Pacht, Rauchen, Geldmangel: Kneipen sterben

Von: Dirk Müller
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Kneipe dicht: Sascha Nerlich schloss nach 40-jährigem Bestehen das „Klimbim“ und sucht eine neue Herausforderung in der Gastronomie. Foto: D. Müller
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Einst Brauerei, dann Kneipe, nun dicht: Auch das schmucke „Blue Note“ am Willy-Brandt-Platz hat seine Pforten geschlossen. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Leerstand greift in der Kupferstadt um sich, und das betrifft nicht nur zahlreiche verwaiste Ladenlokale, die eigentlich Einzelhändler beherbergen sollten. Auch die Gastronomie verabschiedet sich scheinbar sukzessive aus der Stolberger Innenstadt.

Zum Beispiel im Bereich Mühle, wo eine Kupferstädter Traditionsgaststätte in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen hätte feiern können. Doch statt der Feier erfolgte für das „Klimbim“ die Schließung. „Der Pachtvertrag ist nicht verlängert worden“, nennt Betreiber Sascha Nerlich als Ursache.

Die Alternative wäre gewesen, das Haus zu kaufen. „Aber das kam für mich zu den gegebenen Bedingungen nicht infrage.“ Was er schade fände, seien weniger die Gerüchte, die sich um die Schließung des „Klimbims“ ranken, sondern viel mehr, dass er eine Gaststätte habe aufgeben müssen, die „richtig gut gelaufen“ ist.

„Mit wechselnden Veranstaltungen haben wir verschiedene Altersgruppen angesprochen. Der Zuspruch der Gäste hat gezeigt, dass das Konzept des Klimbims gepasst hat“, beschreibt Nerlich. Er wolle der Stolberger Gastronomie treu bleiben und suche dazu einen neuen Standort.

Erste Gespräche habe er bereits geführt, aber da noch nichts spruchreif sei, könne er mehr noch nicht sagen. „Auch um die ohnehin schon brodelnde Gerüchteküche nicht weiter anzuheizen.“ Sicher sei, dass er weiterhin eine Gaststätte betreiben und sein künftiges Angebot um Speisen erweitern möchte.

„Mir macht die Arbeit in der Gastronomie nach wie vor Spaß. Außerdem ist es wichtig für die Stadt und die Lebensqualität der Menschen, dass ansprechende gastronomische Angebote vorhanden sind.“ Allerdings sei es aus Sicht der Gastronomen heute schwierig, einen Betrieb erfolgreich zu etablieren.

„Das liegt an mehreren Gründen. Viele Menschen können oder wollen nicht mehr so viel Geld ausgeben; in den Kneipen bleiben seit dem neuen Gesetz die Raucher fern oder verzehren weniger“, führt Nerlich an. Auch einen passenden Standort zu finden, sei nicht leicht, da Auflagen strikt erfüllt werden müssen, um die Konzession zu erhalten.

„Viele ältere Lokale werden heutigen Standards nicht gerecht, so dass man schon sehr viel in die Gaststätten investieren müsste, bevor man das erste Getränk verkauft hat.“ Trotzdem wolle er weitermachen und sich gegen den Trend stellen, dass es mit Stolberg, wie er meint, gastronomisch bergab gehe.

Der Blick zum anderen Ende der Innenstadt gibt seiner Einschätzung recht: Dort bleibt seit kurzem ein Bistro geschlossen, das besonders für die Freunde von Jazzmusik sieben Jahre lang eine feste Anlaufstation war. Auch das „Blue Note“ auf dem Willy-Brandt-Platz öffnet seine Türen nicht mehr, ebenso wie das in dem Bistro integrierte Restaurant „Fritt und Frittchen“. Zu den Gründen der Schließung möchte das Betreiber-Paar sich aber nicht äußern.

Im direkten Umfeld finden sich gleich mehrere Anzeichen für den gastronomischen Niedergang in der Innenstadt: „Thassos“, „Due Ponti“, das asiatische Restaurant auf dem Parkdeck des Burg-Centers, das „Schwarze Schaf“, „Café Orange“ und nicht zu vergessen das einst renommierte Hotelrestaurant „Burgkeller“ – allesamt seit längerer Zeit geschlossen. Und die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.

Der Blick nach vorne ist in den seit dem 1. Mai 2013 durch gesetzliche Regelung rauchfreien Kneipen und Restaurants zwar klar, verheißt aber nichts Gutes für die gastronomische Landschaft Stolbergs, denn viele Wirte klagen seitdem über starke Umsatzeinbußen, die auf Dauer ihre Existenz bedrohen.

Zumindest in den Gaststätten, in denen das Rauchverbot auch tatsächlich eingehalten wird. Dies scheine bei der überwiegenden Zahl der gastronomischen Betriebe in der Kupferstadt der Fall zu sein, meint Hans Maassen vom Stolberger Ordnungsamt: „Bisher sind seit dem in-Kraft-Treten des Gesetzes bei uns rund zehn Beschwerden wegen Nichteinhaltung eingegangen. Wenn man die Anzahl der Beschwerden in Relation zu dem Zeitraum von fast elf Monaten und der Zahl der Gaststätten im Stolberger Stadtgebiet betrachtet, sind es also nur wenige Fälle.“

Weder Wirte noch (verbotener Weise) qualmende Gäste seien bislang mit Ordnungsgeldern belegt worden, lediglich in einem Fall habe das Amt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten müssen, berichtet Maassen.

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