Stolberg - Peltzer-Werke: Gericht entscheidet über Insolvenzverfahren

Peltzer-Werke: Gericht entscheidet über Insolvenzverfahren

Von: Sonja Essers
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Bewegende Unternehmensgeschichte: Mittlerweile findet die Produktion der Peltzer-Werke im Schwarzen Weg statt. In der kommenden Woche könnte das Insolvenzverfahren nach zwei Jahren aufgehoben werden – wenn das Gericht zustimmt. Die Geschäftsführung sagt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Stehen die Peltzer-Werke vor dem Aus? Anfang der Woche noch hieß es, dass in dem Stolberger Traditionsunternehmen noch in dieser Woche die Lichter ausgehen könnten. Nun meldete sich Geschäftsführer Hans-Josef Mertes zu Wort. Er sagt: „Das Verfahren könnte in der kommenden Woche aufgehoben werden.“ Die Voraussetzungen seien erfüllt. Nun muss das Gericht entscheiden. Doch von vorne.

Das Unternehmen: Die Peltzer-Werke werden als Stolberger Traditionsunternehmen bezeichnet. Einst in der Prattelsackstraße angesiedelt, befindet sich der Betrieb mittlerweile im Schwarzen Weg. Aktuell sind 57 Mitarbeiter beschäftigt. Sie fertigen Blechverkleidungen, Schaltschrankgehäuse, Verkleidungen für Automaten, Rufsäulen, Geldkassetten, Tresore, Geldautomaten sowie Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos aus Eisen-, Kupfer-, Aluminium und Edelstahlbleche.

Darüber hinaus werden auch Metallkonstruktionen für Produktions- und Bearbeitungsmaschinen gefertigt und es werden komplexe Blechkonstruktionen als Prototypen entwickelt, getestet und Herstellungsverfahren für die Serienfertigung erarbeitet. Dass man damit durchaus ein erfolgreiches Unternehmen sein kann, zeigt ein Blick auf die Geschichte des Stolberger Betriebs. 2005 übernahm Hans-Josef Mertes das Unternehmen aus der Insolvenz und führte es erfolgreich weiter und wurde wieder zu einer anerkannten Größe auf dem Markt – mit zwischenzeitlich 100 Mitarbeitern und einer Kooperation mit der RWTH Aachen. Zumindest bis Anfang 2014.

Starker Umsatzeinbruch

Die Krisenursache sei der Auftragseinbruch bei einem zentralen Ankerkunden gewesen, sagt Mertes. Hierdurch habe man einen starken Umsatzeinbruch erlitten. Von einem Personalabbau habe man zunächst abgesehen. Der Grund: Man wollte für künftige Aufträge dieses Ankerkunden ausreichende Kapazitäten vorhalten und die eingearbeiteten Mitarbeiter so lange wie möglich in der Firma halten. In dieser Phase wurde ein Sozialplan erstellt. Die Konsequenz: Elf der insgesamt 95 Mitarbeiter wurden entlassen. Und damit nicht genug. Negative Schlagzeilen machte das Unternehmen fortan mit nicht gezahlten Löhnen und Gehältern. Anfang Januar 2015 reichte der Betriebsrat schließlich beim Arbeitsgericht Aachen eine Klage gegen die Geschäftsführung ein.

Die Eigenverwaltung: Im August des gleichen Jahres stellte das Traditionsunternehmen beim Amtsgericht Aachen einen Antrag auf Eröffnung eines gerichtlich kontrollierten Eigenverwaltungsverfahrens. Die Zustimmung erfolgte im Oktober 2015. Als Eigenverwalter fungierte Geschäftsführer Mertes, ihm wurde ein Sachwalter zur Seite gestellt. In einer Gläubigerversammlung wurde man damit beauftragt, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und gleichzeitig einen Insolvenzplan zu erstellen, in dem die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zur Weiterführung eines profitablen Geschäftsbetriebes festgehalten werden sollten.

Umstrukturierung: „Wir haben einige Schwachstellen abgebaut“, sagt Mertes zum Thema Umstrukturierung. Was das genau heißt? Unter anderem habe man die Energiekosten senken können. Betrugen diese jährlich zwischen 300.000 und 350.000 Euro, so zahle man mittlerweile noch 100.000 Euro jährlich. Zur Umstrukturierung zählte auch die Verkleinerung der Räume. Einst saß das Unternehmen in der Prattelsackstraße, mittlerweile findet die Produktion in den Räumen am Schwarzen Weg statt. „Wir haben eine gesunde Substanz und die Strukturen stimmen. Sie müssen allerdings an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden“, sagt Hans-Josef Mertes. Und: Peltzer investiere auch wieder. Eine neue Pulveranlage soll noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. „Unsere Stärke ist die Qualität“, ist sich Mertes sicher.

Die Zukunft: Und wie soll es weitergehen? „Die Voraussetzungen zur Aufhebung des Verfahrens sind gegeben“, sagt Mertes. Das bedeutet: Die sogenannten vorhandenen Masseverbindlichkeiten müssen komplett gedeckt werden. Dafür sei eine Summe im sechsstelligen Bereich nötig gewesen. Wie hoch sie genau ist, sagt Mertes allerdings nicht. Dazu zählen unter anderem auch die Löhne. Und hier versichert Mertes: „Alle Löhne sind gezahlt.“ Auch aus dem Umfeld des Unternehmens bestätigte man am Freitagnachmittag, dass die Gehälter überwiesen worden seien. Mit einer Ausnahme: 60 Prozent der Oktobergehälter stehen aus. In der vergangenen Woche unterschrieben die Mitarbeiter einen Besserungsschein. Ist die Firma finanziell wieder besser aufgestellt, soll das Geld folgen. In der kommenden Woche entscheidet das Gericht nun, ob das Verfahren auch wirklich aufgehoben wird.

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