Pannenreaktor: Feuerwehr ist auf den Ernstfall vorbereitet

Von: Laura Beemelmanns
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Peter Cosler, derzeit auf die Gefahrenvorbeugung bei der Feuerwache spezialisiert, Michael Konrads, Sprecher der Wehr, und Andreas Dovern, Leiter der Feuerwehr (v.l.) haben alle nötigen Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Tihange – der belgische Pannenreaktor dürfte inzwischen jedem ein Begriff sein. Durch viele Zwischenfälle wie beispielsweise Risse in den Druckbehältern hat das Atomkraftwerk immer wieder negative Schlagzeilen gemacht.

Nicht ohne Grund hat daher nun auch die Städteregion Aachen beim belgischen Staatsrat eine Klage gegen den umstrittenen Pannenmeiler Tihange 2 bei Lüttich eingereicht. Nichtsdestotrotz müssen sich die Städte mit dem Ernstfall beschäftigen.

Im Falle einer Freisetzung von radioaktivem Jod bei einem Störfall wird die Einnahme von Jodtabletten für Menschen unter 45 Jahre empfohlen. Da Stolberg sich in der Außenzone zum Kernkraftwerk Tihange befindet, wären auch Stolbergs Bürger von einer solchen Tabletten-Einnahme betroffen.

Aufbewahrt werden die Tabletten derzeit dezentral bei der Stolberger Feuerwehr. In den Gerätehäusern der einzelnen Ortschaften werden genügend Tabletten für jeden Bürger plus ein Vorrat von nochmals 50 Prozent der Gesamtmenge in verplombten, UV-beständigen Behältern eingelagert. Dort kann sich jeder Bürger unter 45 Jahre kostenfrei seine Dosis Tabletten holen, wenn es zum Störfall kommt. In den Behältern enthalten sind zudem Beipackzettel, die an jeden Haushalt verteilt werden, Listen der Bewohner bis 45 Jahre, Schreibmaterial, Hilfsmittel zur Einrichtung der Ausgabestellen wie beispielsweise Plakate sowie Flyer mit umfangreichen Informationen über Einnahme, Dosierung und Handhabung.

Schnelle Verteilung

Seit Dezember vergangenen Jahres feilt Peter Cosler, derzeit auf die Gefahrenvorbeugung bei der Feuerwehr spezialisiert, an Lösungsvorschlägen für die fachgerechte und schnelle Verteilung der Tabletten.

Nun sind alle Vorbereitungen getroffen, ein Alarmordner mit allen wichtigen Informationen angelegt, und Führungsmitglieder der einzelnen Löschgruppen informiert und geschult. Die Schulung weiterer Mitarbeiter folgt unmittelbar. „Wir können jetzt sofort reagieren, wenn es nötig ist“, sagt der Leiter der Feuerwehr Stolberg, Andreas Dovern.

Reagieren müsste die Feuerwehr jedoch nur, wenn es tatsächlich zu einem atomaren Störfall käme. Die hoch dosierten Jodtabletten sollten jedoch erst dann eingenommen werden, wenn die Behörden über Rundfunk und Fernsehen dazu aufrufen, sagt Dr. Jürgen Witte, Oberarzt der Klinik für Chirurgie im Bethlehem Gesundheitszentrum. Er ist Spezialist für die Schilddrüse und weiß ganz genau, worauf es ankommt. „Dies hängt mit der Ausbreitungsrichtung und -geschwindigkeit der radioaktiven Strahlung zusammen, die nur ein Krisenstab beurteilen kann. Wird die Jodtablette zu früh eingenommen, ist eventuell ihre schützende Wirkung bezüglich der Aufsättigung – also der so hohen Dosierung, dass das radioaktive Jod 131 nicht mehr von der Schilddrüse aufgenommen werden kann – der Schilddrüse mit Jod schon wieder abgeklungen und ihr Schutz vor der Aufnahme von Jod 131 ist schon wieder unvollständig oder überhaupt nicht mehr gegeben. Wird die Jodtablette zu spät eingenommen besteht für die Person überhaupt kein Schutz“, sagt Dr. Witte. Wird die Tablette nicht genommen, könnte das im schlimmsten Fall zu Schilddrüsenkrebs führen.

Ausgabe über Apotheke?

Um Fragen der Bürger zu Risiken, Nebenwirkungen und der Einnahme der Tabletten fachgerecht zu beantworten, laufen aktuell Planungen über eine ebenfalls kostenfreie Vorab-Ausgabe über die 15 Apotheken im Stadtgebiet. Das Ministerium für Inneres und Kommunales NRW prüft nun, ob die Tabletten, die Bundeseigentum sind, Dritten, also den Apothekern, überlassen werden können.

So oder so wird eine Vorab-Ausgabe der Jodtabletten möglich sein – ob nun über die Apotheken oder die Feuerwehr wird noch entschieden.

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