Ordnungsamt geht mit Freundlichkeit gegen Vorurteile vor

Von: Sonja Essers
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Ein Rundgang durch das Viertel Mühle. Dort werden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei den sogenannten Sonderdiensten oft von der Polizei begleitet. Foto: Sonja Essers
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Mehr als nur Knöllchen verteilen: Thomas Weiß vom Ordnungsamt der Stadt ist auch ein Ansprechpartner für die Stolberger.
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Erdal Celik (links) und David Theissen sind seit eineinhalb Jahren beim Ordnungsamt beschäftigt und übernehmen dort Sonderdienste.

Stolberg. Auf den Straßen der Stadt kennen sich Thomas Weiß, David Theissen und Erdal Celik bestens aus. Schließlich sind sie dort Tag für Tag unterwegs und wissen ganz genau, in welchen Außenbezirken die meisten Ordnungswidrigkeiten begangen werden und in welcher Spielhalle in der Innenstadt die Automaten nicht dem vorgeschriebenen Standard entsprechen.

Thomas Weiß, David Theissen und Erdal Celik arbeiten beim Ordnungsamt der Stadt. Ein Job, der enorm wichtig ist, aber oft verkannt wird. Denn: Einzig mit Knöllchen schreiben und Ausweiskontrollen ist die Arbeit noch lange nicht getan. Doch längst nicht jeder Bürger hat dafür Verständnis.

Es ist kurz vor elf Uhr am Morgen als Erdal Celik und sein Kollege David Theissen sich auf den Weg in das Viertel Mühle machen. Begleitet werden die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes an diesem Vormittag von zwei Kollegen der Polizei. Was auf ihrem Programm steht? Spielhallen und Supermärkte müssen kontrolliert werden.

Die Männer überprüfen unter anderem, ob Jugend- und Nichtraucherschutz eingehalten werden und ob die Automaten gültige TÜV-Siegel besitzen. Außerdem kontrollieren sie in den Supermärkten die Pfandsiegel auf den Getränkedosen. Sind diese nicht vorhanden, stammen die Dosen nicht aus der Bundesrepublik und dürfen nicht verkauft werden. Nur ein Problem von vielen.

Seit eineinhalb Jahren arbeiten David Theissen und Erdal Celik mittlerweile beim Ordnungsamt. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sich vor allem im Bereich Mühle in der Vergangenheit einiges geändert hat – zum Positiven. Wilder Müll und chaotisches Parken lassen nach.

„Hier ist es schon viel besser geworden. Weil wir als Ordnungsamt auch oft unterwegs sind. Es ist wichtig, dass die Bürger merken, dass wir da sind. Präsenz zeigen ist das A und O“, sagt David Theissen und steuert eine Spielhalle an. „Guten Morgen, wir sind vom Ordnungsamt der Stadt Stolberg und schauen uns mal um“, sagt sein Kollege Erdal Celik.

Vorstellen müssten sich die beiden eigentlich nicht mehr. Schließlich kennt man sie in der Stadt mittlerweile. Da ist es auch kein Wunder, dass bei dem Kontrollbesuch niemand zusammenzuckt. „Ja klar, machen Sie mal“, sagt die Dame hinter dem Tresen und widmet sich wieder ihrer Arbeit. Nur ein Gast fragt, ob er seinen Ausweis hervorkramen soll. „Das ist nicht nötig“, sagt David Theissen.

Schnell haben er und Erdal Celik alles Nötige gecheckt und verlassen die Spielhalle wieder. „Wir sind ja nicht auf der Jagd, aber es ist wichtig, dass sich jeder an die Regeln hält“, sagt Theissen. Doch nicht jeder hat dafür auch Verständnis. „Es gibt viele Menschen, die immer respektloser werden“, sagt Theissen.

Hemmschwelle sinkt

Ortswechsel. In Büsbach zieht Thomas Weiß am Nachmittag seine Runde. Präsenz zeigen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes natürlich auch in den Stolberger Außenbezirken. Das komme in den meisten Fällen gut an. „Es gibt natürlich auch immer wieder Bürger, die sich darüber aufregen, weil sie meinen, dass man zu oft da wäre“, sagt Weiß. Und nicht nur das.

Immer wieder erlebt Weiß, wie aufgebracht Bürger sind – vor allem dann, wenn sie ein Knöllchen bekommen. Auch Weiß hat die Erfahrung gemacht: „Die Hemmschwelle sinkt immer mehr. Viele ärgern sich über sich selbst, machen dann aber mich für ihren Fehler verantwortlich.“ Da kommt es hin und wieder auch vor, dass die vermeintlichen Opfer sich nicht zurückhalten können und ihr Umgangston rau wird. Was Weiß in solchen Situation tut? Vor allem die Ruhe bewahren.

„Man braucht in solchen Situationen Fingerspitzengefühl. Wir sind nicht die Polizei und tragen keine Waffen bei uns. Unsere Aufgabe ist es, deeskalierend zu wirken“, sagt Weiß. Natürlich lasse er sich noch lange nicht alles gefallen. Geht ein Bürger zu weit und beschimpft ihn, wird Anzeige erstattet. „Unsere Amtsleitung und der Bürgermeister stehen hinter uns und stärken uns in dem, was wir tun. Das ist viel wert“, sagt Weiß.

Zurück zu Erdal Celik und David Theissen. Auch in den anderen Spielhallen, die an diesem Vormittag im Bereich Mühle kontrolliert werden, ist alles in Ordnung. Das ist allerdings nicht immer so. Erst vor kurzem wurde bei einer vermeintlich harmlosen Ausweiskontrolle ein mit Haftbefehl gesuchter Stolberger festgenommen.

„Daran sieht man, dass die ständige Präsenz auch Erfolg hat“, sagt Erdal Celik und spielt damit auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Polizei an. Und was ist, wenn die Kollegen mal nicht dabei sind? Dafür besuchen Celik und Theissen Sicherheitskurse. Körperlich verteidigen mussten sie sich bisher allerdings noch nicht.

Vielseitig und interessant

So weit ist es auch bei Thomas Weiß noch nicht gekommen. Auch wenn sein Beruf nicht immer nur gute Seiten hat, übt er ihn gerne aus. „Unser Job ist sehr vielseitig und interessant. Schließlich weiß man nie, was einen in zehn Minuten erwartet“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sind nicht nur ein Überwachungsamt für den ruhenden Verkehr. Die Bürger können uns jederzeit ansprechen. Wir sind für die Menschen da.“

Fast drei Jahre ist Weiß mittlerweile beim Ordnungsamt angestellt und kümmert sich vor allem um den sogenannten ruhenden Verkehr. Das heißt: Stellt jemand sein Fahrzeug im Halteverbot ab oder besitzt kein (gültiges) Parkticket wird Weiß tätig.

In den meisten Fällen hätte ein Knöllchen allerdings verhindert werden können. Denn: In Stolberg gibt es die so genannte Brötchentaste. „Das bedeutet, dass man am Parkautomat einfach auf den grünen Knopf drückt und dann zwischen 15 und 20 Minuten kostenlos parken kann. In dieser Zeit kann man einen kleinen Einkauf erledigen oder Geld wechseln“, sagt Thomas Weiß.

Er ist überzeugt, dass das Ordnungsamt gebraucht wird. „Wenn wir nicht wären, könnte man nirgendwo mehr parken, weil viele Menschen einfach keine Rücksicht nehmen“, sagt er. Warum er sich so sicher sein kann? Ein Blick auf einen Wagen ohne gültigen Parkausweis gibt im recht...

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