Stolberg - Parteien im Internet: Viel Nachholbedarf

Parteien im Internet: Viel Nachholbedarf

Von: Daniel Gerhards
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Wer sich darüber informieren will, wofür die Parteien vor Ort stehen, tut dies heutzutage oft zuerst im Internet. Eigentlich eine große Chance für die Parteien – doch nicht alle nutzen sie. Grafik: H.-G. Classen, Foto: imago/Jochen Tack

Stolberg. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden am Straßenrand wieder großformatige Stellwände aufgebaut. Darauf werden Plakate geklebt werden, von denen Politiker aller Couleur freundlich, verbindlich und von allen Falten befreit um die lächeln. Schließlich ist 2013 Bundestagswahl.

Für die Basis bedeutet das: die Werbetrommel rühren – und zwar kräftig. Für die lokalen Ableger der großen Parteien heißt es auch viel Schwung erzeugen und diesen gleich mit ins Kommunalwahljahr 2014 nehmen.

Ein Baustein in der Kommunikation mit den potenziellen Wählern sollte für die Parteien ihre Internetseite sein. Dort lässt sich mit verhältnismäßig wenig Aufwand darstellen, was die Partei vor Ort leistet. Und das fast kostenlos. Man sollte also meinen, dass es höchste Zeit ist, die Partei-Seite auf Vordermann zu bringen. Doch die Chance, die das Web bietet, nutzen die Kommunalpolitiker sehr unterschiedlich.

SPD-Gesichter bekannt machen

Will man sich über die Stolberger SPD informieren, wird man im Netz fündig. Man sieht das knallige Genossen-Rot im relativ modernen Web-Layout. Über allem thront die Burg. Auf dem großformatigen Bild des Wahrzeichens ist der Himmel bedeckt – ob das eine Bedeutung hat...

Die Struktur der Seite ist einfach, man findet Ratsherren, Parteivorstand mit Adressen und Telefonnummern. Zudem erscheint regelmäßig ein Newsletter und aktuelle kommunalpolitische Ziele werden benannt und Anträge, die in den Rat eingegeben wurden aufgeführt – in dieser Rubrik ist der sozialdemokratische Webmaster allerdings nicht auf dem neuesten Stand. Dieser leistet ansonsten aber „sehr gute“ Arbeit, wie Parteichef Martin Peters betont. Das Internet habe für die Stolberger SPD eine hohen Stellenwert: „Man ist als Partei darauf angewiesen, jedes Publikationsorgan zu nutzen“, sagt Peters. Zudem könne man auf diesem Weg „unsere sehr subjektive Sicht der Dinge transportieren“, die Gesichter der Partei bekanntmachen und Positionen darstellen.

CDU: Der Inhalt entscheidet

Da ist die CDU ein wenig weiter. Die Konservativen listen auch etwas jüngere Anträge auf. Außerdem gibt es neben Informationen zu Parteivorstand und Fraktion Mitgliederbriefe und einige kommunalpolitische Forderungen der Christdemokraten. Zudem ist das kommunalpolitische Programm mit, das Positionen der Partei enthält, abrufbar. Insgesamt wirkt die Internetseite etwas zurückhaltender und weniger knallig als der Auftritt der SPD.

Für den Stadtverbandsvorsitzenden Jochen Emonds ist wichtig, dass die verschiedenen Gruppierung der Partei (Fraktion, Ortsverbände oder Arbeitsgruppen) ihren Platz auf der Website haben. „So können sich Bürger, Interessierte und Mitglieder über die verschiedenen Gruppierung informieren“, sagt Emonds. Man findet beispielsweise schnell den Ortsverband mit dem richtigen Ansprechpartner für den Stadtteil in dem man wohnt. Facebook und Twitter werden derweil von der Jungen Union bedient, schließlich wolle man über diese Dienste auch vorwiegend junge Menschen erreichen. Am wichtigsten bleibe jedoch die inhaltlich Arbeit, die sei maßgeblicher als der Kommunikationskanal.

Die FDP beweist Mut zur Lücke

Mut zur Lücke beweist die Stolberger FDP auf ihrer Website. Die Rubrik „Termine“ ist vollkommen leer. Ob es keine Termine gibt? Könnte man so interpretieren. Dabei findet am Montag, 14. Januar, die Mitgliederversammlung Stolberger Liberalen und Mittwoch, 16. Januar, der Kreisparteitag in Stolberg statt.

