Paten unterstützen Flüchtlinge im Alltag

Von: Annika Kasties
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Hier freuen sich die minderjährigen Flüchtlinge des Agnesheims beim Fahrradtraining noch über gespendete Räder (großes Bild). Damit sie mit dem 18. Geburtstag nicht ganz auf sich allein gestellt sind, begleitet und unterstützt Edeltraud Krieweth (kleines Bild) vom Sozialdienst katholischer Frauen ab sofort Paten für Flüchtlinge. Foto: A. Kasties

Stolberg. Die Anzahl der Flüchtlinge, die in Deutschland Zuflucht suchen, steigt täglich. Auch in Stolberg kommen immer mehr schutzsuchende Menschen an. Endlich dem Krieg, dem Terror und der Verfolgung entkommen, stehen sie nun vor ganz neuen Herausforderungen.

Sie müssen sich in einer fremden Kultur, mit einer fremden Sprache und teils unbekannten gesellschaftlichen Konventionen zurecht finden. Und das mitunter in einem Alter, in dem sie sich nicht einmal eigenständig an einer Hochschule einschreiben könnten.

„Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge haben das Glück, in der Jugendhilfe zu landen. Dort werden sie gut unterstützt und gefördert“, sagt Margit Schmitt, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Stolberg. Allein im Agnesheim betreut der SkF derzeit 34 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, davon 28 Jungs. Eine ganze Reihe von ihnen wird in den kommenden Monaten 18 Jahre alt.

Mit Erreichen der Volljährigkeit endet die Betreuung durch die Jugendhilfe. Und das, obwohl viele Flüchtlinge auch danach noch Unterstützung gebrauchen könnten, betont Schmitt. „Die jungen Menschen haben sich oft gerade erst eingelebt und schon geht es weiter“, erzählt Edeltraud Krieweth, langjährige Mitarbeiterin beim SkF. Wie finde ich eine Wohnung? Wie bestreite ich meinen Lebensunterhalt? Wie kann es für mich nach der Schule weitergehen? Dies sind alles Fragen, mit denen sich die jungen Menschen plötzlich – und ohne offiziellen Beistand – konfrontiert sehen.

Längerfristige Unterstützung

An dieser Stelle setzt das neue Angebot des SkF an. Seit August ist Krieweth mit einer halben Stelle als Referentin zur Begleitung und Unterstützung von Flüchtlingspaten tätig. „Wir sind auf der Suche nach Menschen, die an einer längerfristigen Unterstützung von Flüchtlingen interessiert sind“, sagt sie.

Die Art der Unterstützung sei dabei vielfältig. Grundlegende Aufgaben wie die Hilfe bei der Wohnungssuche, die Begleitung zu Behördengängen und Arztbesuchen können ebenso dazugehören wie gemeinsame Ausflüge und Spaziergänge. Häufig sei ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen schon genug.

Wichtig sei vor allem, dass die Flüchtlinge einen verlässlichen Ansprechpartner haben. Hilfe zur Selbsthilfe, laute auch an dieser Stelle die Devise. Wie genau sich eine Patenschaft darstelle, das hänge ganz davon ab, in welchen Bereichen sich der Flüchtling Unterstützung wünscht. Und in welchem Ausmaß der Pate helfen will. Denn: „Es ist auch Vollzeitbeschäftigen möglich, eine Patenschaft zu übernehmen“, versichert Schmitt.

Das Angebot der Flüchtlingspatenschaften richtet sich nicht nur an Jugendliche, die im Agnesheim untergebracht sind. Auch für Familien und andere Einzelpersonen sucht das SkF Paten. Dabei arbeitet der Sozialdienst eng mit anderen Einrichtungen, beispielsweise dem Café Willkommen, zusammen. Darüber hinaus steht Krieweth im engen Kontakt zu Hildegard Nießen, Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Stolberg, und Gabriele Wirtz vom Caritasverband, die im Rahmen der Flüchtlingshilfe für die Stadt tätig ist. Eine funktionierende Vernetzung sei auch hier wichtig.

Welcher Pate am besten zu welchem Flüchtling oder welcher Flüchtlingsfamilie passt, das muss Krieweth nun abwägen. In persönlichen Gesprächen will die 57-Jährige die jeweiligen Wünsche und Hoffnungen klären.

Schulungen und Fortbildungen

Auch darüber hinaus steht sie als Ansprechpartnerin sowohl für Flüchtlinge als auch für Paten zur Verfügung. Letztere werden zudem in ihrer neuen Funktion vom SkF unterstützt. So werden Paten durch ein Schulungsangebot auf ihre Aufgabe vorbereitet, auch Fortbildungsangebote werde es im Laufe der Patenschaft geben. In diesen werden sich die Ehrenamtlichen unter anderem mit ihrer neuen Rolle auseinandersetzen. Auch die Grenzen einer Patenschaft sind Thema. „Wichtig ist, dass die Paten wissen, dass sie nicht allein gelassen werden“, betont Krieweth.

Neben Schulungen soll es Austauschtreffen und offene Stammtische geben, bei denen sich die Paten vernetzen können.

Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet. „Ich bin ganz begeistert, dass sich jetzt schon so viele melden. Es ist toll zu sehen, wie viel Engagement in der Bevölkerung ist“, sagt Krieweth und ergänzt: „Jeder Ehrenamtler hat seine eigene Motivation. Und viele sehen, dass sie nicht nur etwas für jemanden tun, sondern mit jemandem.“

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