Peltzer-Werke: Löhne und Gehälter bleiben erneut aus

Von: Lukas Franzen
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War oder ist es in den Peltzer-Werken an der Prattelsackstraße zu kalt? Die Geschäftsführung dementiert. Ein Mitarbeiter berichtet dagegen von Temperaturen um die acht Grad. Fakt ist: Löhne und Gehälter aus Dezember wurden bisher noch nicht ausbezahlt. Foto: L. Franzen

Stolberg. Erst im vergangenen Jahr sorgten die Stolberger Peltzer-Werke wegen Kündigungen und nicht pünktlich gezahlter Gehälter für negative Schlagzeilen. Nach Protesten der Beschäftigten schlossen Arbeitgeber und Betriebsrat im November eine Betriebsvereinbarung ab, um die pünktliche Auszahlung künftig verbindlich zu regeln.

Sie blieb anscheinend ohne Wirkung. Denn ein Mitarbeiter der Metallfirma, der anonym bleiben möchte, erhebt erneut den Vorwurf, Gehälter würden weiterhin nicht pünktlich oder gar nicht gezahlt. Außerdem sei es in der Firma viel zu kalt.

Der Mitarbeiter berichtet gegenüber unserer Zeitung, dass es an einem Arbeitstag im Dezember gerade einmal acht Grad in dem Betrieb gewesen sein soll. Dennoch werde die Heizung nicht repariert. Denn die Geschäftsführung halte dies einfach nicht für notwendig. „Die Situation ist für alle Beschäftigten unzumutbar“, so der Peltzer-Beschäftigte. Nach wie vor warteten auch einige Kollegen auf Teile ihres Novemberlohns. Andere hätten diesen noch gar nicht erhalten. „Da können noch so viele Vereinbarungen mit der IG Metall geschlossen werden. Es wird sich einfach nicht daran gehalten.“

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Martin Peters von der Gewerkschaft IG Metall die an das Unternehmen gerichteten Vorwürfe. „Wir sind darüber informiert, dass der Arbeitgeber sich offensichtlich nicht an die Betriebsvereinbarung hält“, sagte der Gewerkschaftssekretär. Die Dezembergehälter seien komplett nicht ausbezahlt worden.

Und tatsächlich würden die Peltzer-Mitarbeiter teilweise sogar noch auf ihr Gehalt aus November warten. „Gemeinsam mit dem Betriebsrat prüfen wir aktuell rechtliche Schritte zur Durchsetzung der Gehaltszahlungen.“ Welche juristischen Schritte Gewerkschaft und Betriebsrat konkret in Erwägung zögen, wolle man noch in dieser Woche bekanntgeben, so Peters, der auch den Vorwurf, in der Firma sei es viel zu kalt, für glaubwürdig hält.

„Beschwerden über schlecht beheizte Gebäude erreichen uns immer wieder.“ Laut Arbeitsstättenverordnung sei aber eine „gesundheitlich zuträgliche Temperatur“ vorgeschrieben, die mit acht Grad eindeutig nicht erreicht sei.

Hans-Josef Mertes, Geschäftsführer der Peltzer Werke – Form und Präzision in Metall GmbH, weist den Vorwurf zu niedriger Temperaturen dagegen entschieden zurück. „Dies stimmt überhaupt nicht“, erklärte Mertes auf Anfrage. „Unsere Heizungsanlage funktioniert. Wir halten die Arbeitsstättenverordnung ein.“ Temperaturen um die acht Grad seien nicht möglich, da für die Wintermonate sogar acht bis zehn externe Heizgeräte aufgestellt worden seien.

Das Ausbleiben der Dezembergehälter begründet der Geschäftsführer indes mit den zurückliegenden Feier-, Wochenend- und Brückentagen seit dem 24. Dezember. Dadurch, so Mertes, sei es zu Verzögerungen gekommen. Die Löh­ne und Gehälter für November seien jedoch „definitiv bezahlt“.

Verstoß gegen Vereinbarung

Selbst wenn die Begründung Feier- und Brückentage zutreffen sollte, so stellt die wiederholte Verzögerung dennoch einen Bruch der am 4. November getroffenen Betriebsvereinbarung zwischen den Peltzer-Werken und ihrem Betriebsrat dar, die seit 1. Dezember auf unbestimmte Zeit gilt.

In der Vereinbarung verpflichtet sich das an der Prattelsackstraße ansässige Metallunternehmen, „Löhne und Gehälter so auszuführen, dass den Arbeitnehmern die Zahlung am letzten Banktag des Monats, auf dem angegebenen Konto, zur Verfügung steht.“

Ferner verpflichtet Peltzer sich dazu, seinen Mitarbeitern bis zum 28. Tag eines jeden Monats eine individuelle Lohn- und Gehaltsabrechnung vorzulegen. Ebenfalls Teil der Vereinbarung ist die Zusage der Geschäftsführung, Überziehungszinsen auf den Konten der Arbeitnehmer, die durch verspätete Lohn- und Gehaltszahlungen entstehen, auszugleichen.

Moderatere Töne

Der Betriebsrat schlägt moderatere Töne an als die IG Metall: „Wir wollen versuchen, einen Konsens mit der Geschäftsführung zu finden, mit dem alle Mitarbeiter leben können“, sagt Betriebsratsmitglied Bogdan Cubric. Man sei der Meinung, dass rechtliche Schritte nur die „letzte Konsequenz“ sein sollten.

Cubric bringt auch ein gewisses Verständnis dafür auf, dass es im Dezember mit der pünktlichen Zahlung nicht geklappt hat. Dies könne dem Umstand geschuldet sein, dass im Dezember weniger Umsatz als in anderen Monaten erwirtschaftet werde. Eine für die Mitarbeiter hilfreiche Lösung könnte vielleicht sein, dass Gehälter – wie in Vergangenheit schon einmal geschehen – zur Hälfte Anfang und zur anderen Hälfte Mitte des Monats ausgezahlt würden. Darüber müsse man jetzt mit der Geschäftsführung sprechen.

Zum Thema Kälte: Ein Fall, in dem es nur acht Grad waren, sei ihm nicht bekannt, sagt Cubric. Ein Grund für solches Empfinden könnte sein, dass die alten Hallen nach den Feiertagen, an denen nicht gearbeitet wurde, heruntergekühlt gewesen seien. „Unsere Gebäude sind ziemlich alt und nicht isoliert. 20 Grad kriegen wir da nicht hin.“

Mitte November seien deswegen die dezentralen Heizgeräte angeschafft worden, die dort aufgestellt würden, wo es gerade kalt sei. Zu dem Vorwurf, dass ein Ersatzteil nicht ausgetauscht wird: Es gebe eine alte Heizung im Betrieb, die durchgerostet sei. Dort ergebe es keinen Sinn, in Ersatzteile zu investieren. In der nächsten Heizperiode solle die Heizung ersetzt werden.

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