wurde erst später gesprochen, nachdem in den kommenden Jahrzehnten erste Gemeinden und wachsende Strukturen entstanden.

Was hat das Pfingstfest mit Ostern zu tun?

Wegmann: Ostern feiern wir die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstandene hat seinen Jüngern versprochen, dass er seinen Heiligen Geist auf sie senden wird, und dies geschieht an Pfingsten.

Warum zwei Feiertage?

Wegmann: Ganz hohe christliche Festtage wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten werden schon seit vielen Jahrhunderten mit zwei Feiertagen intensiv gefeiert, um das Besondere zu würdigen.

Findet das Fest immer zur gleichen Zeit statt?

Wegmann: Nein, aber es findet immer 50 Tage nach Ostern statt. So wird es auch in der Bibel überliefert. Der Name „Pfingsten“ ist abgeleitet von dem griechischen Wort für 50 „Pentekoste“. Ostern aber berechnet sich jedes Jahr neu. Es ist am 1. Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.

Was ist mit Pfingstwunder gemeint?

Wegmann: Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte wird beschrieben, dass der Heilige Geist Jesu Christi in besonderer Weise über die Jünger kam. Sie saßen im verschlossenen Raum. Mit einem Sturmbrausen und Feuerzungen über ihren Häuptern wurden sie vom Geist Gottes ergriffen. Auf wundersame Weise konnten sie dann in allen Sprachen über ihren Glauben sprechen, so dass sie von allen verstanden wurden.

Welche Symbole sind wichtig?

Wegmann: Da ist zunächst die Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert und oft auch die Friedenstaube. Ursprünglich wird bei der Taufe Jesu überliefert, dass der Geist wie eine Taube auf ihn herabschwebt. Die Farbe Rot ist das Symbol des Feuers und nimmt den Bericht von den Feuerzungen auf. So steht Rot als liturgische Farbe für Feste, die auf die Kirche bezogen sind, Pfingsten also für das „Geburtsfest der Kirche“.

Welche Traditionen sind damit verbunden?

Wegmann: Pfingsten wird als fröhliches buntes Fest gefeiert und lässt Handlungen zu, die die Gemeinschaft betonen, wie es zum Beispiel das Abendmahl für die Evangelische Kirchengemeinde ist. Ursprünglich gab es an Pfingsten viele Taufen, was auch heute noch oft der Fall ist, weil dort der Heilige Geist Einzelne persönlich ergreift. In diesem Jahr halte ich zum Beispiel am Pfingstsamstag einen Taufgottesdienst mit mehreren Taufen. Seit mehr als 15 Jahren ist es in Stolberg zur guten Tradition geworden, den Pfingstmontag ökumenisch zu begehen.

Was ist unter „Heiliger Geist“ zu verstehen, und wie offenbart er sich uns?

Wegmann: Mit Heiligem Geist beschreiben Christen die Erfahrung, dass sie durch Gottes Wirken innerlich bewegt und dazu angetrieben werden, nach dem Vorbild Jesu zu leben. Der Heilige Geist ist dabei sehr dynamisch, weckt Hoffnung und setzt Energie frei, das Leben in Gemeinschaft positiv zu gestalten. Dass diese Begeisterung ursprünglich von Gott kommt, wird durch das Adjektiv „heilig“ beschrieben, denn „heilig“ bedeutet zu Gott gehörend. Er offenbart sich, indem er uns so ergreift, dass wir im Sinne Jesu Christi handeln und uns von Gott getragen wissen.

Welche Spuren hinterlässt er?

Wegmann: Wo der Heilige Geist die Menschen so ergreift, dass sie sich füreinander einsetzen und füreinander öffnen, auch für die vermeintlich Fremden, da wird Begegnung und Gemeinschaft möglich, wo sonst vielleicht innere Grenzen trennen.

Welcher Auftrag verbirgt sich hinter Pfingsten?

Wegmann: Es ist der Auftrag, zu allen Menschen zu gehen, ihnen von der Liebe Gottes und Jesu Christi zu berichten und dabei Gemeinschaft und Friede Wirklichkeit werden zu lassen. So wie am 1. Pfingstfest Menschen unterschiedlicher Völker und Sprachen sich neu verstehen lernten, bemühen wir uns in der Ökumene und darüber hinaus in aller Welt, einander zu verstehen und Menschen für ein gelingendes Zusammenleben zu öffnen.

Ein Pfingstlied heißt „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“. Wie kann man Menschen heute für Jesus begeistern?

Wegmann: Indem man ihnen persönlich vorlebt, dass der Glaube an Gott einem selber so wichtig ist, dass man sich bemüht, sein Leben am Vorbild Jesu Christi zu orientieren. Deshalb haben Christen Hoffnung, wo alles hoffnungslos erscheint, laden zum friedlichen Miteinander ein, respektieren die Würde eines jeden Menschen und bemühen sich um eine positive Grundeinstellung. Die Kirche sollte eine einladende freundliche Gemeinschaft erlebbar machen.

Sind mehr Menschen mit Ausstrahlung gefragt?

Wegmann: Ich halte es für wichtig, dass Menschen persönlich ausstrahlen und davon sprechen, dass ihnen der Glaube an Gott hilft und sie davon getragen werden. Nur so lassen sich Menschen für die Sache Gottes überzeugen. Allerdings ist für Christen diese Ausstrahlung eine Gabe, ein Geschenk Gottes und nicht abhängig von persönlicher Leistung. Um unterschiedliche Menschen anzusprechen, braucht es viele Menschen mit unterschiedlichen Gaben.

Was erwartet die Menschen am Pfingstmontag im ökumenischen Gemeindezentrum? Was wird über den Gottesdienst hinaus angeboten?

Wegmann: Neben einem ökumenischen Gottesdienst um 11.30 Uhr wird zu einem gemütlichen Beisammensein bis 14.30 Uhr eingeladen, zu dem Gruppen aus dem Haus und den beiden Gemeinden eine bunte Palette von Angeboten vorbereitet haben. So ist für Speis und Trank gesorgt mit einem Grillstand, Salatbar, kulinarischen Köstlichkeiten sowie Kaffee mit frisch gebackenen Waffeln. Als Schnupperangebot wird es ein Pfingstgespräch vom Kreis der „Exerzitien im Alltag“ geben und auch beim „offenen Singen“ kann jeder mitmachen, der möchte. Kinderschminken, Hüpfkissen und Kicker stehen für Kinder und Jugendliche bereit.

Welche Gruppen sind im Ökumenischen Gemeindezentrum vertreten?

Wegmann: Neben dem Ökumenischen Arbeitskreis sind es die Chöre beider Gemeinden, die Ev. Frauenhilfe und die KFD, Marktfrauen der Kindersachenbörse, der Weltladen, das Altenstübchen, das church 4 youth Team, die Kolpingfamilie und der Kreis „Exerzitien im Alltag“.

Unter welchem Thema steht der Tag?

Wegmann: „Pfingstereignis - der Geist Christi ergreift verschiedene Menschen“.

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