Nur noch einmal zu hören: der Chor der Dalli-Werke

Von: Dirk Müller
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Das vorletzte Konzert des Dalli-Chors in der Stadthalle im November quittierte das Publikum mit langen stehenden Ovationen. Foto: D. Müller

Stolberg. Mit stehenden Ovationen haben fast 700 Zuhörer den Auftritt des Männergesangvereins (MGV) der Dalli-Werke beim 57. Gemeinschaftskonzert der Männerchöre in der Stolberger Stadthalle bedacht. Ein bewegender Moment, zumal es nach 61-jähriger Chorgeschichte das letzte Konzert des Werks-MGV war, der sich mit dem Ende des Jahres auflöst.

Standen auch bei dem Gemeinschaftskonzert 33 Sänger auf der Bühne, so hätten davon nur 17 dem Dalli-Chor angehört, erklärt Josef Heidenthal, Vorsitzender des MGV: „Ohne die Gastsänger vom Schaufenberger Männerquartett, das ebenfalls von Georg Vorhagen geleitet wird, hätten wir gar nicht auftreten können.“

Schon jetzt habe der Chor zu wenige Tenor- und Bassstimmen, zwei Mitglieder hätten bereits angekündigt, 2013 nicht mehr singen zu wollen. „Im kommenden Jahr wären wir also nur noch 15 Sänger und weit entfernt von der Konzertstärke eines Chors“, beschreibt Heidenthal: „Deshalb haben wir verbliebene Mitglieder uns schweren Herzens entschieden, den MGV in Würde aufzulösen“, sagt der Vorsitzende, und Wehmut klingt in seinen Worten. Seit 38 Jahren gehört er dem Chor an, gab allein schon 25 Jahre lang den Nikolaus bei den Weihnachtsfeiern der Sänger. „Das war für mich immer etwas besonderes“, sagt er mit Blick auf die Gründung des Werks-MGV.

Es war eine Weihnachtsfeier im Jahr 1951, bei der eine kleine Gruppe von Arbeitern spontan Lieder sang. Daraus entwickelte sich der Chor der Dalli-Werke, in dem Heinrich Wenzler die musikalische Leitung übernahm. Kurz darauf ließen bei den wöchentlichen Proben etwa 70 Arbeiter aller Berufsgruppen ihre Stimmen erklingen. 1954 erfolgte das erste Konzert mit dem Büsbacher Mandolinenorchester „Gut Klang“, und weitere drei Jahre später schloss man sich dem Deutschen Sängerbund an. Als der Dalli-Chor 1976 sein 25-jähriges Bestehen feierte, war die Anzahl der Sänger jedoch auf 30 geschrumpft.

Heinrich Wenzler übergab den Dirigentenstab an seinen Sohn Leo Wenzler, und der MGV blieb mit vielen Konzerten aktiv, sang unter anderem in Marburg an der Lahn von der Freilichtbühne vor etwa 2000 Zuhörern – ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte. 1998 stand der Chor mit nur noch 15 Aktiven kurz vor dem Aus. „Die Rettung war, mit dem befreundeten MGV Vicht eine Chorgemeinschaft zu gründen“, erinnert sich Heiden­thal. Zwei Jahre darauf beendete Leo Wenzler das Dirigat, zunächst übernahm Ernst Priegnitz die musikalische Leitung, und nach einem Jahr folgte Georg Vorhagen, der den Chor bis heute leitet.

2007 erwartete den Dalli-Chor der nächste Schlag, denn der MGV Vicht kündigte die Chorgemeinschaft auf. „Wenn damals nicht alle 14 Vichter Sänger dem Werks-Chor beigetreten wären, wäre es das Ende für uns gewesen“, so Heidenthal. Noch einmal konnte der Chor gerettet werden, und Klang wie Geselligkeit überdauerten. „Nicht zuletzt dank der stets großzügigen Unterstützung der Geschäftsleitung und des Betriebsrats der Dalli-Werke und der Familie Wirtz sowie des ermunternden Zuspruchs unseres großartigen Publikums konnten wir dann im letzten Jahr noch das 60-jährige Bestehen des Chors feiern“, sagt Heidenthal.

Viele werden ganz aufhören

Nach dem umjubelten Auftritt beim Gemeinschaftskonzert wird der MGV der Dalli-Werke noch ein letztes Mal in der Öffentlichkeit zu hören sein: Am zweiten Weihnachtsfeiertag gestalten die Sänger die Messe in der Vichter Pfarrkirche St. Johannes Baptist musikalisch, dann „hängen“ einige von ihnen die Notenbücher an den sprichwörtlichen „Nagel“. „Manche sind schon zum Leoni-Werks-Chor gewechselt, die Anderen werden sich vielleicht nach einem Chor umschauen oder mit dem Singen aufhören, aber viele Freundschaften bleiben bestimmt bestehen“, hofft Heidenthal. Er ist froh, dass im kommenden Jahr die Geselligkeit des MGV noch einmal auflebt, denn im Sommer wird es für den Chor ein Grillfest geben: „Dann können wir gemeinsam auf viele schöne Jahre zurückblicken.“

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