Online-Shopping: Plattform im Netz für Stolberg soll kommen

Von: Annika Kasties
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Neue Konzepte gegen Leerstand: Mit einer gemeinsamen Online-Präsenz für den örtlichen Einzelhandel wollen der Verein für Stadtmarketing Stolberg und die Stadtverwaltung den Standort Stolberg stärken. Foto: A. Kasties, Stock/Imagebroker
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Frank Gilles vom Wirtschaftsförderungsamt sowie Barbara Kohler und Barbara Breuer (von links) von der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg sehen den Einzelhandel auf dem richtigen Weg.

Stolberg. Der Einzelhandel hat schon bessere Zeiten gesehen. Ein Blick in den Stolberger Steinweg ist Beweis genug. Leere Ladenlokale sind hier in guter Gesellschaft. Die Gründe für den Leerstand in der Stolberger Alt- und Neustadt sind vielfältig. Doch ein Konkurrent schwebt deutlich über den Köpfen der Einzelhändler: Das Internet.

Ein paar Klicks und schon kommt die Ware bis zur Haustür. Einfacher lässt sich der Einkauf nicht bewerkstelligen, sind sich immer mehr Verbraucher sicher. Doch was bedeutet das für Stolberg? Wie kann der Einzelhandel in der Kupferstadt gestärkt, wie der Standort attraktiver werden?

Lokaler Versandhandel

Einen möglichen Ansatz liefern die Piraten. „Stomazon“ lautet der vorläufige Arbeitstitel einer Internet-Plattform, die Maximilian Möhring für die Kupferstadt umsetzen möchte. „Das Online-Phänomen ist nichts, was wir abstellen können. Deshalb sollte man es nicht verteufeln, sondern überlegen, wie man es sich für den Einzelhandel in Stolberg zunutze machen kann.“ Flucht nach vorne lautet die Devise. Das Konzept gegen den Leerstand: Ein Versandhandel für den örtlichen Einzelhandel. Eine Internetseite soll es dem Stolberger ermöglichen, das Angebot aller vertretenen lokalen Händler online einzusehen und die Ware direkt zu bestellen. Über einen Fahrservice könne diese dann mitunter noch am selben Tag geliefert werden. Das schaffe nicht einmal der Internet-Konkurrent Amazon, betont Möhring.

In Wuppertal wird dieses Konzept bereits umgesetzt. In Stolberg bleiben die Einzelhändler jedoch skeptisch. Heiner Flink von Sport Flink sehe zwar jeden Vorschlag, der die Stärkung des Stolberger Geschäftslebens bezwecke, grundsätzlich als positives Zeichen. Doch ob der Einstieg in den Internethandel für Stolberg die Lösung sei? Das müsse zunächst kontrovers diskutiert werden. Denn: „Im Online-Handel ist der Preis das Hauptargument.“ Und bei dem könne der Einzelhandel nicht mithalten. Die Fixkosten seien einfach zu hoch. Seiner Meinung nach solle sich der Einzelhandel auf seine Stärken fokussieren, nämlich die qualifizierte Beratung für den Endverbraucher.

Auch Andreas Kohler, Inhaber von Modehaus Kohler, glaubt nicht, dass eine Verlagerung des Einzelhandels ins World Wide Web den schwachen Wettbewerb in Stolberg ankurbeln wird. „Das klingt nach einer tollen Idee, doch ich sehe ein großes Problem in der Umsetzung. Schließlich muss man die Plattform wirtschaftlich betreiben können.“ Stattdessen setzt er seine Hoffnung in den Ausbau von modernem, hochwertigem Wohnraum in der Kupferstadt. Von diesem profitiere letztlich auch der Einzelhandel und die Gastronomie. Seine Frau Barbara Kohler, die im Vorstand der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS) sitzt, fügt hinzu: „Die Schwierigkeit ist, dass bei den großen Internetseiten wahnsinnig viel Logistik hinter steckt. Das im Einzelhandel umzusetzen, ist schwierig.“

Online-Präsenz des Einzelhandels

Einige Kommunen der Region sind in puncto Online-Präsenz des lokalen Einzelhandels schon einen Schritt weiter. In Jülich ging Anfang vergangenen Jahres die Online-Plattform meinjuelich.de an den Start. Über diese präsentieren lokale Einzelhändler und Dienstleister ihre Angebote. Die Kunden sehen online die Produkte und können – je nach Angebot des Geschäfts – Kleidungsstücke reservieren, Angebote einholen und Tische in Restaurants reservieren. Entwickelt hat die Plattform die Jülicher Werbeagentur Looping. Diese ist seit einigen Monaten auch in Herzogenrath mit einem ähnlichen Konzept unterwegs. In Düren wird ebenfalls darüber diskutiert, wie der lokale Handel mit dem Online-Geschäft verzahnt werden könne.

Eine gemeinsame Internet-Präsenz für den Einzelhandel schwebt auch dem Stadtmarketing und der Stadtverwaltung vor. „Wir können nicht mehr nur überlegen, ob sich der Einzelhandel das Internet nutzbar macht, sondern müssen darüber sprechen, in welcher Intensität er dies tut“, stellt Frank Gilles vom Wirtschaftsförderungsamt fest und ergänzt: „Eine gemeinsame Plattform im Internet kann sich gut eignen, um die Vorteile des Standorts Stolberg zu verdeutlichen und die Vorteile des Einzelhandels in puncto Service darzustellen.“

Die Möglichkeiten einer solchen Internetseite seien vielfältig. Von einem bloßen Hinweis auf das entsprechende Gewerbe bis hin zu einem virtuellen Rundgang durch Sortiment und Geschäftsräume – wie sich der einzelne Händler im Internet präsentieren wolle, müsse letztlich jeder individuell entscheiden können, findet Gilles. Dass eine gemeinsame Präsentationsbasis auch für Stolberg notwendig sei, stehe für ihn aber außer Frage.

In sechs Monaten umsetzbar

„Es ist wichtig, dem Kunden zu zeigen, welche Geschäfte es in Stolberg gibt und wo er sich die Fahrt nach Aachen oder andere Kommunen sparen kann“, betont auch Barbara Breuer, Leiterin der Stolberg-Touristik und SMS-Vorstandsmitglied. Das Stadtmarketing steht diesbezüglich bereits mit einer Firma in Kontakt. Mit dieser könne ein entsprechendes Internet-Portal umgesetzt werden. „Sofern wir die Einzelhändler von dem Konzept überzeugen können, wird die Seite innerhalb der nächsten sechs Monate umgesetzt“, verkündet Breuer.

Die Hoffnungen in eine gemeinsame Präsentationsbasis für den Stolberger Einzelhandel sind groß. „Ein gemeinsames Konzept schweißt zusammen und stärkt den Einzelhandel“, ist sich Gilles sicher. „Wir wollen ein Wir-Gefühl im Internet schaffen.“ Und letztlich auch die Kupferstadt als Standort attraktiver machen.

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