Pannen: Reisende hängen bei Hitze zwei Stunden in Regionalexpress fest

Von: Jürgen Lange
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Die Stolberger Feuerwehr versorgt im Hauptbahnhof die Reisenden aus dem Pannenzug mit Getränken. Auf wirkliche Patienten treffen die Helfer aber nicht. Foto: Roeger
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Die Stolberger Feuerwehr versorgt im Hauptbahnhof die Reisenden aus dem Pannenzug mit Getränken. Auf wirkliche Patienten treffen die Helfer aber nicht. Foto: Roeger

Stolberg/Eschweiler. Letztlich nimmt es Luzia Claßen mit Humor: „Ich habe mich zwei Stunden in Ruhe mit meinem Nachbarn unterhalten können.“ Der sitzt gemeinsam mit der Merksteinerin in der Regionalbahn fest, die am Ende ihrer Odyssee einer ganzen Serie von Pannen in Stolberg strandet.

Es ist der Regionalexpress 1, der von Hamm aus eigentlich Aachen erreichen soll. Die planmäßige Ankunft in Stolberg wäre um 14.56 Uhr gewesen. Aber diese Verbindung ist an diesem Dienstag ohnehin schon mit 15 Minuten Verspätung unterwegs. Die Weiterfahrt in Köln verzögert sich nach Angaben eines Bahnsprechers, weil zwischen Düren und Langerwehe ein Baum auf den Gleisen liegt. „Als ich eingestiegen bin, stand im Internet, dass die Verbindung wieder funktioniert“, ärgert sich Luzia Claßen. Sie kommt erst einmal nur bis Düren. Dann steht der Regionalexpress „eine unbestimmte Zeit“, wie Classen sagt.

Auch in Langerwehe dauert der Halt länger als gewohnt, berichtet Classen. Als es endlich weitergeht, endet die Reise im „Niemandsland“ der Natur zwischen Eschweiler und Stolberg. „Eine defekte Bremsanlage“, nennt der Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung als Ursache. Zunächst versucht der Zugführer die Lok wieder flott zu bekommen. Aber das misslingt.

Lok von Zug gekoppelt

Die Deutsche Bahn prüft eine Evakuierung der Waggons, in denen rund 100 Reisende festsitzen. Aber das erscheint auf der viel befahrenen Strecke zwischen den Nordseehäfen und der Rheinschiene erst einmal zu gefährlich und umständlich. Dann hätte ein zusätzlicher Zug neben dem ausgefallenen Express halten und die Fahrgäste über das Gleisbett von Waggon zu Waggon klettern müssen. Plan B muss her. In Stolberg hält zur Pannenzeit der planmäßige Regionalexpress in Richtung Siegen. Die Lok wird abgekuppelt und zum liegengebliebenen RE 1 beordert, um diesen dann in den Stolberger Hauptbahnhof zu schleppen.

Doch kaum war die Lokomotive am Einsatzort angekoppelt, fiel auch sie mitten auf der Strecke mit einem Schaden aus. Während die Notfallmanager der Bahn wieder den Plan der Evakuierung aufgreifen wollen, bekommt das Begleitpersonal die Lok doch wieder flott, berichtet das Unternehmen. Die Fahrt zur Evakuierung nach Stolberg kann angetreten werden.

Mittlerweile sind knapp zwei Stunden vergangen. „Mit Ausnahme eines Waggons hat die Klimaanlage weiter funktioniert“, sagt der Unternehmenssprecher. Aber die Bahn geht auf Nummer sicher und alarmiert die Stolberger Feuerwehr.

„Gegen 17.22 Uhr erreicht unsere Einsatzzentrale der Notruf der Deutschen Bahn“, berichtet Feuerwehrsprecher Michael Konrads über den Ablauf. „Innerhalb weniger Minuten sollte ein Zug mit rund 300 Fahrgästen den Stolberger Hauptbahnhof erreichen. Dieser Zug habe vorher rund zwei Stunden wegen Problemen an der Bremsanlage zwischen Stolberg und Eschweiler auf freier Strecke in der Sonne gestanden“, so Konrads zur Mitteilung der DB weiter: „Trotz Klimaanlage hätten mehrere Personen gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel Flüssigkeitsmangel, erlitten“.

Informationslage

Angesichts dieser Informationslage macht die Stolberger Feuerwehr mobil: Unter Leitung von Amtsleiter Andreas Dovern werden die Einsatzkräfte der Hauptwache sowie der Löschgruppen Atsch, Donnerberg und Mitte, zwei Rettungswagen sowie der Leitende Notarzt samt dem Organisatorischen Rettungsdienst-Leiter alarmiert. Gleichzeitig wurden große Mengen Getränke von der Feuerwache zur Einsatzstelle befördert, die zudem sicherheitshalber großräumig abgesperrt wird.

Vor Ort verteilen die Feuerwehrleute zwar die Getränke an die Fahrgäste, aber „eine rettungsdienstliche Sichtung der Patienten ergab keine gesundheitlichen Probleme“, berichtet Konrads. Keiner der Bahnreisenden habe über Probleme geklagt oder sich in eine Behandlung begeben wollen. Während für die Feuerwehr der Einsatz innerhalb einer Stunde erledigt war, konnten die Bahnkunden ihre Reise individuell fortsetzen.

Während der gestrandete Regionalexpress bis zu seinem Abtransport nach Aachen am Bahnsteig 1 parkte, wurde in Stolberg der weitere Zugverkehr von und nach Köln über Gleis 2 geführt. „Die Auswirkungen auf den weiteren Bahnverkehr waren dann nicht mehr so groß“, sagt der Unternehmenssprecher. Hilfreich für viele Pendler erweist sich dabei auch das Netz der Euregiobahn auf den eigenen Nebenstrecken. Von diesem Angebot macht auch Luzia Claßen Gebrauch: „Ich bin dann von Stolberg aus über St. Jöris in Richtung Heimat gefahren“, sagt sie.

Nichts mitbekommen hat die Pendlerin allerdings von einem anderen Angebot, das die Deutsche Bahn den Passagieren des Zuges unterbreitet habe. „Zusätzlich zu der den Betroffenen ohnehin zustehenden Entschädigung wurden in dem Zug Entschuldigungsschreiben mit Gutscheinen verteilt“, so der DB-Sprecher.

Während dieser Einsatz aus Sicht der Stolberger Feuerwehr glimpflich verlief, wurde nach Angaben der Bundespolizei ein 42 Jahre alter Feuerwehrmann bei dem Einsatz leicht durch eine Kollision mit einem Taxi verletzt.

Brennende Tuja und Essen

Derweil wurden die Löschgruppen Büsbach, Donnerberg und Münsterbusch gegen 17.55 Uhr zu einem Brand einer Tuja-Hecke am Diestelweg auf dem Donnerberg gerufen. Noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte hatten Anwohner die Flammen bereits gelöscht, so dass nur noch Nachlöscharbeiten erforderlich waren.

Wenige Stunden später verlief ein Einsatz in Münsterbusch glimpflich. Gegen 20.17 Uhr wurde die Feuerwehr über eine Rauchentwicklung in einer Wohnung eines Mehrfamilienkomplexes an der Prämienstraße informiert. Angesichts der Gefahrenlage wurde neben der Hauptwache der zweite Löschzug alarmiert, konnte aber frühzeitig das Anrücken wieder abbrechen. Als Ursache stellte sich angebranntes Essen in der Wohnung einer älteren Dame heraus. Sie wurde ins Freie gebracht und die Wohnung ausgiebig gelüftet.

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