Ökumenischer Pfingstgottesdienst: Verständigung in vielen Sprachen

Von: mlo
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Jeremy Sens (6) und Bruder Dominik (8) zeigen stolz ihre geschminkten Gesichter. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Schon fünfzehn Minuten vor dem eigentlichen Beginn des ökumenischen Pfingstgottesdienstes im Gemeindezentrum herrscht in der Frankentalstraße ein reges Treiben. Die Parkplätze sind nahezu besetzt und aus allen Ecken steuern Menschen den großen Saal auf der ersten Etage an, während draußen noch viele fleißige Hände Vorbereitungen treffen für Begegnungen nach dem Gottesdienst.

Drei Chöre (Evangelische Kantorei, St. Franziskus und St. Cäcilia Stolberg) gruppieren sich derweil um den Flügel, an dem Gunther Antensteiner sitzt, herum und warten auf das Zeichen ihres Einsatzes durch Dirigent Jo Schulte.

Nachdem die Stuhlreihen und Bänke gefüllt sind, stimmt die Chorgemeinschaft zur Ehre Gottes an und singt Beethovens „Die Himmel rühmen“. Pfarrer Wegmann und Pfarrer Funken freuen sich, dass wieder viele Menschen (mehr als 300) den Weg zu diesem gemeinsamen Gottesdienst gefunden haben. Der Morgen steht unter dem Thema: Pfingstereignis - der Geist Christi ergreift verschiedene Menschen. „Es geht um ein Rückbesinnen auf das eigentliche Pfingstfest, auf den Geist der Kraft und Besonnenheit, der die Menschen eint, und ihnen hilft, alles Schwere zu überwinden“, so die Geistlichen.

Gemeinsam wird gesungen und gebetet. Und dazwischen singen die Chöre moderne rhythmische Arrangements. Diakon Achim Jaskulski fällt die Ansprache zu. Er weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, Menschen im Ausland kennenzulernen, die die fremde Sprache nicht kennen. Die Erforschung der menschlichen Ursprache beschäftigt die Menschen seit Jahrhunderten. Dass Kinder nicht sprechen lernen, wenn sie ohne Zuwendung und Sprache aufwachsen, ist bezeugt. In Gesprächen mit syrischen Flüchtlingen auf dem Donnerberg sieht er Parallelen.

Die Flüchtlinge werden hier angehalten, nicht mit dem Wachpersonal zu sprechen und können sich manchmal nur durch Zeichen verständlich machen. Was die fehlende Ansprache abseits der Stadt und den Menschen in Stolberg für die Flüchtlinge bedeutet, führt er nicht weiter aus, sondern spricht von wohltuenden Menschen, die andere verstehen, ein verständiges Herz haben, den Fremden im Blick nehmen, damit das Bedrohliche erst gar keinen Platz findet. „So ist es auch mit dem Glauben“, sagt Jaskulski, „wer Angst hat sich zu blamieren oder als Spinner abgestempelt zu werden, für den wird Glaube zum Sonderbereich und gehört nicht mehr in den Alltag.“ Es gelte für jeden Getauften, die frohe Botschaft weiterzugeben in einer Sprache, die jeder verstehe. Und es ist die Musik, die beweist, dass die Botschaft der Lobpreisung des Herrn in vielen Sprachen (deutsch, englisch, französisch, lateinisch, griechisch, russisch, portugiesisch, suaheli und finnisch) möglich ist, so dass sie jeder versteht.

Zehn Bitten um den Heiligen Geist werden ebenfalls in verschiedenen Sprachen (darunter hebräisch, arabisch, niederländisch, koreanisch) auf „Feuerzungen“ mit der Übersetzung in Deutsch vorgetragen. Das Vaterunser beten alle in Latein, Deutsch und Englisch. Mit der Bitte, dass Menschen aller Nationen einen Weg der Verständigung untereinander finden mögen und einem feinfühligen romantischen Instrumentalstück von Johann Gabriel Rheinberger, gespielt auf Geige und Klavier, endet nach 70 Minuten der erste Teil des ökumenischen Festes. Der Dank geht noch an die vielen Helfer der beiden Gemeinden.

Grillstand und Salatbar, Kaffee und Waffeln sind jetzt heiß begehrt. Die Kinder basteln, lassen sich schminken oder spielen Kicker. Die Kolpingfamilie erinnert an Adolph Kolping, der Zeugnis des Glaubens in seiner Zeit gegeben hat und als Seelsorger und Sozialreformer Menschen begeistern konnte. Der Weltladen ist mit einem Verkaufsstand zu finden. Klaus Schleicher wirbt für die Kirche mit Kindern und den Kinderbibeltagen. Stolz zeigt er auf die Urkunde und das Dankesschreiben der Kindernothilfe. Miriam und Lars Heidrich hatten 1000 Euro in der Weihnachtsfeier für Patenkinder in Indien und Bangladesh gesammelt. Zu der Aktion 1+3=4 zahlten dann zu den 25 Prozent der Kindernothilfe 75 Prozent öffentliche Geldgeber, so dass am Ende für die Kinder 4000 Euro bereitstehen. Bei der Katholischen Frauengemeinschaft Atsch/Mühle/Aachen fühlen sich Frauen aufgefangen. Die Damen haben Freude am gemeinsamen Beten, Lernen, Arbeiten und Feiern.

Agi Ruskowski vom Kreis der „Exerzitien im Alltag“ lädt zu einem Pfingstgespräch ein. Bei der Gestaltung zur Mitte hat sie sich an der Kuppel im Pantheon in Rom orientiert. An Pfingsten lässt der Pfarrer hier sieben Millionen Rosenblüten durch die Öffnung (der Kuppel) auf die Menschen regnen, die an die Feuerzungen erinnern sollen, an die Aussendung des Heiligen Geistes und den Ursprung des Pfingstfestes.

Wie Gott im Leben wahrgenommen wird und was es mit den sieben Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht) auf sich hat, wird besprochen. Ein offenes Singen mit Taizé-Liedern wie „Ubi caritas“, „Laudate Dominum“, „Nada te turbe“ und anderen unter Gunther Antensteiner rundet dieses bunte fröhliche Fest ab. Alle fühlen sich beschenkt und gehen vergnügt nach Hause.

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