Petra Bleimann: Voller Elan vom Lehrerpult ins Rektor-Büro

Von: Sarah-Lena Gombert
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Petra Bleimann in ihrem Element: Die Mausbacherin, die seit diesem Sommer die Grundschule Gressenich leitet, ist Lehrerin mit Leib und Seele. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg-Gressenich. 186 Kinder, elf Lehrer, dazu Nachmittagsbetreuuer, Schulsozialarbeiter und eine Menge Eltern: In der Grundschule Gressenich tummeln sich jeden Tag eine Menge Menschen. Petra Bleimann ist seit Anfang des Schuljahrs neue Schulleiterin an der offenen Ganztagsschule. Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat sich mit der passionierten Sportlerin über ihre Arbeit und den Wandel an den Grundschulen unterhalten.

Frau Bleimann, war das laufende Schuljahr für Sie ein Neustart?

Bleimann: Nicht unbedingt. Ich bin ja schon seit 14 Jahren in Gressenich. Im ersten Jahr habe ich als Hausaufgabenbetreuung gearbeitet, da ich selbst noch im Mutterschutz war. Aber seitdem habe ich – wieder mit einem Jahr Unterbrechung wegen Mutterschutz – hier als Lehrerin gearbeitet. Ich habe eine Klasse gehabt, und war verantwortlich für den Sport.

Wie unterscheidet sich denn ihr neuer Job von dem der Lehrerin?

Bleimann: Es ist völlig anders! Ich hatte vorher meine Klasse und den Sportunterricht, ich habe mit den Eltern gearbeitet. Jetzt gebe ich nur noch 9 Stunden – zum Glück Sport! Das ist mein allerliebstes Lieblingsfach. Den Rest der Zeit sitze ich im Büro und mache Verwaltungsarbeit. Ich hatte zunächst die Sorge, dass mir dieser Schritt irgendwann leid tut, aber es macht unglaublichen Spaß. Als Schulleitung kann man natürlich auch viel initiieren. Und gerade in Gressenich ist das toll.

Wieso ausgerechnet Gressenich?

Bleimann: So wie in Gressenich stelle ich mir Schule einfach vor. Das Kollegium, unser Ganztagsangebot, die Kinder... Man kann sich zwar immer weiterentwickeln, aber ich bin seit 14 Jahren jeden Tag gerne hier. Wir wollen nicht nur Schule sein, sondern ein Ort, wo sich alle wohlfühlen. Nicht nur die Kinder, sondern auch Lehrer, Betreuer und die Eltern.

Was macht für Sie eine Schule in einem ländlichen Bereich aus?

Bleimann: Ich habe immer gesagt: Ich möchte an eine Schule, wo ich weiß, was die Kinder nachmittags machen. Es ist zum Beispiel toll, nachmittags durch den Wald zu laufen, wo die Kinder spielen, oder dass ich weiß, in welchem Sportverein die Kinder sind. Das sieht nicht jeder Grundschullehrer so, aber für mich ist das eine Bereicherung.

Apropos Nachmittag: In Gressenich gibt es ja den Ganztag schon ein paar Jahre...

Bleimann: Ja! Wir haben damals mit etwa 20 Kindern angefangen. Jetzt sind das viel mehr. Wir in Gressenich haben ja das riesige Glück, ein großes Außengelände zu haben. Die Kinder sind also die meiste Zeit draußen, selbst bei schlechtem Wetter. Auch sonst gibt es ein tolles Angebot, so dass die Kinder gut aufgehoben sind. Trotzdem gibt es immer wieder neue Ideen und Veränderungen.

In den Grundschulen verändert sich generell viel, oder?

Bleimann: Es kann nie so bleiben, wie es gerade ist. Das stimmt. Wir haben zum Beispiel die Schulregeln für die Kinder komplett neu aufgesetzt, so dass jedes Kind genau versteht, was es machen darf und was nicht. Das funktioniert so: Jeder Schüler hat bei uns eine bestimmte Anzahl von Smileys. Und wenn ein Kind nach einem anderen Tritt, ziehen wir ihm zwei Smileys ab. Und wenn alle Smileys aufgebraucht sind, dann müssen die Eltern zum Gespräch kommen.

Was hat sich sonst getan?

