Papierkrieg um einen kleinen Steinbruch

Von: Sarah-Lena Gombert
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Im Steinbruch der Firma Lambert Hoven zwischen Dorff und Krauthausen wird Aachener Blaustein abgebaut. Die Firma lagert dort jedoch auch Bauschutt in Containern, wofür es aber – zumindest bislang – keine Genehmigung gibt. Das soll sich jetzt ändern. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg-Dorff. Seit mehr als 100 Jahren baut das Unternehmen Lambert-Hoven zwischen Dorff und Krauthausen Steine ab. Der Kalkstein, der aus bis zu 97 Prozent Kalziumcarbonat besteht, ist Einheimischen eher als Aachener Blaustein bekannt.

„Verwendet werden unsere Steine vor allem in Gärten“, erklärt Lothar Hoven, Geschäftsführer des Steinbruchs, auf Anfrage unserer Zeitung. Vier bis fünf Mitarbeiter sind hier nach Unternehmensangaben täglich zu Gange. Aber nicht nur mit dem Abbau und dem Brechen von Steinen, sondern auch mit dem Umladen von Bauschutt. Und genau dafür braucht das Unternehmen jetzt eine Genehmigung.

Nach Angaben der Städteregion ist bei einer Betriebsüberwachung im Frühjahr dieses Jahres festgestellt worden, dass für diese „abfallwirtschaftliche Tätigkeit“ keine Erlaubnis vorliegt. „Es handelt sich um einen Betrieb im Außenbereich“, erklärt Thomas Pilgrim vom Umweltamt. In diesen Außenbereichen sind bauliche Tätigkeiten nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Für den Steinbruch trifft das zu, denn: „Ich kann Steine nur abbauen, wo sie vorzufinden sind“, sagt Pilgrim. Einen Container für Bauschutt dagegen kann man auch anderswo aufstellen, beisipelsweise in einem Industriegebiet.

Nebenerwerb ist entstanden

Für Lothar Hoven hat das Aufstellen der Container im Steinbruch ganz praktische Gründe: „Wir holen bei unseren Kunden alten Schutt von ihren Baustellen ab und lagern diesen bei uns, nachdem wir unser Material abgeliefert haben“, erklärt er. Das Altmaterial werde im Bruch weder bearbeitet noch sortiert. Alle paar Wochen komme die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN), um die Container abzuholen. Für die Firma Lambert-Hoven sind die Bauschutt-Container ein wichtiger Nebenerwerb geworden. Darum wolle das Unternehmen in einem Genehmigungsverfahren diesen Unternehmenszweig im bisherigen Umfang zeitlich begrenzt „legalisieren“, wie es die Städteregion erklärt. Begrenzt, weil Hoven den Steinbruch bis 2024 schließen will.

Auch die Stadt Stolberg hat mit dem Verfahren zu tun: Am Mittwoch war der Steinbruch Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt. Grundsätzlich gebe es keine Einwände gegen das Vorgehen des Unternehmens, heißt es in der Vorlage zur Sitzung. Allerdings soll das Lagern von Bauschutt an Bedingungen gebunden sein – die das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits erfüllt: Die Container müssen auf dem Gelände stehen. Der Bauschutt darf wirtschaftlich nicht wichtiger als der Abbau von Kalkstein werden. Eine weitere Voraussetzung ist, dass mit dem Ende des Steinbruchs auch ein Ende der Schuttlagerung einher gehen muss. Auch müssen alle Anlagen nach Ende des Steinabbaus zurückgebaut werden.

Den Stolberger Ausschuss interessieren vor allem die letzten Punkte auf der Liste. „Wie kann sichergestellt werden, dass 2024 auch alles zurückgebaut wird?“, fragte Siegfried Pietz (CDU). Und Rolf Engels (SPD) warf ein: „Gibt es eine finanzielle Sicherheitsrückstellung?“ Den Ausschussmitgliedern ist wichtig, dass Hoven bis zum Ende der Abbrucharbeiten genügend Mittel beiseite legt, um den Rückbau der Anlage finanzieren zu können. „Herrin des Verfahrens ist die Städteregion, wir werden das Thema dort ansprechen“, erklärte der Technische Beigeordnete Tobias Röhm. Klar sei, wenn der Steinbruch spätestens 2024 geschlossen wird, dann müsse auch die Lagerung von Bauschutt beendet werden.

Was mit dem Bruch nach 2024 passieren soll, ist im Landschaftsplan festgesetzt: Das Gelände ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die Firma soll demnach den Abbau so betreiben, dass Steilwände als Habitate für Vögel entstehen, und auch ein Gewässer soll angelegt werden.

Aber bis dahin soll abgebaut werden – und gelagert. Nach Angaben der Städteregion wird sich das Genehmigungsverfahren aber noch hinziehen. „Uns ist daran gelegen, eine Regelung zu finden, mit der alle einverstanden sind“, sagt Thomas Pilgrim. Lothar Hoven betont: „Der Bauschutt ist nicht unsere Haupteinnahmequelle am Steinbruch, aber da geht es schon um unsere Existenz.“

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