Per Knopfdruck zum perfekten Weihnachtshaus

Von: Laura Beemelmanns
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Das Weihnachtshaus der Familie Völtz wird seit Ende September geschmückt. Am Sonntag muss alles fertig sein, denn dann soll das weihnachtliche Werk leuchten. Foto: L. Beemelmanns
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Margit und Jens Völtz haben mit ihren beiden Söhnen ganze Arbeit geleistet. Dutzende weihnachtliche Elemente haben sie ausgepackt, begutachtet, repariert und schließlich rund um ihr Haus dekoriert.

Stolberg-Atsch. Der starke Regen macht Familie Völtz ganz schön zu schaffen. Nur in dicke Jacken mit Kapuze, Arbeitsoveralls und festes Schuhwerk gehüllt können sie in den wenigen verbleibenden Stunden überhaupt noch arbeiten. Denn am Sonntag muss alles fertig sein. Jedes Deko-Element muss an seinem Platz stehen, jede Figur repariert und aufgebaut sein und jede einzelne Lichterkette muss auf Knopfdruck funktionieren.

Weihnachten ist zwar erst im Dezember, aber das Haus von Familie Völtz muss unbedingt am Sonntag schon fertig dekoriert sein, denn dann steht TV-Sender Vox vor der Tür und filmt, wie Margit und Jens Völtz und ihre beiden Söhne Daniel und Alexander, die vom Sender liebevoll „die chaotischen Rheinländer“ genannt werden, mit einem Knopfdruck ihr ganzes Haus in weihnachtliches Licht hüllen. Der Sender sucht das perfekte Weihnachtshaus, und darum heißt auch die Show so.

Dazu sind vier Familien aus ganz Deutschland auserkoren, um sich dem Deko-Wahn herzugeben. Und alle haben sie das gleiche Ziel: Ihr Werk soll zum schönsten des ganzen Landes gekürt werden.

Viel Überredungsarbeit

Doch von vorne. Eigentlich, ja eigentlich, wollte Margit Völtz in diesem Jahr gar nicht schmücken, das hat sie so beschlossen. Bis Ende September war sie noch felsenfest davon überzeugt, dass ihr Haus in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2001 nicht weihnachtlich leuchten würde. Dabei ist es längst eine feste Atscher Attraktion. Und, wie Margit Völtz sagt: „Das ist unser eigenes kleines soziales Projekt.“

Denn an den Wochenenden im Dezember verteilen sie kostenlos Glühwein, Kakao und Gebäck an die neugierigen Besucher. Inzwischen backen die Nachbarn mit, bringen ebenfalls Glühwein und Milch für den Kakao vorbei und spenden obendrein. „Das Geld, was wir dabei einnehmen, wird zu 100 Prozent gespendet“, sagt Völtz. Davon profitiert haben schon Stolberger Grundschulen, Kindergärten oder der ortseigene Spielplatz. Und das, obwohl sie selbst viel Geld investieren. „Nach all den Jahren könnten wir uns von dem Geld, das wir in Weihnachtsdekoration gesteckt haben, einen guten und großen Mittelklassewagen kaufen“, sagt Völtz und lacht. Denn das will sie gar nicht. Ihr liegt die Dekoration des Hauses sehr am Herzen.

Und nun ist Familie Völtz eine der vier ausgewählten Familien, die ins Rennen um das perfekte Weihnachtshaus gehen – eine große Aufgabe, wie sich in den vergangenen Monaten herausstellen sollte.

Denn jetzt muss erst recht ganz groß aufgefahren werden. Damit sie ihren ohnehin in Fülle vorhandenen Weihnachtsschmuck noch ein wenig aufrüsten konnten, hat der Sender jeder Familie 1000 Euro zur Verfügung gestellt. Davon hat Völtz unter anderem weihnachtliche Errungenschaften für ihr kleines weiß-rotes Knusperhäuschen, das links neben dem Wohnhaus steht, gemacht. Zudem hat sie eine arktische Landschaft geplant und sogar die Fenster von innen abgehangen und dekoriert. Margit Völtz nennt sie „Polarfensterchen“.

Es sollen viele verschiedene Miniatur-Landschaften entstehen, die mit Liebe zum Detail aufgebaut werden. Unzählige Spieluhren, Bäumchen, Dekosteine und künstlicher Schnee werden dafür gebraucht. Allein 30 Lichternetze hängen über dem Haus. Außerdem solle auf jeder Ebene etwas zu sehen sein. „Bei den Fenstern am Haus müssen die Erwachsenen die Kinder hochheben und beim Knusperhäuschen müssen sie auf die Höhe der Kinder. Das ist uns wichtig“, sagt Margit Völtz. Sie möchte damit Erwachsene und Kinder einander näherbringen. Und: „Die strahlenden und lächelnden Gesichter, das ist immer das Schönste.“

Dahinter steckt jedoch eine Menge Arbeit. „Das ist in der Regel eine Arbeit von circa sechs bis acht Wochen“, sagt Jens Völtz. Dieses Mal muss es jedoch schneller gehen. Denn um 18 Uhr am morgigen Sonntag soll das Haus der Öffentlichkeit und den Konkurrenten der TV-Show präsentiert werden. Während die Stolberger die sogenannte Anschalt-Party genießen dürfen, bewerten die anderen Familien die Dekoration des Hauses.

Zum ersten Mal wurde das Haus im Jahr 2001 geschmückt. Damals ist die Mutter von Margit Völtz gestorben. Ihr Sohn Daniel wollte daher ein leuchtendes Zeichen setzen. „Er sagte damals, dass er wolle, dass ,Oma‘ uns auch vom Himmel aus sehen kann“, sagt Margit Völtz. Sie erfüllten den rührenden Wunsch ihres Sohnes und schmückten das Dach des Hauses mit Lichterketten. „Mit den Jahren kam dann einfach immer mehr dazu“, sagt Völtz. Inzwischen steht der gesamte Keller voller Weihnachtsdeko. Auch das Gartenhaus und zwei Garagen sind gefüllt. „Wir haben viele große Figuren. Darunter unter anderem Rentiere in Lebensgröße, ein rund zwei Meter großer Weihnachtsmann und auch ein Eisbär gehört mittlerweile zum Repertoire“, sagt Jens Völtz. Und die müssen schließlich alle irgendwo hin.

Nur noch wenige Stunden

Vor allem aber müssen all diese Figuren und auch eine Eisenbahn noch bis Sonntag aufgestellt werden. Jens Völtz macht das schon etwas nervös. „Die Eisenbahn schaffe ich nicht mehr“, sagt er. Margit Völtz entgegnet gelassen: „Abwarten.“ Sie scheint der ganze Deko-Stress beinahe kalt zu lassen. Sie freue sich eher und sagt, dass die Teilnahme an der Sendung „eine himmlische Fügung“ gewesen seien. Schließlich wolle ihre Mutter auch in diesem Jahr vom Himmel aus sehen, wo die Familie Weihnachten feiert.

Daher beruhigt Margit Völtz ihren Mann immer wieder mit den Worten: „Das wird schon. Wir können es ja ohnehin nicht ändern.“ Das, was sie schaffen, wird Sonntag präsentiert. Der Rest eben nicht. Die Familie gebe ihr Bestes. Einige Stunden haben sie ja noch.

Ob die Eisenbahn es tatsächlich nicht mehr vor das Haus der Familie geschafft hat und ob überhaupt all die Lichterketten bei der großen „Anschalt-Party“ auf Knopfdruck angehen, das wird erst am Sonntag endgültig feststehen.

Bis dahin müssen sie zittern – und vielleicht noch eine Nachtschicht einlegen.

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