Partyzelt auf dem Kaiserplatz: Viel Arbeit „unter Hochspannung“

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Test bestanden, die Jecken können kommen: Betreiber Dieter Nerlich zapft das erste Bier im Partyzelt am Kaiserplatz. Am Samstag, am Sonntag und am Rosenmontag soll es dort noch einmal richtig rund gehen. Foto: D. Gerhards
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Eine Attraktion im Zelt: Die Band „SkyDogs“ spielt Samstagabend. Foto: D. Müller

Stolberg. Wenn an den tollen Tagen Hunderte Jecke im Partyzelt am Kaiserplatz feiern, dann hat Zeltbetreiber Dieter Nerlich alle Hände voll zu tun. Wenn Wasser oder Bier nicht richtig durch die Leitungen laufen, kümmert er sich darum.

„Total flexibel“ sorgt er für einen reibungslosen Ablauf der Feiern im Zelt. Und er greift auch selbst zum Mikrofon: Nerlich singt klassische Stolberger Lieder wie die „Lola“, den „Hammerschmied“ und den „Vogelsänger“. Das lässt er sich nicht nehmen. Mitten in der karnevalistisch heißen Phase sprach Nerlich mit Daniel Gerhards.

Das Zelt steht, das Bier läuft – die Jecken können kommen. Feiern Sie selber eigentlich gerne Karneval?

Nerlich: Ich kann schon feiern. Und mache das auch gerne.

Aber an Karneval haben Sie keine Zeit dazu?

Nerlich: Nein, dazu haben wir zu viel zu tun. Und wenn ich mit jedem, den ich im Zelt kenne, ein Bier trinken würde, könnte ich den Job nicht mehr machen.

Was gehört dazu?

Nerlich: Wenn an einer Zapfstelle das Bier nicht läuft oder irgendwo Wechselgeld fehlt, muss ich mich darum kümmern. Wir haben natürlich auch Werkzeug auf dem Zelt. Wir müssen immer flexible reagieren können. Hier können viele Dinge passieren, die in einem festen Objekt wie einem Saal oder eine Kneipe nicht passieren können.

Das bedeutet dann auch deutlich mehr Aufwand als in einer Kneipe zu feiern ...

Nerlich: Ja, und man muss früh anfangen zu planen. Direkt nach Karneval werden die Wunden geleckt und dann geht es weiter. Eineinhalb Wochen nach Karneval ist schon wieder alles in trockenen Tüchern für das nächste Jahr. Sonst bekommt man gar kein Zelt mehr. Über Karneval sind alle Zelte vermietet.

Also machen Sie sich direkt nach den tollen Tagen schon wieder Gedanken über das nächste Jahr?

Nerlich: Ja, aber wir entscheiden von Jahr zu Jahr, ob wir das Zelt noch mal machen oder nicht. Die Bedingungen Geld zu verdienen, sind nicht mehr so wie sie mal waren. Im vergangenen Jahr waren wir kurz vor dem Minus-Bereich. Und es muss ja auch was übrig bleiben. Wir haben mit unseren Lieferanten gesprochen, die haben Kompromisse gemacht. Deshalb machen wir in diesem Jahr weiter.

Also kein einfaches Geschäft. Wieso machen Sie trotzdem weiter?

Nerlich: Die Leute sehen immer nur, wie viel auf dem Zelt los ist. Deshalb denken Sie, dass wir uns dumm und dämlich verdienen. Das ist bei Weitem nicht so. Aber ich will nicht jammern. Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Wenn das nicht so wäre, würde ich aufhören.

Wie lange betreiben Sie das Karnevalszelt in Stolberg schon?

Nerlich: Mittlerweile seit 15 Jahren. Wir haben damals auf dem Krautladeplatz angefangen. Jetzt machen wir das Zelt auf dem Kaiserplatz seit fünf Jahren. In einem Jahr hatten wir sogar beide Zelte. Aber das war einfach zu viel.

Kennen Sie sich denn in der Gastronomie aus, oder wie sind Sie dazu gekommen, ein Zelt zu betreiben?

