„Österreicher sind unsere Vorbilder bei Blasmusik“

Von: Nadine Tocay
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Die Blasmusikanten Gressenich spielen am Samstag bei „Stolberg goes Österreich“. Mit Reisen in das Nachbarland haben sich die Musikanten im Vorfeld vorbereitet. . Foto: Verein
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Bereits seit 47 Jahren leitet Arno Scholl die Blasmusikanten Gressenich. Er selbst dirigiert nicht nur, sondern spielt auch Trompete. Foto: N. Tocay

Stolberg-Gressenich. Seit Freitag steht unser Nachbarland Österreich in der Altstadt im Fokus. Im Rahmen des Kulturfestes „Stolberg goes Österreich“ werden Besucher noch bis Sonntag in die Welt von Mozart, Falko und Sissi entführt. Auf einer großen Bühne auf dem Kaiserplatz wird ein abwechslungsreiches Programm geboten.

Einer der Teilnehmer sind die Blasmusikanten Gressenich. Sie sind vor allem durch ihre Auftritte auf Schützen- und Stadtfesten in der Region bekannt geworden. Am Samstag werden sie von 22 bis 24 Uhr auf dem unteren Burghof ihr Publikum mit Märschen und Polkas zum Schunkeln bringen. Was der Verein unserem Nachbarland zu tun hat, wie sie sich auf die Veranstaltung vorbereitet haben und wie sie zu ihren Lederhosen gekommen sind, das erklärt der Vorsitzende und Dirigent der Blasmusikanten, Arno Scholl in einem Interview mit unserer Volontärin Nadine Tocay:

Herr Scholl, Sie leiten die Blasmusikanten Gressenich als Vorsitzender bereits seit deren Gründung vor 47 Jahren. Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Musik?

Scholl: Ich wollte als Kind schon immer in den Trommler- und Pfeifenchor und Musik machen, das ging aber nicht. Dann habe ich später mal die Blasmusik bei Jemandem entdeckt. Er hat mir die Grundbegriffe erklärt und alles andere habe ich mir alleine beigebracht. Ich selbst spiele Trompete, bin aber nie in einer Schule für Musik gewesen. Auch das mit dem Dirigieren kam im Laufe der Zeit von alleine. Irgendwann kam dann damals eine Karnevalsgesellschaft auf mich zu, die einen Fanfarenzug gründen wollte, und fragte, ob ich das in die Hand nehmen würde – das war 1970.

Und das haben Sie dann auch gemacht und in dem Jahr dann tatsächlich die Blasmusikanten gegründet?

Scholl: Genau, damals waren wir dann erst noch der Fanfarenzug - ungefähr sechs oder sieben Jahre lang. Dann haben wir uns umbenannt in Blasmusikanten, weil wir dann auch andere Instrumente dazubekamen und nicht mehr nur mit Fanfaren und Trommeln spielten. Da haben wir uns dann auch von der Karnevalsgesellschaft abgekoppelt. Klarinetten, Trompeten, Flügel- und Tenorhören, das Bariton und Tubas sind dazugekommen. Aber ich denke, es ist wichtig zu betonten, dass wir uns nicht als Musiker sehen, sondern als Musikanten. Wir haben also einfach Spaß am Spielen. Und deshalb haben wir uns damals auch den Namen Blasmusikanten Gressenich gegeben. Und von den Gründern sind sogar noch immer drei im Verein, mich eingeschlossen. Wir haben insgesamt sehr viele Mitglieder, die schon seit Jahrzehnten dabei sind. Und im letzten Jahr haben wir noch jemanden dazubekommen.

Viele Musikvereine haben ja Probleme, Nachwuchs zu finden. Das scheint bei Ihnen also kein Problem zu sein?

Scholl: Doch, das neuste Mitglied ist auch schon etwas älter. Es ist sehr schwierig, die Jugend für so etwas wie Blasmusik zu begeistert, denn es ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Wir proben zwei Mal pro Woche, weil kaum einer Gelegenheit hat zu Hause zu üben – mit einem Begleitinstrument oder der Trompete alleine zu üben ist recht schwierig. Wir treffen uns immer in der Grundschule, dort haben wir den Feierraum von der Stadt gemietet. Aber auch das Proben läuft bei uns nicht ganz professionell ab. Wir machen das ja alles aus Spaß.

Bei Ihren Auftritten tragen Sie rote Westen und Lederhosen. Sie sind der einzige Verein in der Gegend mit einer solchen Kluft. Was steckt dahinter?

Scholl: Wir lieben die Musik von den Egerländern. Die Original Egerländer Musikanten hat damals Ernst Mosch gegründet. Man nannte ihn den „König der Blasmusik“. Und das war genau die Musik, die wir auch machen wollten: Marschmusik, Polka und Walzer. In diese Musikrichtung haben wir uns verliebt. Wir fahren auch jedes Jahr alle zusammen in die Berge. Und irgendwann dachten wir, wir müssen die schwarzen Hosen und weißen Hemden gegen andere Kleidung austauschen und sind so bei den Lederhosen gelandet. Das war vor ungefähr 35 Jahren.

Waren Sie auch schon einmal in Österreich in den Bergen?

Scholl: Ja, wir waren sogar noch über das Pfingstwochenende dort. Wir treten dann dort auch auf, aber meist nicht offiziell. Wir machen das spontan, nehmen unsere Instrumente mit und spielen dann im Hotel, auf der Alm oder auch schon einmal im Musikpavillion. Wenn man dort ganz oben auf der Alm steht und dann selbst spielt, das ist schon wirklich ein toller Klang.

Und was sind Ihre Erfahrungen mit den Österreichern und der Musik?

Scholl: Ich denke, die Österreicher sind unsere Vorbilder bei Blasmusik. Da gibt es Dörfer, die haben nur 50 Einwohner, von denen spielen gefühlt 200 Blasmusik . Da gibt es in jedem zweiten Haus einen Musikanten. Dort, wo wir jetzt waren, sind wir auch auf eine Kapelle mit 60 Mann getroffen. Das war schon beeindruckend. Aber wir waren ja nicht zum ersten Mal in Österreich, sondern schon oft.

Dann ist ja „Stolberg goes Österreich“ genau das Richtige für Sie. Wie kam es dazu, dass Sie an der Veranstaltung teilnehmen?

Scholl: Das ist ganz einfach: Max Krieger, der Kulturmanager der Stadt, hat uns angesprochen und gefragt, ob wir daran Interesse hätten, weil unsere Musik da so gut hineinpasst.

Wie lange haben Sie für Ihren Auftritt dort geprobt?

Scholl: Eigentlich gar nicht . Das ist unsere Art von Musik, die spielen wir schon immer. Alles was zu Österreich passt, wird dann auch am Samstag gespielt. Vor allem Märsche und Polka. Das haben wir auch bei den Mai- und Schützenfesten in den letzten Wochen so oft gespielt, da sind wir geübt drin. Und das passt auch sehr gut zu Österreich.

Sie sind ja schon ein alter Hase bei den Blasmusikanten. Haben Sie da manchmal auch noch Lampenfieber vor den Auftritten?

Scholl: Man macht sich immer Gedanken, ob die Besetzung stimmt. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass manche Stimmen unterbesetzt sind. Jedes Stück hat seine Passagen, wo andere Instrumente spielen – wo ein Tenorhorn oder eine Trompete ein Solo spielt. Da müssen dann auch alle Spieler da sein, da muss man dann immer ein bisschen improvisieren. Aber so richtiges Lampenfieber? Nein, nach 47 Jahren hat man das abgelegt .

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