Orgel erhält eine neue „Lunge“

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Christoph Morschhäuser und Sebastian Schmidke bauen die neue Balganlage ein – nach vier Wochen Arbeit in der Hellenthaler Orgelwerkstatt.

Stolberg-Breinig. Die historische Korfmacherorgel in der Pfarrkirche St. Barbara gehört zu den wertvollsten historischen Orgeln der Städteregion. Die vom Linnicher Orgelbauer Wilhelm Korfmacher 1858 gebaute Orgel wurde mehrfach im jeweiligen Stil der Zeit umgebaut – dabei auch „elektrifiziert“.

Aus heutiger Sicht waren dies aber keine Verbesserungen, sondern schmerzhafte Eingriffe in den Klang und den historischen Zustand. Deshalb wurde die Orgel 1976 mit großem Aufwand in den historischen Zustand zurückversetzt, so dass sie jetzt wieder rein mechanisch, ohne jede „moderne Spielhilfe“ arbeitet und so klingt, wie sie ursprünglich von Korfmacher konzipiert war.

Holzwurmschäden

Vor sechs Jahren wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Weimbs aus Hellenthal erneut komplett generalüberholt, wobei auch Holzwurmschäden am wertvollen Gehäuse und an einigen Pfeifen bekämpft werden mussten. Dabei wurde auch festgestellt, dass der Blasebalg der Orgel, der die Pfeifen mit der benötigten Luft versorgt, noch komplett von 1858 stammt.

Allerdings war das ursprünglich verwendete Leder nach 150 Jahren sehr brüchig geworden, und auch an den damals üblichen Papierdichtungen nagte der Zahn der Zeit. So hörte man, wenn die Orgel spielte, deutlich die Luft aus den entstandenen Rissen und Ritzen zischen. Noch war die Orgel zwar spielbereit, es war aber eine Frage der Zeit, wann die Löcher so groß werden würden, dass man sie nicht mehr fachgerecht stopfen konnte.

Ganz nah am Original

Eine Reparatur des Blasebalgs war, wie auch entsprechende Orgelexperten des Bistums Aachen bestätigten, nicht möglich. Vielmehr sollte der Lederbalg komplett neu gefertigt werden und defekte Holzteile zwar ersetzt, dabei aber so wiederhergestellt werden, dass es dem historischen Original möglichst genau entspricht.

Die Kosten für diese Maßnahme wurden mit 30.000 Euro veranschlagt, da die Arbeiten sehr aufwendig wären und in mühevoller Handarbeit vom Orgelbauer gefertigt werden müssten. Die Summe war jedoch nicht vorhanden.

Zuschüsse

Der Förderverein St. Barbara begann, für diese Maßnahme zu sparen – unter anderem mit Hilfe der Pfarrfesterlöse. Die Kulturstiftung der Sparkasse Aachen förderte das Projekt mit 3000 Euro, der Landschaftsverband Rheinland gewährte aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung den Betrag von 14.000 Euro, so dass dem Orgelbauer in diesem Jahr der entsprechende Auftrag erteilt werden konnte. Nach der Erstkommunion in Breinig wurde die historische Orgel im wahrsten Sinne des Wortes stillgelegt.

Die komplette Balganlage – mit Luft gefüllt etwa zwei mal zwei mal zwei Meter groß – musste in die kleinsten Einzelteile zerlegt werden. Die größte Arbeit bestand dann darin, einen neuen Lederbalg zu nähen. Dafür wurde französisches Ziegenleder verwendet, das weich genug für die Verarbeitung ist und gleichzeitig der Beanspruchung für viele Jahre standhält. Wie bereits zu Korfmachers Zeiten wurden die Dichtungen mit Papier hergestellt.

Nach vier Wochen Arbeit in der Hellenthaler Orgelwerkstatt bauten jetzt Orgelbauer Christoph Morschhäuser und Sebastian Schmidke drei Tage lang die neue Balganlage ein. Als die letzten Orgelpfeifen wieder an ihrem Platz waren, durfte Kirchenmusiker Franz Körfer wieder an „seine“ Orgel. Die Orgelbauer ließen es sich dabei nicht nehmen, in die Rolle des „Kalkanten“ zu schlüpfen – so nennt man denjenigen, der den typischen Tretbalg betätigt. Der vor 150 Jahren eingebaute „Schöpfer“, ein großer Fußhebel, der den Blasebalg mit Luft füllt, funktioniert jetzt – wie es sich für eine historische Orgel gehört – wieder einwandfrei. Damit ist die Breiniger Orgel jetzt auch ganz ohne Strom komplett und ohne jede Einschränkung spielbar.

Messdiener am Blasebalg

Vor 150 Jahren waren es wohl Messdiener, die – statt am Altar zu dienen – den Blasebalg der Orgel treten durften. In Breinig war dafür nur ein Bälgetreter vorgesehen, der allerdings, wenn der Organist alle Register zog, schon durchaus sportlich sein musste. Außerdem musste der Kalkant darauf achten, immer einen regelmäßigen Druck zu erzeugen, was bei wechselndem Spiel mit wenigen beziehungsweise vielen Registern gar nicht so einfach war. Im normalen Betrieb wird es dann doch eher ein elektrisches Gebläse sein, das den neuen Blasebalg mit Luft füllt. Allerdings plant Organist Franz Körfer schon ein Konzert, bei dem zumindest teilweise die alte Kunst des Bälgetretens zum Einsatz kommt.

Auf die nächsten 150 Jahre

Kirchenmusiker Franz Körfer zeigte sich beim ersten „Testspiel“ vom Ergebnis restlos überzeugt. „Man hört natürlich im Klang keinen Unterschied. Aber es ist wichtig, dass wir diesen wertvollen Oldtimer in einem guten Zustand erhalten.“ Pfarrer Lühring dankt den Orgelbauern und allen Sponsoren und Spendern: „Hoffen wir, dass der neue Blasebalg auch wieder 150 Jahre hält. Dann können sich unsere Nach-Nach-Nachfolger dann wieder um einen neuen Blasebalg kümmern.“

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