Orkan „Xynthia” schneidet „Bend” von der Außenwelt ab

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Zu gefährlich zum Räumen: Auf der Straße zwischen Vicht und Schevenhütte geht nichts mehr. Die Ortslage „Bend” ist abgeschnitten. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Ortslage Bend bei Schevenhütte bleibt von der Außenwelt abgesperrt. Die Waldstraße von Vicht in Richtung Schevenhütte oder den Lamersiefen in Richtung Vicht von umstürzenden Bäumen frei zu schneiden, das ist bei Sturmböen um 130 km/h auch der Feuerwehr viel zu gefährlich.

Wie mit Stecknadeln spielt der Orkan Xynthia mit den einzelnen hohen Tannenbäumen, die immer wieder entwurzelt auf die Fahrbahn stürzen. Hier drohen die Retter selbst zu Opfern zu werden. Der Krisenstab in der Rettungs- und Feuerwache beschließt kurzerhand die Straße durch den Forst für den Verkehr zu sperren.

Sperrungen bis in den Morgen

Diese Waldstrecke soll am Sonntag nicht die einzige Straße sein, die von Polizei und Feuerwehr entweder zeitweise oder komplett für den Verkehr gesperrt wird. Dies gilt für eine Reihe von Verbindungen auch noch bis in den Morgen hinein. Beispielsweise für die Eschweilerstraße, wo der Orkan die Baustellenabsperrung immer wieder durch die Gegend wirbelt, als wäre es Playmobil-Spielzeug. Oder auch die Route durch die Buschmühle nach Eilendorf. Wo noch in der Nacht ein alter Baum auf die Fahrbahn zu stürzen drohte. Und für die Strecke über den Duffenter nach Eschweiler; auch hier stürzen zahlreiche Fichten auf die Fahrbahn.

Die Aachener Straße zählt zu den wichtigen Verbindungen, die am Sonntag gleich an mehreren Stellen zeitweise gesperrt werden müssen. Am Bahnübergang ebenso wie an der Karlshöhe oder in Richtung Gedautal. Besonders schlimm erwischt Xynthia das Werk von Saint Gobain. Das Dach über einer Produktionsanlage wird so schwer beschädigt, dass die Fertigung bedroht ist. Helfer der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks sind stundenlang bemüht, die Konstruktion abzusichern. Mit Spannbändern und Lkw-Planen einer Mausbacher Spedition, die eiligst in das Werk an der Nikolausstraße transportiert ist, wird bis in die Nacht hinein ein notdürftiger Schutz aufgespannt.

Ebenso schwer erwischt hat der Orkan die Bushalle der Firma Haas im Mausbacher Oberfeld. Und in Höhe der Einmündung der Rott- in die Schevenhütter Straße drückt der Orkan einen Kamin in den Fachstuhl. Steine prasseln auf den Bürgersteig. Verletzt wird aber nach den Erkenntnissen der Feuerwehr niemand.

Über 140 Helfer im Einsatz

Ebenso nicht von den Dachziegeln, die an einzelnen Häusern überall im Stadtgebiet in die Tiefe stürzen. So schwer der Orkan auch die Kupferstadt trifft, letztlich kommt sie bis in den Abend mit einem blauen Auge davon. Sicherheitshalber stellt die Bahn ihren Betrieb ein.

Der erste Einsatz ruft die Feuerwehr gegen 12.30 Uhr zum Samaritanerheim in der Innenstadt. Ein großer Ast einer Lärche ist auf das Dach eines unbewohnten Anbaus gestürzt. Die Feuerwehr sperrt die Stelle ab. Dann geht es Schlag auf Schlag. Kurt- Schumacher-, Prämien-, Würselener Straße... bis 18 Uhr registriert die Leitstelle an der Kesselschmiede 74 Einsätze. Mittlerweile sind fast alle Löschgruppen im Einsatz: Nur die Blauröcke aus Breinig, Werth. Venwegen und Vicht stehen in Reserve - für den Fall, dass es auch noch brennen sollte. 100 Helfer der Wehr, 30 des THW und 15 des DRK für die Versorgung der Kräfte sind im Einsatz.

Der beginnt für den Krisenstab kurz nach Mittag. Das Team der Verwaltung unter Fachbereichsleiter Josef Braun bezieht Platz im Einsatzstab in der Feuerwache. Gut und gerne 15 Experten koordinieren die Einsätze, stimmen Straßensperrungen ab mit Polizei, Aseag und den Mitarbeitern des Bauhofes, die allenthalben unterwegs sind, um Absperrungen aufzubauen oder wieder aufzurichten. Ebenso wie die Feuerwehrleute von Einsatzort zu Einsatzort eilen - so schnell es unter diesen Umständen halt geht.

Starkregen droht nun

Die Helfer sind bemüht, zumindest die Straßen frei zu halten. Selbst das geht nicht allerorten, und auf Privatgrundstücken, wo keine weitere Gefahr droht schon mal gar nicht. Das gilt auch für den Fußweg von der Büsbacher Bischofstraße zum Höhenkreuzweg. Eine Pappel ist dort in sich zusammengebrochen. „Ich habe mich von dem Krach richtig erschrocken”, erzählt eine Anliegerin. Sie bleibt, wie die meisten Stolberger lieber im sicheren Warmen. Doch es werden auch Hausbesitzer gesichtet, die sich trotz des Sturms auf ihr Dachwagen, um die weggerissenen Pfannen zu sichern, damit nicht noch weitere Ziegel ein Opfer des Orkans Xynthia werden. Der lässt mit hereinbrechender Dunkelheit nach. Das Ausmaß der Schäden wird wohl erst am Montag mit der Dämmerung sichtbar werden.

Derweil plagen Josef Braun neue Sorgen: Der Wetterdienst kündigt Starkregen für die Nacht an: 30 Liter pro Quadratmeter - und die Dreilägerbachtalsperre hat bereits ihre Zuflüsse gesperrt und leitet die Fluten über den Hasselbach in die Vicht...
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