Stolberg - Petö-Therapie für schwer behinderte Kinder: Ganze Persönlichkeit im Blick

Petö-Therapie für schwer behinderte Kinder: Ganze Persönlichkeit im Blick

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
13278266.jpg
In der Turnhalle der Regenbogenschule nahmen körperbehinderte Kinder an einem Förderprojekt teil.

Stolberg. Die Welt ist für René eine ganz andere geworden. Im Tiefparterre der Regenbogenschule an der Stettiner Straße stand der junge Mann zum ersten Mal auf den eigenen Beinen. „Auf einmal hat er seine Füße gespürt. Die Freude war unbeschreiblich“, erinnert sich Marita Holper an diesen Augenblick. Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Fortschritt“.

Der hat zwar seinen Hauptsitz im Rolandshaus direkt gegenüber vom Krankenhaus der Kupferstadt, nutzt aber für seine Förderprojekte regelmäßig die Turnhalle der Schule.

Auf Einladung von Marita Holper und ihren Mitstreiterinnen hat ein Team von Fachleuten dort in den Herbstferien mit zwölf körper- und mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen gearbeitet – an herkömmlichen Geräten, aber auch an speziellen Möbeln aus Ungarn. Denn daher kommen die meisten der neun Behandler; dort wurde auch die in Stolberg weiterentwickelte Petö-Therapie „erfunden“.

Die Teilnehmer stammen aus der Städteregion Aachen. Vom Fortschritt der Arbeit überzeugten sich kurz vor Abschluss zwei der Förderer von „Fortschritt“ und des zweiwöchigen Förderprojektes, Sigrid Reimann und Dieter Stolte vom Lions-Club Aachen-Aquisgranum. Die Lions-Vertreter haben nicht nur den Trägern der Maßnahme eine Spende von 7000 Euro zukommen lassen, sie fördern deren Arbeit sowieso schon, und das seit vier Jahren.

Eine Herzensangelegenheit

Stolte und Reimann sehen die Kooperation mit dem Verein als Herzensangelegenheit an. Lions-Arbeit besteht für Dieter Stolte, der in Büsbach wohnt, nicht nur im Ausschütten von Mitteln, die nicht zuletzt durch einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt der Kaiserstadt eingeworben werden.

Für ihn steht noch etwas anderes auf der Prioritätenliste: „Wir wollen uns in unserer Arbeit auch selber weiterentwickeln“, bekennt der langjährige Chef der Aachener Stadtwerke. Auch Sigrid Reimann zeigte sich vom Gang der Dinge in der Regenbogenschule sehr beeindruckt: „Mir ist bewusst, wie intensiv das alles ist.“

War es auch: Die Behandler, allesamt keine Physiotherapeuten, sondern ausgebildete Grundschullehrer, die nach der Petö-Therapie arbeiten, ließen ihren Klienten eine sehr konzentrierte Form von Zuwendung angedeihen. Nach einer Massage zu Beginn nahm alles seinen in sich folgerichtigen Gang.

Übungen im Liegen (auf den eigens herbeigeschafften Möbeln) wurden durch solche erst im Sitzen, dann im Stehen abgelöst – ganz so, wie es die Petö’sche „konduktive Förderung“ vorsieht. Konduktiv, das bedeutet in diesem Fall das Entwickeln und Zusammenführen von bestehenden Fähigkeiten – ein Programm, zu dem auch gemeinsames Singen und die Mahlzeiten gehörten.

Begründer András Petö hatte schon vor Jahren die Richtung vorgegeben und klar formuliert, was wichtig ist und was auch die Teilnehmer an dem Stolberger Projekt für sich entdeckt haben: „Vergesst die gelähmten Muskeln und kümmert Euch um die ganze Persönlichkeit!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert