Partnerschaftskomitee Stolberg-Valognes: Suche nach dem Hauch von 4711

Von: Leona Otte
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Tunken, wedeln, riechen und kreieren: Mitglieder des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes bei der Herstellung des eigenen Parfüms im Kölner Dufthaus „4711“. Seminarleiter Franz Jungeblodt verteilt Pipetten. Foto: Leona Otte

Stolberg/Köln. Eine gewisse Andächtigkeit ist gewiss mit ihm verbunden, mit dem ersten Schritt in das Dufthaus „4711“, gelegen in der berühmten Glockengasse nur wenige Minuten vom Kölner Dom entfernt: Auf der rechten Seite nahe des Eingangs erstreckt sich die Wand bis hin zur Decke mit Flaschen des Echt Kölnisch Wassers, frontal ein riesiger Gobelin bestickt mit 4,6 Millionen Stichen und 300 verschiedenen Farbnuancen.

Er beschreibt die Szene wie der Legende nach das ursprüngliche Gebäude der Gründerfamilie Mühlens etwa vier Häuser weiter, während der französischen Besetzung 1796, die Hausnummer 4711 erhielt. Eine kleine Wendeltreppe führt daran vorbei. 14 Stufen, die 26 Mitglieder des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes kürzlich emporstiegen, um einzutauchen in die berauschende Welt der Düfte.

Die Stolberger hatten sich schon am frühen Morgen auf den Weg in die Großstadt gemacht, um im Rahmen ihrer diesjährigen geplanten Aktivitäten an einem Duftseminar der besonderen Art teilzunehmen. Welcher Ort wäre dafür also besser geeignet? Das „Wunderwasser“ seit über 220 Jahren eine Weltmarke, produziert seit 2007 in Stolberg vom Parfümhersteller Mäurer & Wirtz, wobei die Essenzen auch heute noch in Köln zusammengemischt werden, um die Authentizität des Namens zu wahren – so die Verbindung.

Das Partnerschaftskomitee schritt über eine Empore eine weitere Treppe hinauf. Dort erwartete sie bereits der Leiter des Seminars, Franz Jungeblodt. Die Teilnehmer nahmen innerhalb eines hellen Raumes ihre Plätze ein und warengespannt auf das, was da kommt: „Wir arbeiten heute mit der Nase“, sagte der Seminarleiter und verdeutlicht damit, dass es alles andere als theoretisch, sondern praktisch wird.

Darauf verweisen auch zahlreiche dunkelbraune Flaschen, die Reihe für Reihe vor den Kursteilnehmern auf zwei großen Tischen standen. In ihnen befinden sich die verschiedensten Duftstoffe, bestehend aus drei Prozent Ätherischem Öl und 97 Prozent Alkohol. Von nun an spielten sie eine elementare Rolle, denn es ging darum, ein eigenes Eau de Cologne zu entwickeln. Das Prinzip ist simpel, wie Franz Jungeblodt erklärte: Unterschieden wird zwischen Basis-Duftstoffen und sogenannten Störern, die zusammengemischt werden können.

Letztere sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Da sich die Naturstoffe, anders als bei Chemischen, nach dem Schütteln nicht mehr verändern lassen, hat man nur einen Versuch. Zum Schluss wird die Kreation versehen mit Methyldihydrojasmonate, einem Stoff, der das Parfüm kräftig und für etwa zwei Jahre haltbar machen wird.

Enthusiastisch gingen die Mitglieder der Partnerschaftskomitees ans Werk. Die Deckel wurden abgeschraubt und entgegenströmen einem Düfte von süße Orange, über Vanille bis hin zu Lavendel. Fingerspitzengefühl war gefragt, genauso wie konkrete Überlegungen: Entscheidet man sich lieber für etwas Verjüngendes wie Grapefruit in Kombination mit erfrischender Zitrone oder doch lieber für etwas rauchiges wie Basilikum oder vielleicht sogar etwas prickelndem wie rosa Pfeffer.

„Ich habe es mit Grünen Tee, Pomeranze, Grapefruit, Zitrone und Lavendel frisch gehalten“, erzählte Silke Schmitz, die Frau des Vorsitzenden Stefan Schmitz. Und betonte weiterhin: „Es ist sehr interessant und toll mal die einzelnen Duftnoten zu riechen, sonst bekommt man ja immer nur das fertige Parfüm.“

Die Seminarteilnehmer wedeln mit ihren Papierduftstäbchen, testen, riechen und stellen mit Hilfe von Seminarleiter Franz Jungeblodt und kreativem Geschick den Duft zusammen von dem sie glauben, dass er am besten zu ihnen passt. Das kann auch schon einmal nicht so glücklich enden, wie bei Marieluise Hirsch: „Zu süß“, schmunzelt die Vize-Vorsitzende, wobei sie doch eigentlich ziemlich süß ihren Mann Rüdiger, bei dem es deutlich besser läuft, anschaut.

Auch Teilnehmerin Sophia Küsters hat ihre Freude an dem Duftseminar: „Ich finde vor allem gut, dass man direkt alles selbst machen kann. Nach dem Motto: weniger Vorlesung, mehr Experimente“, sagt die 29-Jährige.

Am Ende stehen 26 fertige Parfümfläschchen bereit. Mit selbstgemachten Etikett und Namen wie Sommerfrische 2017, MT1, La Rêve de Cologne, 1949, Wahlen Nr.1 oder Eau de Coco – ganz individuell gestaltet. Neue Kreationen, die mit dem Besuch des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes in dem Hause „4711“ anknüpfen an eine lange und traditionsreiche Geschichte.

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