Oldtimertreffen: 300 Autos und vier „Neander”

Von: Dirk Müller
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Sebastian Wenzler, Leiter des
Sebastian Wenzler, Leiter des Museums Zinkhütter Hof, sitzt fest im Sattel des Modells „Deutschlandfahrt” aus dem Jahr 1924, das wie drei weitere Neander-Motorräder des Konstrukteurs Ernst Neumann bei dem Oldtimertreffen zu bestaunen sein wird. Foto: D. Müller

Stolberg. Am Tag des offenen Denkmals verwandelt sich das Areal des Museums Zinkhütter Hof erneut in ein Mekka für Oldtimerfreunde. Auf dem großzügigen Außengelände werden am Sonntag, 9. September, „mobile Denkmale” aus der Zeit um 1900 bis hin zu Youngtimern zu bestaunen sein.

„Bei schönem Wetter rechnen wir mit rund 300 Fahrzeugen und einer breiten Palette von Modellen und Baujahren”, sagt Museumsleiter Sebastian Wenzler, dem für dieses Jahr ein besonderer „Coup” gelungen ist.

Das Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte lockt mit vier Exponaten einer Marke, deren bloße Erwähnung technikbegeisterten Zeitgenossen wohlige Schauer bereitet: „Neander”.Die Motorräder des Multitalents Ernst Neumann wurden zwischen 1924 und 1928 in Düren und Euskirchen gebaut und sind sehenswert bis ins letzte Detail.

Mit geringem Eigengewicht und niedrigem Schwerpunkt erreichte Neumann außergewöhnliche Fahrleistungen, ließ dabei den Komfort aber nicht zu kurz kommen: Schwinggabeln und aufblasbare Sitzbänke und Sättel federn Bodenunebenheiten ab. Bei allen Konstruktionsraffinessen faszinieren die Maschinen vor allem durch ihr damals innovatives, zum Teil avantgardistisches Design. „Diese Neander-Motorräder sind einfach zeitlose Schönheiten”, schwärmt Wenzler.

Zu den vier zur Schau gestellten Zweirädern gehört das erste von Neander seriengefertigte Modell „Deutschlandfahrt” aus dem Jahr 1924 mit einem Zentralrohrrahmen, zwei Ganggetriebe und 147 Kubikzentimetern Hubraum. Mit mehr Leistung wartet die legendäre Neander P 3 auf, für die Opel 1928 die Lizenz erwarb und als „Opel Motoclub” vertrieb.

In dem Einheitsrahmen des Motorrads konnten ohne Veränderungen verschiedene Motoren verbaut werden, und das im Museum Zinkhütter Hof befindliche Stahlpressmodell P 3 verfügt über drei Gänge und den größtmöglichen Hubraum von knapp 1000 Kubikzentimetern.

Seine Begeisterung für die außergewöhnlichen Oldtimer sei auch in der Person ihres Konstrukteurs begründet, erklärt Wenzler: „Die Lebensgeschichte von Ernst Neumann ist unglaublich spannend und bietet alleine schon aufgrund seiner Tätigkeiten Stoff für gleich mehrere Filme.”

1872 als Sohn des Landschaftsmalers Emil Neumann in Kassel geboren, studierte Ernst Neumann in Kassel, München und Paris Malerei. Er zeichnete Karikaturen für die satirische Wochenzeitschrift „Simplicissimus”, schloss sich in Schwabing der ersten politischen Kabarettgruppe „Die elf Scharfrichter” an, gründete mit dem Radierer Heinrich Wolff eine Mal- und Zeichenschule.

Neumann fährt Radrennen - damals auf dem Hochrad -, seine „Ateliers Neumann” entwerfen für alle bedeutenden Automobilhersteller und auch für andere Industriezweige die Reklame. Bei Plakaten und Logos bleibt es nicht, bald designt Ernst Neumann Karosserien, konstruiert Fahrzeugteile wie Kupplungen, arbeitet unter anderem im Auftrag von Ferdinand Porsche.

Bei der deutschen Automobilausstellung 1923 basierten zwei Drittel aller präsentierten Karosserien auf Entwürfen von Ernst Neumann. Neben den Neander-Motorrädern konstruierte er „Fahrmaschinen”, drei- und vierrädrige aufs Wesentliche reduzierte Hybriden zwischen Auto und Motorrad, mit dem Ziel, einen erschwinglichen „Volkswagen” zu schaffen. Ein Ziel, dass Neumann nicht erreichte. 1951 widmete er sich wieder der Malerei und verstarb 1954 in Düren-Rölsdorf.

Das Museum Zinkhütter Hof zeigt bei dem Oldtimertreffen aber nicht nur die Motorräder aus dem Hause Neander: „Unser Depot besteht auch aus einer reichhaltigen Sammlung, die sehr gut zu dem Thema ,Mobilität passt. Diese Exponate werden alle zu sehen sein”, beschreibt Wenzler. Die vielen Oldtimerbesitzer, die ihre „Schmuckstücke” in dem ansprechenden Ambiente des Museumsquartiers in Szene setzen, seien außerdem eingeladen, sich auszutauschen, und zwar auch im wahrsten Sinne des Wortes.

„Jeder darf den Kofferraum öffnen und Ersatzteile zum Verkauf oder Tausch anbieten. Zudem können die Oldtimerfreunde sich an einem großen Büchertisch mit Fachliteratur eindecken”, sagt der Museumsleiter. Der verbale Austausch über die Erfahrungen mit den betagten Fahrzeugen erhalte von der musikalischen Untermalung des Duos „Marx und Moritz” (Gesang und Piano) und dem kulinarischen Angebot Unterstützung in punkto Geselligkeit, die bei Oldtimerfahrern ohnehin groß geschrieben werde.

Das Oldtimertreffen auf dem Gelände des Museums Zinkhütter Hof beginnt am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 9. September, um 10 Uhr. Bis etwa 18 Uhr wird das gesamte Areal zum Ausstellungsort für die „rollenden Denkmale”.

In einer Depotausstellung zeigt das Museum neben den Neander-Motorrädern von Ernst Neumann seine eigene Sammlung zum Thema „Mobilität”. Eine Ersatzteilbörse und ein Büchertisch mit Oldtimer-Literatur runden das Treffen ab.

Den musikalischen Rahmen gestaltet das Duo „Marx und Moritz” und für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.
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