Stolberg-Münsterbusch - Offener Dialog: Alle eint der Glaube an Leben nach dem Tod

Offener Dialog: Alle eint der Glaube an Leben nach dem Tod

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Interreligiöser Dialog: 25 Christen und Muslime tauschen sich im Münsterbuscher Pfarrheim über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Religionen aus. Foto: D. Müller
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Mehmet Soyhun, islamischer Theologe aus Dortmund, fordert Christen und Muslime zum besseren Kennenlernen auf.

Stolberg-Münsterbusch. Viele Gemeinsamkeiten sind zur Sprache gekommen. Aber auch viele Unterschiede, und das sei auch gut so, meinte Mehmet Soyhun, denn „im Dialog sollen wir uns besser kennenlernen und dabei den eigenen Glauben stärken“, erklärte der islamische Theologe aus Dortmund.

25 Interessierte waren im Pfarrheim Herz Jesu in Münsterbusch zusammengekommen, um an dem Gesprächskreis in der Reihe des interreligiösen Dialogs in Stolberg teilzunehmen. „Jesus im Koran und in der Bibel“ war das Thema, das von Fachleuten beleuchtet und von den anwesenden Muslimen und Christen katholischer und evangelischer Konfession zu Fragen, Diskussionen und einem regen Austausch genutzt wurde.

Zunächst stellte Achim Jaskulski, Diakon der katholischen Großpfarre St. Lucia, Jesus als zentrale Figur der Bibel vor. „Wir sehen in Jesus Gott. Das ist naturwissenschaftlich nicht nachzuvollziehen – es ist eine Glaubenssache“, beschrieb Jaskulski. Ein wesentlicher Punkt für die Christen sei, dass Jesus und damit Gott den Menschen begegne. Anhand von Beispielen aus dem Neuen Testament zeigte der Diakon, wie Jesus durch seine Barmherzigkeit das Innere der Menschen anrühre.

Jesus wird zum Verkündigten

Pfarrerin Elke Gericke von der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg führte aus, dass „Jesus von Nazareth“ der Name und „Jesus Christus“ ein Titel sei, der für „der Gesalbte“ stehe. „Jesus ist für uns nicht nur ein Verkündiger, sondern er ist zum Verkündigten geworden. Das hat ihn von den Wanderpredigern seiner Zeit unterschieden“, sagte Gericke. Sie verdeutlichte mit Zitaten aus dem Paulus-Brief an die Korinther, dass für die Christen die Auferstehung Jesu zentral sei.

Soyhun, Beauftragter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit beim Dachverband der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) im Regionalverband Essen, referierte zu „Isa ibn Maryam“, wie Jesus, Sohn der Maria, im Koran heißt. Der islamische Theologe berichtete, dass auch für die Muslime die jungfräuliche Geburt Jesu ein Wunder sei. „Es zeigt die Allmacht Gottes“, erläuterte Soyhun und verwies auf weitere Parallelen von Islam und Christentum, die allerdings in einigen Details durchaus unterschiedliche Anschauungen aufweisen. So tue Jesus als „Isa“ auch im Koran Wunder, bewirke diese aber nicht selbst: „Gott vollbringt die Wunder durch Jesus, der wiederum damit unter Beweis stellt, ein Prophet Gottes zu sein.“ In der islamischen Auffassung sei Jesus nicht der „Sohn Gottes“, sondern das „Wort Gottes“.

Offensichtlich different werde es bei der Kreuzigung. „Wir Muslime glauben, dass Gott seine Propheten schützt.“ So habe er Jesus in den Himmel hinaufgezogen, um ihn vor der Kreuzigung zu bewahren. „Außerdem braucht der Islam niemanden, der sein Leben zur Vergebung der Sünden gibt, denn die Erb- oder Ursünde gibt es nicht.“ Dementsprechend sei „Isa“ auch nicht von den Toten auferstanden. Gläubige würden jedoch nach ihrem irdischen Ableben im Paradies auferstehen – und zwar immer im Alter von 33 Jahren, so alt wie „Isa“ gewesen sei, als Gott ihn in den Himmel abberufen habe.

Bezüglich der christlichen Sicht gab Soyhun zu bedenken, dass Jesus beinahe ausschließlich von Paulus als der „Verkündigte“ beschrieben werde. Diese islamische Einschätzung und weitere Unterschiede zu der katholischen und evangelischen Exegese sowie auch die entdeckten Gemeinsamkeiten boten den Anwesenden reichlich Diskussionsstoff.

Höhepunkt arabischer Poesie

Nachdem Yüksel Mutlu, der Imam der Ditib-Gemeinde, einige Koranverse rezitiert und damit eindrucksvoll demonstriert hatte, warum der Koran als „Höhepunkt der arabischen Poesie“ angesehen wird, führten die Stolberger Christen und Muslime noch lange angeregte Gespräche in einem offenen Dialog und in einer freundschaftlichen, sehr entspannten Atmosphäre.

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