Unter dem Punkt „Anträge“ findet der interessierte Bürger – und potenzielle Wähler – nur drei Jahre alte parteiinterne Forderungen. Zudem gibt es ein Feld für Twitter-Beiträge, doch es scheint, als twittere kein Liberaler, denn das Feld ist vollkommen unbenutzt. Dafür hat der Ortsverband immerhin eine eigene Facebook-Seite. Auf ihrer Website stellen sie Video-Botschaften online, die stammen aber nicht von den Kommunalpolitkern sondern von der Parteiprominenz. Dabei kann man die ja auch schon auf den Websites der Landes- oder Bundespartei sehen. Die Partei entwickele derzeit eine Strategie, wie sie den Bundestagswahlkampf auf lokaler Ebene gestalten möchte, sagt der Ortsverbands-Vorsitzende Dr. Ralf van der Brück. Das Internet habe dabei einen „zentralen Stellenwert“. Die Jungen Liberalen kümmerten sich in der Partei um die Website, Facebook und Twitter. Allerdings seien die derzeit im Studium sehr eingespannt – daher die Leere auf der Website. Doch die Seite soll auf Vordermann gebracht werden. Schließlich wolle man das nach außen tragen, „was wir wirklich wollen“, das gelinge angesichts der bundespolitischen Querelen nicht immer.

Den Grünen fehlt das Personal

Auf der Seite der Grünen fühle man sich wie auf einer längst stillgelegten Baustelle. Gleich auf der Startseite wird darauf hingewiesen, dass diese bearbeitet wird. Der Eintrag stammt aus Mai vergangenen Jahres. Immerhin hat im Jahr 2012 noch jemand an der Seite gearbeitet. Ist doch klar? Naja. Denn ebenfalls auf der Startseite wird die „nächste Fraktionssitzung am 10. Oktober 2011“ angekündigt. Angesichts dessen wird der geneigte Leser wohl kaum glauben, dass das, was zu grünen Inhalten zu lesen ist, auch nur ansatzweise aktuell ist.

Der ungepflegte Zustand der Internetseite ist dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Franz-Josef Ingermann durchaus bewusst. Allerdings sei dies nicht das drängendste Problem seiner Partei. Derzeit hat der Ortsverband nur 23 Mitglieder. „Diejenigen, die sich einbringen, sind beruflich oder in ihrem Studium sehr eingebunden“, sagt Ingermann. Im ersten Schritt wolle man in der Partei dafür sorgen, dass man eine „dickere Personalschicht“ bekommt. „Wir sind derzeit mit dem politischen Alltag etwas überfordert“, sagt Ingermann.

Die Linke hat Probleme erkannt

Aktualität scheint auch nicht die Stärke der Stolberg Linken zu sein. Auf deren Website wird gleich auf der Startseite zu einer Kundgebung vor dem Stolberger Rathaus aufgerufen – Termin der Veranstaltung: 26. Juni 2012. Ähnlich wie die FDP haben sie Videos auf ihrer Seite – es sprechen Oscar Lafontaine und der Aachener Abgeordnete Andrej Hunko im Bundestag. Das ist frei von lokalem Bezug. Immerhin findet man die lokalen Ansprechpartner aus Partei und Fraktion und einige Informationen zum politischen Selbstverständnis der Partei. Mathias Prußeit hat durchaus erkannt, dass die Internet-Seite nicht bleiben kann wie sie ist. Doch auch die Linke plagen Personalsorgen. Prußeit, der für die Internetseite zuständig ist, ist auch Fraktionsvorsitzender und Ortsverbands-Sprecher.

All diese Aufgaben zu erledigen ist sicher schwer. Denn das Netz ist für die Linken sehr wichtig: „Ohne vernünftigen Internetauftritt kann man nichts reißen - schon gar nicht als kleine Partei“, sagt Prußeit. Die größere Parteien hätten der Vorteil mit ihren Mitglieder in allen Ortsteilen präsent zu sein. Die Linke hat gut 40 Mitglieder in Stolberg. Wo Prußeit hin will weiß er allerdings schon recht genau: Der Internetauftritt soll lebendig sein, häufig aktualisiert werden, interaktive Elemente sollen eingebunden werden und inhaltlich sollen Stolberg und Bundesthemen aufgegriffen werden.

UWG will das Thema besprechen

Auch der Website der UWG fehlt es an Aktualität. Sie ist sehr einfach und übersichtlich gehalten. Aber mehr aktuelle Informationen täten ihr gut. Immerhin – wie die anderen Parteien – findet man auf der Seite der Unabhängigen Wählen die Akteure aus Fraktion und Partei mit ihren Kontaktdaten.

Derzeit gebe es relativ wenige interessante Themen in Stolberg, die auf der Website verbreitet werden sollten, sagt Hans Jürgen Fink, 1. Vorsitzender der UWG Stolberg. Allerdings wolle man auf der Vorstandssitzung am kommenden Montag intensiv besprechen, wie es in Sachen Internet weitergeht. „Wir möchten demnächst eine Facebook-Seite einrichten, um uns darüber mit den Bürgern zu unterhalten“, sagt Fink. Die Zahl der Aufrufe der Seite liege zwischen unter 50 und über 120 pro Monat. „Die Resonanz ist schon positiv“, sagt Fink.

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