Stolberg - Paul Schäfermeier will die Altersarmut stärker in den Fokus rücken

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Paul Schäfermeier will die Altersarmut stärker in den Fokus rücken

Von: Michael Grobusch
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Im Steinweg sieht Paul Schäfermeier eine Option für zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum für Senioren. Doch auch in den Außenbezirken hat er großen Bedarf ausgemacht. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Sie ist eine verbreitete, aber dennoch noch relativ unbekannte Erscheinung. Dabei sind immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen – auch in Stolberg. Der Seniorenbeauftragte der Stadt Stolberg nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um für den 13. Februar zu einer Fachtagung ins ökumenische Gemeindezentrum einzuladen. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat Paul Schäfermeier sich zur aktuellen Lage geäußert.

Fachbereichsleiter Willi Seyffarth hat in der letzten Sitzung des Sozialausschusses auf eine dramatisch wachsende Altersarmut hingewiesen. Bekommen Sie das als Seniorenbeauftragter auch zu spüren?

Schäfermeier: Ich begegne sicherlich nicht jeden Tag Leuten, die offen sagen: „Ich bin arm.“ Aber es gibt diese steigende Armut, auch wenn sie nicht direkt wahrgenommen wird. Fakt ist, dass in Deutschland derzeit rund 900.000 ältere Menschen Grundsicherung beziehen, also eine rein existenzsichernde Leistung. Und von diesen Menschen gibt es auch in Stolberg viele, vor allem Frauen sind betroffen.

Was führt diese Menschen in die Armut?

Schäfermeier: Da können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Einer davon sind sicherlich die enorm gestiegenen Energiekosten und die dadurch bedingt häufig sehr hohen Nachzahlungen. In unser Büro kommen immer wieder Senioren, die davon berichten, dass sie im Winter nur reduziert heizen können – entweder zu bestimmten Zeiten oder einzelne Räume. Es kommt auch immer häufiger vor, dass die Energieversorger Stromsperren veranlassen. Wir vom Senioren-Infocenter versuchen dann, gemeinsam mit den Betroffenen einen Weg aus dieser schwierigen Situation zu finden.

Die Kosten steigen nicht nur im Energiebereich. Wie wirkt sich die Entwicklung der Mieten auf die älteren Menschen in dieser Stadt aus?

Schäfermeier: Für Menschen, die nur geringe Mittel zur Verfügung haben, ist die Mietpreis-Entwicklung ein großes Problem. Es gibt viel zu wenig geeigneten und bezahlbaren Wohnraum für Senioren in Stolberg.

Was ist denn geeigneter Wohnraum für Senioren?

Schäfermeier: Er muss nicht nur bezahlbar sein, sondern auch barrierefrei und die passende Größe haben. 45 bis 60 Quadratmeter sind in der Regel ideal, dazu eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und eine ausreichende Infrastruktur, beispielsweise zum Einkaufen. Wohnungen, die diese Kriterien erfüllen, gibt es hier definitiv viel zu wenig.

Der Steinweg bietet sich da quasi an.

Schäfermeier: Von seiner Versorgungsstruktur wäre der Steinweg natürlich genial. Doch nicht nur hier müsste es ein größeres Angebot geben, das gilt genauso für die Außenbezirke. Man darf auch nicht vergessen, dass im Steinweg zunächst einmal viel saniert und damit investiert werden müsste. Dafür gibt es zwar Förderprogramme. Doch viele Eigentümer greifen auf diese nicht zurück, weil die Zinsen auf dem freien Markt auch sehr niedrig sind und sie dort Kredite bekommen, die keine Zweckbindung haben. Am Ende entsteht dann eben kein seniorengerechter Wohnraum.

Die Einnahmen aus den Rundfunkgebühren sind seit der Neuregelung enorm gestiegen. Für viele ältere Menschen birgt das aber ein Problem, oder?

Schäfermeier: In der Tat. Durch die seit dem 1. Januar 2013 geltende Regelung, die eine Rundfunkgebühr pro Haushalt bzw. Wohnung und nicht mehr entsprechend der tatsächlich genutzten Geräte vorsieht, erhalten vermehrt Menschen eine Zahlungsaufforderung, der sie aufgrund ihres geringen Einkommens nicht nachkommen können und deshalb in Schwierigkeiten geraten. Was bei der Neuregelung außerdem zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass es tatsächlich Leute gibt, die weder Radio noch Fernsehen besitzen. Und es kann doch nicht sein, dass solche Leute Rundfunkgebühren bezahlen müssen. Hier muss dringend nachgebessert werden.

Sie haben sich entschlossen, das Thema Altersarmut zu vertiefen und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Wird die Fachtagung am 13. Februar in diesem Sinne einen Impuls geben?

Schäfermeier: Das hoffe ich. Denn es wird in der Tat Zeit, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Tagung werden wir gemeinsam mit der Stadt Eschweiler veranstalten, um von vorneherein einen großen Personenkreis anzusprechen. Dabei werden wir vom Seniorenbeirat und seinem Vorsitzenden Hans-Josef Wellmann unterstützt. Meine Vorstellung ist, dass wir zunächst global über das Thema informieren und dann in verschiedenen Workshops in kleineren Kreisen erarbeiten werden, wie es genau mit der Altersarmut in Stolberg und Eschweiler aussieht.

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