Stolberg/Aachen - Pferdeherpes: Das Wort „Seuche” kommt allzu schnell über Lippen

Pferdeherpes: Das Wort „Seuche” kommt allzu schnell über Lippen

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Angst um Fohlen ist unbegründ
Angst um Fohlen ist unbegründet: Von einer Pferdeherpes-Seuche gibt es in Aachen keine Spur.

Stolberg/Aachen. Mit Gelassenheit reagiert Dr. Friedrich-Wilhelm Hanbücken auf das Stich- und Reizwort Pferdeherpes. Nachdem in den Niederlanden von einer Seuche gesprochen wurde, Pferdesportveranstaltungen abgesagt werden mussten und auch in Aachen Anfang März ein Pferd an dem Virus starb, machte die Angst in Aachens Stallungen die Runde.

Die Kinder drehten zwar in den Hallen und auf den Plätzen mit ihren Pferden ihre Runden, doch wiesen Schilder - beispielsweise an einem Reitstall in Hanbruch - deutlich darauf hin, dass Unbefugten und vor allem fremden Pferden wegen des Virus der Zutritt zur Anlage verboten sei.

„Es gibt keinen Grund zur Panik”, sagt Tierarzt Hanbücken nun aber. Und er sagt es ganz deutlich. „Es gibt alle zwei Jahre mal so einen Fall, aber diesmal gab es direkt zahlreiche Gerüchte”, berichtet er. Von mehreren Todesfällen war da die Rede und von diversen Stallungen, die unter Quarantäne stehen. Offizielle Zahlen gibt es bei Pferdeherpes nämlich nicht, denn, so Holger Benend von der zuständigen Pressestelle der Städteregion, der Virus ist nicht meldepflichtig, für die Veterinärämter bestehe deswegen kein Handlungsbedarf. Es könne keine Quarantäne offiziell anordnen.

Laut Hanbücken hat es aber nur einen Todesfall in Lintert gegeben, und nur dort wurde ein Stall unter Quarantäne gestellt. „Auch auf dem betroffenen Hof ist kein weiterer Fall bekannt, und aus den Niederlanden gibt es Entwarnung”, erklärt Hanbücken.

Doch wenn in diesen Tagen auf einem Hof ein Fohlen tot zur Welt kommt, dann wird direkt der Pferdeherpes dafür verantwortlich gemacht. Denn gerade für trächtige Stuten ist der Virus gefährlich. „Diese Todesfälle werden alle überprüft - und es ist bislang nichts Verdächtiges herausgekommen”, erzählt Hanbücken wiederum. Er hält das tote Pferd aus Lintert ohnehin nicht für einen Seuchenfall. Geschätzte 75 Prozent aller Pferde hätten schon einmal eine solche Infektion durchgemacht, die unterschiedlich gravierend auftritt - von harmlosen grippeähnlichen Symptomen bis hin zu tödlichen Lähmungserscheinungen. Der Virus bleibe dabei im Körper und könne durch andere Krankheiten oder Stresssituationen wieder auftreten. Von einem solchen Fall geht Hanbücken in Lintert aus - und keineswegs von einer Seuche.

Dennoch: Die Reiterwelt in Aachen ist aufgeschreckt. Es werden, so Hanbücken, mehr Tiere denn je geimpft, was durchaus positiv sei. „Das bietet zwar keinen hundertprozentigen Schutz, aber geimpfte Tiere erkranken wesentlich seltener und wesentlich schwächer”, sagt er.

Geimpft sind auf alle Fälle auch die Pferde, die ab dem 29. Juni beim CHIO in der Soers um Preisgeld reiten. ALRV-Pressesprecher Niels Knippertz erklärt, der Pferdeherpes spiele für die Macher des Weltfests des Pferdesports keine Rolle. Und Dr. Friedrich-Wilhelm Hanbücken, seit 1998 Vorsitzender der Veterinärkommission des CHIO, 2006 Veterinärkoordinator der Weltreiterspiele in der Soers und Mitglied der Veterinärkommission bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr in London, fügt ganz gelassen hinzu: „Das Thema kommt immer wieder mal auf. Aber - wie gesagt: Es besteht kein Grund zur Panik!”
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