Bleimann: Da haben wir zum Beispiel unsere Schulsozialarbeiterin, die jeden Nachmittag zwei Stunden hier ist. Das ist wichtig, weil so außer den Lehrern noch jemand vor Ort ist. Die Kollegin gibt den Eltern Tipps, an wen sie sich bei Problemen wenden können. Sie erarbeitet Erziehungskonzepte mit Eltern und Schülern. Für die Familien ist es super, wenn sie mit jemandem sprechen können, der nicht der Lehrer ist.

Wozu braucht man in Gressenich eine Schulsozialarbeiterin? Es gibt ja immer noch das Klischee von der „heilen Welt“ auf dem Dorf…

Bleimann: Das denken viele. Aber wir sehen, dass bei einigen Kindern nicht alles rund läuft in der Schule. Unsere Sozialarbeiterin kann dann zum Beispiel mit den Familien Regeln aufstellen, was den Fernsehkonsum oder die Stunden vor dem Computer angeht. Sie bildet auch unsere Kinder zu Streitschlichtern aus. Sie sehen also: Die Kollegin ist in den beiden Stunden sehr beschäftigt. Derzeit überlegen wir mit der Stadtverwaltung, das Angebot auszubauen, auch an den anderen Grundschulen in der Stadt.

Sie sagten zu Beginn, dass Sie am liebsten Sport mögen…

Bleimann: Das ist richtig, und ich bin auch froh, dass wir unsere drei Stunden Sport pro Woche haben. Die Kinder brauchen einfach die Bewegung. Sie sitzen viel vor dem Fernseher oder vor dem Computer, und selbst auf dem Schulweg gibt es für viele keine Bewegung mehr, weil sie von den Eltern direkt bis ans Schultor gefahren werden. Im Nachmittagsbetrieb haben wir derzeit das Sportkarussell mit dem Regio-Sportbund erarbeitet. Mehrere Stolberger Sportvereine können dabei ihr Angebot vorstellen: Judo, Leichtathletik, Turnen oder Tennis… damit die Kinder nicht unbedingt alle beim Fußball landen (lacht). Nächstes Jahr macht unser viertes Schuljahr bei einem Triathlon-Projekt mit. Sport spielt hier eine riesige Rolle. Aber wir können natürlich nicht nur Sport machen…

Wie gehen Sie an der Schule mit neuen Medien um? Kommen die Kinder schon mit dem Smartphone in den Unterricht?

Bleimann: Nein, Handys sind bei uns nur in Ausnahmefällen erlaubt. Trotzdem ist uns klar, dass die Schüler Smartphones haben. Wir wollen aber, bevor wir uns zum Beispiel Tablets an die Schule holen, ein vernünftiges Konzept haben. Einfach mal Geräte anschaffen und die Kinder machen lassen, davon halten wir nichts. Wir müssen wissen, was sinnvoll ist. Außerdem bin ich – auch als Sportlerin – der Meinung, dass die Kinder Dinge anfassen sollten, um sie zu verstehen, dass sie beispielsweise besser Bälle in der Turnhalle zählen als Punkte auf einem digitalen Monitor zu verschieben. Wir sollten nicht die Augen vor den neuen Medien verschließen, aber der zwischenmenschliche Kontakt untereinander darf nicht zu kurz kommen. Das gilt übrigens nicht nur für die Kinder.

Sie sprechen vom persönlichen Kontakt: Kennen Sie denn jedes der Kinder an Ihrer Schule?

Bleimann: Ja, auf jeden Fall. Bei den Erstklässlern dauert es immer ein paar Wochen, insbesondere, wenn ich die Kinder noch nicht im Unterricht hatte. Aber dadurch, dass ich Sport unterrichte, bekomme ich jedes Kind auch im Unterricht. Als ich vor Kurzem aus dem Urlaub kam und etwas einkaufen wollte, lief mir im Supermarkt gleich das erste Kind mit ausgestreckten Armen entgegen. Da wusste ich: Du bist zu Hause (lacht). Genau das macht für mich Grundschule aus. Und das motiviert mich für meine Arbeit.

Motiviert zu bleiben ist wichtig?

Bleimann: Unbedingt! Denn das wichtigste ist doch, dass die Kinder motiviert werden, dass sie mit Freude zur Schule kommen. Und das kann ich nur erreichen, wenn ich selbst meine Fächer motiviert vermitteln kann. Darum versuchen wir es bei uns auch so einzurichten, dass jeder die Fächer unterrichten kann, die er oder sie studiert hat, und dass die Klassen somit von unterschiedlichen Lehrerinnen unterrichtet werden. Das geht natürlich nicht immer, aber wir versuchen das so einzurichten.

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