Nerlich: Ich bin jetzt fast 40 Jahre in der Gastronomie. Ich hatte in meinem Leben schon 22 Lokale und einmal sogar elf Stück gleichzeitig. Ich hatte 33 Jahre das Klimbim, damit habe ich auch angefangen. Mein Sohn Sascha hat das übernommen und führt es jetzt im sechsten Jahr.

Und welchen Beruf haben Sie gelernt?

Nerlich: Ich habe Maschinenbauer bei Prym gelernt. Über das Kellnern bin ich dann zur Gastronomie gekommen. Und das war eine tolle Zeit – mit Höhen und Tiefen.

Aber auch mit dieser Erfahrung ist es scheinbar nicht ganz einfach funktionierende Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Woran liegt das?

Nerlich: Die Leute geben ihr Geld heute viel bewusster und anders aus als früher. Als ich noch bei Prym gearbeitet habe, haben die Leute jeden Tag eine Viertelstunde länger gearbeitet, um sich an Tagen wie Karneval frei nehmen zu können. Und man hat vorher gespart, um feiern zu gehen. Das machen heute immer weniger Leute. Eigentlich nur noch die uniformierten Karnevalisten.

Was tun Sie, um die Leute trotzdem in das Zelt zu holen?

Nerlich: Das machen wir mit unserem guten Programm. Unsere originalen Karnevalstage sind der Fettdonnerstag und der Rosenmontag. Freitags haben wir Discofox- und Schlagerabend. Am Samstag spielt eine tolle Coverband, die mit vielen Show-Elementen arbeitet. Und am Sonntag feiern wir eine Hüttenparty.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

Nerlich: So viele wie möglich. Es passen ungefähr 1100 Leute in das Zelt. Wir versuchen es am Einlass immer so zu regeln, dass es etwas weniger sind. Wenn es zu voll ist, dann kommt ja auch keiner mehr durch zur Theke und wir können nicht richtig arbeiten.

Was sagen die Wirte in den Stolberger Kneipen dazu, dass bei Ihnen so viele Leute im Zelt feiern?

Nerlich: Wir haben schon die Kritik bekommen, dass wir die Kneipen in der Innenstadt mit dem Zelt leer machen würden. Aber ganz ehrlich: Wenn das Zelt nicht mehr da ist, dann ist der Karneval in Stolberg tot. Ich möchte keinem etwas wegnehmen. Ganz im Gegenteil. Man muss die Leute nach Stolberg ziehen. Dann bekommen alle etwas vom Kuchen ab. Und das gönne ich den anderen Gastronomen auch.

Ein großes Thema im Karneval ist in diesem Jahr das Nichtraucherschutzgesetz. Das heißt in geschlossenen Räumen darf niemand rauchen – also auch nicht im Zelt, oder?

Nerlich: Richtig, es hängen Zettel an der Türe, dass bei uns absolutes Rauchverbot herrscht. Wir haben auch einen beheizten Raucherbereich, damit niemand frieren muss. Und die Raucher müssen dann nicht nach vorne vor das Zelt und nach der Zigarette wieder an der Kontrolle vorbei ins Zelt. Damit sorgen wir dafür, dass die Raucher so wenige Unannehmlichkeiten wie möglich haben.

Und was machen Sie, wenn doch jemand im Zelt raucht?

Nerlich: Ich werde jedem, der im Zelt raucht, sagen, dass er bitte damit aufhören soll.

Nach allem, was sie erzählt haben, könnte man meinen, dass sie nach Karneval erstmal zwei Wochen Urlaub brauchen. Wie anstrengend ist Ihr Job?

Nerlich: Ich bin jetzt fast 62 Jahre alt. Und ich bin Perfektionist. An den fünf Tagen, an denen das Zelt geöffnet ist, stehe ich oft unter Hochspannung. Danach bin ich zwar geschafft, aber Urlaub brauche ich deshalb nicht. Es macht mir aber auch eine Menge Spaß. Ohne den Spaß würde ich das Zelt nicht mehr machen. Das ist wie in jedem anderen Job auch: Wenn es keinen Spaß macht, dann liefert man auch keine gute Arbeit ab.

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