Öffnung der Stollen: Strahl für die kleine Welt ohne Licht

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
10153827.jpg
Ins rechte Licht gerückt: Mit entsprechender Beleuchtung ist die Atmosphäre in den dunklen Gängen unter der Burg gar nicht mehr so düster. Die Burgstollen sind über drei Etagen verteilt und sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Foto: J. Lange
10153828.jpg
Alle wollten rein: Riesig war das Interesse an den Burgstollen, die vor sechs Jahren erstmalig zugänglich gemacht wurden. Foto: D. Müller

Stolberg. Dort, wo die Atmosphäre sonst düster und ein wenig beklemmend ist, schimmern im Schein von Kerzen und Taschenlampen die von Feuchtigkeit überzogenen Kalksteinwände geheimnisvoll. Auf dem Boden haben sich Wasserpfützen gebildet, und wenn es draußen geregnet hat, hört man es im Gewölbe auch überall tropfen.

Drei Stollen liegen unterhalb der Stolberger Burg. Sie sind einst mühevoll erstellt worden – wann genau und warum, ist bis heute unklar – und wurden im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker benutzt. Vielleicht waren sie angelegt worden, um Bergbau zu betreiben, da Vorkommen von Blaustein und Erzen nachgewiesen wurden.

Das geheimnisvolle Gangsystem könnte aber auch als Flucht- oder Versorgungsstollen errichtet worden sein. Bevor Anfang der 40er Jahre das Stollensystem ausgebaut wurde, um als Bunker zu dienen, hatte schon eine Stolberger Brauerei das dunkle und konstant kühle Gewölbe als Bierkeller genutzt.

Kalt und geheimnisvoll

Während Höhlen für den einen nur dunkle, nasse und kalte Löcher sind, üben sie auf den anderen etwas Geheimnisvolles und Rätselhaftes aus. Allein der riesige Andrang vor sechs Jahren zeigt, wie groß das Interesse seitens der Bürger ist, das unterirdische Gangsystem unter dem Fundament der Burg zu erkunden. Seinerzeit, es war am 13. September, sind die Burgstollen zum Tag des offenen Denkmals erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Mehrere Generationen von Besuchern wollten sich das spannende Erlebnis nicht entgehen lassen. Von 11 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag bildeten die geduldig Wartenden eine lange Schlange, und Barbara Breuer erinnert sich noch heute gerne an den Tag, an dem weit über 1000 Menschen in einen Teil von Stolbergs Unterwelt abgetaucht sind.

„Die Stollen bergen große Potenziale“, betont die Leiterin der Stolberg-Touristik. Seit der Öffnung am Tag des Denkmals und auch schon davor ist eine dauerhafte Öffnung der Burgstollen immer mal wieder im Gespräch. Bislang scheiterten konkrete Planungen allerdings schlichtweg an der Finanzierung. Deswegen wurden auch bis heute noch keine konkreten Gespräche mit den Eigentümern geführt; beide Zugänge zu den Stollen – Klatterstraße Höhe „Burgkeller“ und Burgstraße im „Sonnenhof“ – befinden sich in privater Hand. Das soll sich nun endlich ändern. Im städtischen Haushalt sind 10.000 Euro bereitgestellt, „als erster Aufschlag zur Öffnung der Stollen“, so Breuer.

„Wir sind dabei, ein Konzept für die Stolberger Burg zu entwickeln. Ein wichtiger Punkt dabei ist die touristische Öffnung der Stollen“, sagt Robert Voigtsberger. Eben weil sie etwas Geheimnisvolles hätten und „super spannend sind, vor allem für Kinder und ‚Höhlenforscher‘“, so der Erste Beigeordnete der Stadt. Beim Tourismuskonzept 2020 gehe es in erster Linie um die Fortschreibung des Konzeptes aus dem Jahr 2007.

Seinerzeit wurden verschiedene Punkte festgelegt, die weiterentwickelt werden sollen. „Kupfermeister, Industriekultur, Burg und historische Altstadt sowie Natur aktiv sind Schlagwörter. Wir haben Vieles schon gut umgesetzt bis auf die Einrichtung eines Wohnmobilstellplatzes, aber auch da arbeiten wir weiter dran“, sagt Barbara Breuer.

Zur Fortschreibung des alten Konzeptes gehört ebenfalls der Ausbau des Radwegenetzes. „Die Touristik ist ein wichtiger Faktor, und das Wahrzeichen dieser Stadt, die touristische Attraktion, ist die Burg, nicht allein, aber vorrangig. Und da stellt sich auch die Frage: Was können wir praktisch und schnell auf die Spur bringen“, so Voigtsberger. Hier soll eine Ideenwerkstatt Tourismus aktiv werden, bei der „viele Akteure gemeinsam an einen Tisch kommen, um Kräfte zu bündeln und gemeinsam Strategien zu entwickeln“, so der Tourismus-Dezernent.

Die Ideenwerkstatt findet am 20. August als Tagesveranstaltung im Museum „Zinkhütter Hof“ statt. Neben persönlichen Einladungen, die noch verschickt werden, „ist natürlich jeder eingeladen, der Stolbergs Zukunft mitgestalten will“, betont Voigtsberger.

Bei der Workshop-Methode des „World Café“ wird in einer entspannten, kaffeehausähnlichen Atmosphäre ein kreativer Prozess in Gang gesetzt, der über mehrere Gesprächsrunden den Austausch von Wissen und Ideen unter den Beteiligten fördert und so zu neuen Erkenntnissen führt. Solche Workshops finden in internationalen Konzernen, politischen Organisationen, Gemeinden, Städten und Verbänden statt. Die Methode ist besonders wirkungsvoll bei uneinheitlichen, durchmischten Teilnehmergruppen, die von einem gemeinsamen Thema betroffen sind – in diesem Fall die Attraktivitätssteigerung der Stadt.

Robert Voigtsberger: „Es ist eine große Aufgabe, vor der wir stehen, aber die Grundstimmung ist gut und der Ideendurst groß! Das wollen wir nutzen.“ Für das Tourismuskonzept nutzen möchte die Stadt auch mögliche Fördermittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), „erste Gespräche mit der Bezirksregierung sind bereits erfolgt“, so Voigtsberger.

Mehr Geld bedeutet mehr Möglichkeiten. Und derer gäbe es für die Burgstollen „etliche“, wie Barbara Breuer sagt. „Ich möchte sie begehbar machen und interaktiv zeigen, wie es da unten gewesen ist im Zweiten Weltkrieg, welchen Werdegang die Menschen und die Stollen hatten. Die Geschichte aufbereiten und damit greifbar machen, das ist mein touristischer Wunsch“, so die Leiterin der Stolberg-Touristik.

Dafür müssen die düsteren Gewölbe entsprechend beleuchtet werden. Und wenn einmal die Lichter angehen, können die Blicke schweifen – vielleicht auch zu anderen Städten wie Valkenburg, wo in den Grotten Märkte, Feste, Konzerte und sogar Trauungen stattfinden. Letzteres hatte Monika Lück, Betreiberin der Burg-Gastronomie, schon bei der ersten offiziellen Öffnung der Stollen im Sinn. Keine schlechte Idee für die Kupferstadt, die sich damit auch als Hochzeitsstadt weiter positionieren könnte...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert